Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Kirche geht auf Distanz zu rechtem Spender
Brandenburg Kirche geht auf Distanz zu rechtem Spender
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:33 23.06.2015
Heilgard Asmus, Generalsuperintendentin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz Quelle: dpa
Anzeige
Potsdam

Die evangelische Landeskirche fordert ihre Mitgliedsgemeinden auf, künftig auf Spenden der national-revanchistischen Stiftung Preußisches Kulturerbe zu verzichten. Angesichts inhaltlicher Differenzen rate die Landeskirche davon ab, weiterhin Mittel bei der Organisation um den früheren Bundeswehroberst Max Klaar zu beantragen, erklärte Heike Krohn, Sprecherin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, am Montag auf MAZ-Anfrage.

Großspender zweifelt deutsche Kriegsschuld an

Vorausgegangen waren heftige kircheninterne Debatten über die Legitimität der Verwendung von Klaars Spendengeldern. Der Ex-Militär hat wiederholt die deutsche Alleinschuld am Zweiten Weltkrieg öffentlich in Frage gestellt. Konfrontiert mit dieser These, sagte die evangelische Generalsuperintendentin Heilgard Asmus im RBB-Fernsehen, neben Deutschland hätten 1939 auch die anderen Großmächte den Krieg gewollt. Auch ein katholischer Kirchenvertreter hatte die Verantwortung Hitler-Deutschlands heruntergespielt.

Millionen für Brandenburgs marode Gotteshäuser

6,3 Millionen Euro sind in einer „Projektrücklage“ der Stiftung Preußisches Kulturerbe um den Bonner Ex-Bundeswehroberst Max Klaar. Das Geld, das ursprünglich für den Aufbau der Potsdamer Garnisonkirche vorgesehen war, kann von Brandenburger Kultur- und Kirchenprojekten abgerufen werden.

Etliche Kirchengemeinden haben davon bisher Gebrauch gemacht. Für die Sanierung maroder Gotteshäuser wurden Millionenbeträge abgerufen.

Diese Äußerungen riefen am Montag Empörung hervor. Der frühere Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD), der lange Jahre dem Konsistorium der evangelischen Kirche vorstand, sagte der MAZ: „Ich weise jeden Versuch zurück, an der alleinigen Kriegsschuld des verbrecherischen Nazi-Reiches zu rütteln.“

Asmus korrigiert empörende These

Kirchengemeinden sollten grundsätzlich auf Spenden Klaars verzichten, mahnte Stolpe, der den Wiederaufbau der Garnisonkirche befürwortet. „Eine Spende der Stiftung Preußisches Kulturerbe anzunehmen, hätte unsere Absicht, mit der Garnisonkirche ein Zentrum für Frieden und Versöhnung zu errichten, unglaubwürdig gemacht.“

Auf den öffentlichen Druck hin korrigierte Heilgard Asmus am Montag ihre umstrittene These. Durch Verkürzung sei ein falscher Eindruck entstanden. Die alleinige deutsche Schuld stehe außer Zweifel, betonte Asmus.

17 Kirchengemeinden sollen vom Spender profitiert haben

Das fragwürdige Ringen um die deutsche Geschichtsschreibung steht im Zusammenhang mit großzügigen Spenden der Stiftung Preußisches Kulturerbe. Die Organisation um Max Klaar hat in den vergangenen Monaten mehrere Kirchgemeinden mit größeren Summen für die Sanierung baufälliger Gotteshäuser unterstützt. Erst vor drei Wochen flossen 700.000 Euro nach Potsdam-Bornim, um den maroden Dachstuhl der evangelischen Dorfkirche herzurichten. Weitere 600.000 Euro flossen in die Potsdamer Nikolaikirche. Auch katholische Gemeinden wurde mit rund 200.000 Euro bedacht.

Mindestens 17 Kirchgemeinden sollen laut RBB profitiert haben. Das Geld stammt aus einem Fonds über insgesamt 6,3 Millionen Euro, mit dem Klaars Stiftung eigentlich den Aufbau der Potsdamer Garnisonkirche unterstützen wollte. Im Streit um die Errichtung eines Versöhnungszentrums zog Klaar sein Angebot im April 2014 allerdings zurück. Eine Kirche sei „kein polit-historisches Seminar“, sagte er damals.

MAZ-Kommentar: Machtwort mit Verspätung

Wer zahlt, bestimmt die Musik. Genauer: die Marschmusik. Max Klaar, der Bundeswehroberst a. D. mit dem revanchistischen Weltbild, erweist sich als großzügiger Spender für Brandenburgs Kirchengemeinden. Und als wäre es Teil des Handels, reden Kirchenobere dem Retter verfallener Gotteshäuser nach dem Mund. Am Zweiten Weltkrieg, sagte Heilgard Asmus, wären neben Hitler-Deutschland auch andere Großmächte schuld gewesen – ausgerechnet sie, die lange Jahre an der Spitze des Aktionsbündnisses Brandenburg gegen Rechtsextremismus eintrat.

Die These ist ungeheuerlich. Die Frage drängt sich auf, warum überhaupt ein Medienprofi wie Asmus einen solch verqueren Satz in eine Kamera sagen kann. Da ist es auch keine Entschuldigung, dass das Zitat nur ein verkürzter Ausschnitt eines längeren Interviews ist. Die evangelische Kirche beeilte sich am Montag, den Schaden zu begrenzen. Asmus beteuerte, dass es keinen Zweifel an der deutschen Alleinschuld am Zweiten Weltkrieg gebe – es ist eine Selbstverständlichkeit.

Dass Asmus dieser unheilvolle Fauxpas überhaupt unterlief, ist auch ein Ergebnis des langwierigen Lavierens beim Umgang mit den Spendenmillionen des Revanchisten Klaar. Jetzt hat die Kirche ein Machtwort gesprochen. Es kommt spät, sehr spät. Denn ohne die Geldzuwendungen aus zweifelhafter Quelle wäre Asmus nie in die Verlegenheit gekommen, über die Kriegsschuld zu philosophieren.

Von Bastian Pauly

Brandenburg Brandenburg beherbergt das erste Wettermuseum Deutschlands - Einzigartige Wetterfrösche in Lindenberg

Im brandenburgischen Lindenberg vermessen Freizeit-Meteorologen das Wetter. Temperatur, Luftdruck und Windstärke ist ihr Metier, sie wissen, dass es 2014 so warm war wie niemals zuvor – zumindest solange es das örtliche Observatorium gibt. Zum Sommeranfang hat die MAZ dem deutschlandweit einzigen Wettermuseum einen Besuch abgestattet.

25.06.2015
Brandenburg Tödliche Messerattacke auf Mann im Spreewald - Lebenslang für Messermann gefordert

Er hatte das Beziehungsaus zu seiner Freundin aus Neu Lübbenau (Dahme-Spreewald) nicht verkraftet, nahm sich ein Messer und stach zu: Der Messermann. Der neue Freund starb, die Frau überlebte knapp. Nun soll der Messermann lebenslang ins Gefängnis. Das fordert zumindest die Staatsanwaltschaft.

22.06.2015
Brandenburg Dreimal Revision im Maskenmann-Fall - Bundesgerichtshof richtet über Maskenmann

Der Maskenmann-Fall beschäftigt bald den Bundesgerichtshof. Gleich drei Revisionen wurden eingereicht. Inzwischen ist die Frist abgelaufen. Schon nach der Urteilsverkündung hatten die Verteidiger weitere Schritte eingeleitet. Nun zogen auch zwei Nebenkläger nach.

22.06.2015
Anzeige