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Brandenburg Kirche ohne Fachkräfte: Pfarrer verzweifelt gesucht
Brandenburg Kirche ohne Fachkräfte: Pfarrer verzweifelt gesucht
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00:17 25.05.2017
Pfarrer bei der Predigt: Quelle: dpa
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Potsdam

Zum Kirchentag kommen in dieser Woche zehntausende Junge Menschen in die Region – doch die jugendliche Optik täuscht: Die Evangelische Landeskirche hat ein massives Altersproblem. Binnen der nächsten 15 Jahre geht fast die Hälfte aller derzeit aktiven 980 Pfarrer in den Ruhestand. Nachfolger sind nicht in ausreichender Anzahl in Sicht. Das bestätigt Harald Sommer, Personalreferent der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg – schlesische Oberlausitz (EKBO), gegenüber der MAZ. „Wir bräuchten etwa 40 neue Pfarrer pro Jahr, wenn wir den Stand von heute halten wollten“, sagt der Oberkonsistorialrat. „Aus dem klassischen Theologiestudium kommen derzeit pro Jahr etwa 20 bis 25.“

Zahl der ausgeschriebenen Pfarrstellen steigt jetzt schon

Die Folgen des Theologenschwunds sind jetzt schon zu spüren. Die Zahl der ausgeschriebenen Pfarrstellen steigt. So fand sich für die 104 zwischen Januar 2015 und Juni 2016 öffentlich als Stellenangebot veröffentlichten Posten in 47 Fällen kein geeigneter Kandidat – die Ausschreibungen mussten wiederholt werden, so Personalreferent Sommer. Manche Suchbemühungen hätten auch nach mehreren Anläufen keinen Erfolg. Einige Stellen könnten schon heute nicht mehr besetzt werden. Betroffen seien schwerpunktmäßig ländliche Gebiete, vor allem in der Ober- und Niederlausitz.

Tolles Pfarrhaus mit großem Garten – das lockt nicht jeden

Die Kirchengemeinde Golzow-Planebruch (Potsdam-Mittelmark) in der Nähe von Brandenburg/Havel ist ein Beispiel für die Not vor Ort. Seit dem 1. Februar ist die Pfarrstelle zu vergeben – verbunden mit einem „Pfarrhaus mit großzügigem Garten mit Spielgeräten, Garagen und einer großen Streuobstwiese, die vom Mitarbeiter des Friedhofs gemäht wird“, wie es in der Ausschreibung heißt.

Die Dienstwohnung im historischen Fachwerkhaus hat sogar Fußbodenheizung – „all inclusive“ sozusagen. Doch niemand will den Posten haben. „Die erste Ausschreibung war erfolglos, die zweite läuft, wir machen uns aber keine allzu großen Hoffnung“, sagt die Vorsitzende des Gemeindekirchenrats, Birgit Basigkow (43).

„Man muss auf dem Dorf leben wollen, das fällt Stadtmenschen schwer“

Ein Jahr lang hatten die 900 Gemeindeglieder gar keinen Pfarrer, eine junge Uni-Absolventin stellte nach zwei Jahren im Entsendungsdienst fest, dass sie doch nicht Landpfarrerin werden wollte. „Man muss auf dem Dorf leben wollen. Aber das fällt vielen Stadtmenschen schwer“, sagt Basigkow, die hauptberuflich auf dem Familienbauernhof die Büroarbeit erledigt.

Die nächste Konfirmation von sieben Jugendlichen nimmt notgedrungen in diesem Jahr der Superintendent, also der Chef des Kirchenkreises, selbst vor. Besuchsdienst etwa bleibt an den oft älteren Ehrenamtlern in der Gemeinde hängen. „Es kommt vor, dass eine 76-Jährige Ehrenamtliche einer 80-Jährigen zum Geburtstag gratuliert, weil ja kein Pfarrer da ist“, so die Kirchenratsvorsitzende.

Personalchef: „Völlige Umkehr der Verhältnisse“

Die Gemeinde Golzow-Planebruch will sich jetzt wieder um einen Entsendungsdienstler bemühen, eine Position für Jung-Theologen, die mit einem Referendariat vergleichbar ist. Solche Pfarramts-Neulinge können aber die hohe Anzahl von freien Stellen nicht füllen. Im Moment sind allein elf Ausschreibungen auf der Landeskirchen-Homepage im Angebot.

„Verglichen mit den Jahren 1995 bis 2005 haben wir es mit einer völligen Umkehrung der Verhältnisse zu tun“, sagt EKBO-Personalreferent Sommer. „Damals hatten wir mehr Bewerber als Stellen und haben vier bis fünf Jahrgänge von jungen Theologinnen und Theologen nicht übernehmen können.“

Öffnung des Pfarrerberufs – das Abendmahl reicht ein Pädagoge

Wie aber soll die Kirche angesichts des Pfarrerschwunds handlungsfähig bleiben? Gemeindefusionen sind eine Antwort. Seit der Wende hat sich die Zahl der Kirchengemeinden in der EKBO von 2000 auf 1350 verringert. Folge: Die Einheiten werden größer. „Die Belastungsgrenzen im Zuschnitt mancher Pfarrsprengel und Kirchenkreise“ sei erreicht, sagt Sommer. Abhilfe schaffen könnte auch eine Öffnung des Zugangs zum Pfarramt.

In Golzow-Planebruch etwa müsste der künftige Ortspfarrer kein studierter Theologe sein. Eine Hochschulausbildung zum Gemeindepädagogen plus Ordinierung, also der Befugnis zur Taufe und zur Abendmahls-Gabe, würden reichen. Vorteil: Das Studium erfordert zum Beispiel weniger Altsprachen-Kenntnisse. Gemeindekirchenrats-Vorsitzende Basigkow würde dies nicht als Defizit empfinden: „Ist Altgriechisch wichtig fürs Gemeindeleben?“, fragt sie und liefert die Antwort selbst: „Auf dem Dorf kommt es eher auf den Kontakt zu den Menschen an.“

Von Ulrich Wangemann

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