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Kirchen bezweifeln alleinige Kriegsschuld der Nazis

Umstrittene Äußerungen über Ursachen des Zweiten Weltkriegs Kirchen bezweifeln alleinige Kriegsschuld der Nazis

Führende Kirchenvertreter in Brandenburg sorgen mit fragwürdigen Äußerungen über die Ursachen des Zweiten Weltkriegs für Aufsehen. So legte die evangelische Generalsuperintendentin Heilgard Asmus im RBB-Fernsehen nahe, auch andere Großmächte hätten den Krieg gewollt. Umstritten sind auch die Spenden einer rechtslastigen Stiftung.

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Generalsuperintendentin Heilgard Asmus

Quelle: Peter Geisler

Potsdam. Führende Kirchenvertreter aus Brandenburg haben öffentlich Zweifel an der deutschen Alleinschuld am Zweiten Weltkrieg geäußert. „Ich vermute, es ist zu einfach zu sagen, am 1. September ’39 hat der Zweite Weltkrieg durch Deutschland begonnen und Deutschland war ganz allein Schuld und alle anderen wollten gar keinen Krieg, die Großmächte“, sagte die evangelische Generalsuperintendentin Heilgard Asmus im RBB-Fernsehen.

Vertrag von Versailles „schreit nach Revanche“

Auch der katholische Potsdamer Pfarrer Klaus-Günter Müller äußerte sich missverständlich: „Der Friede von Versailles, der war so ungerecht, dass die Leute sagen, das ist Unrecht. Und wenn man einen ungerechten Frieden macht: dass das nach Revanche schreit, ist doch klar.“ Der Versailler Vertrag sei ein ungerechter Frieden gewesen und habe nach Revanche geschrien, sagte er.

Spender gegen Versöhnungszentrum in Garnisonkirche

Anlass der Interviews waren Millionenspenden von mindestens 17 Brandenburger Kirchgemeinden durch die rechtsnationale „Stiftung Preußisches Kulturerbe“ um den pensionierten Oberst der Bundeswehr, Max Klaar, wie der RBB am Sonntag mitteilte. Die umstrittene Stiftung hatte 6,3 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche gesammelt und die Spende 2014 im Streit wieder zurückgezogen, weil Klaar in der Garnisonkirche kein Versöhnungszentrum zur Aufarbeitung der NS-Geschichte haben wollte.

Kirchgemeinden nehmen Geld von Max Klaar

Trotz verbaler Entgleisungen des ehemaligen Soldaten haben die Kirchen laut RBB bereits zwei Millionen Euro von seiner Stiftung angenommen, darunter die Potsdamer Nikolaikirche und und andere Kirchen und Projekte. Zuletzt ging eine Spende an die Bornimer Kirche in Potsdam.

Rechtsextremismusforscher: „Propaganda der Nationalsozialisten“

In einer früheren Aussage hatte Klaar, der lange Jahre den Verband Deutscher Soldaten vorstand, den Zweiten Weltkrieg als „zweiten 30-jährigen Krieg“ von Großbritannien und seiner Verbündeten bezeichnet, „um Deutschland als Wirtschaftsmacht auszuschalten“. Der Berliner Rechtsextremismusforscher Hajo Funke erkennt in Klaars These die „Propaganda der Nationalsozialisten“ wieder.

Von Bastian Pauly

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Kommentar zu Geldern von umstrittener Stiftung

Großzügig, aber umstritten: Max Klaar hat mit seiner Stiftung Preußisches Kulturerbe Millionen in verschiedene Projekte gesteckt. Nach zweifelhaften Äußerungen der evangelischen Kirchenchefs in Brandenburg, Schuld am Zweiten Weltkrieg sei nicht nur Deutschland, ist der Aufschrei ist groß. Gelder sollen zurück. MAZ-Redakteur Ulrich Wangemann sieht das anders.

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