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Brandenburg Kita-Demo in Brandenburg: Das wollen die Eltern
Brandenburg Kita-Demo in Brandenburg: Das wollen die Eltern
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18:17 30.05.2018
Mit Plakaten zogen 850 Demo-Teilnehmer am Mittwoch vor den Potsdamer Landtag. Quelle: Julian Stähle
Potsdam

Margarete (3) taucht ihre Finger in einen blauen Farbtopf. Dann macht es „patsch“ und ihre Hand landet auf einem Papier, das vor ihr auf dem Basteltisch liegt. Auf dem Transparent, das mehrere Meter lang ist, haben bereits viele kleine und große Hände einen Platz gefunden. „Unsere Hände für mehr Erzieher*innen-Hände“ steht dort geschrieben.

Erzieher*innen müssen mehr als zwei Hände haben, um Kinder zu betreuen. Bei der Demo am Mittwoch forderten sie mehr Personal. Quelle: Julian Stähle

Margarete besucht die Potsdamer Kita „Bergmännchen“ und ist am Mittwochvormittag gemeinsam mit ihrer Mutter Ulrike Rohde zur Demonstration vor den Landtag in Potsdam gekommen. Dort haben mehrere Hundert Kita-Erzieher, Eltern und Kinder vor Beginn der Plenumssitzung für längere Betreuungszeiten in märkischen Kindertagesstätten protestiert.

Ernstes Thema, Stimmung wie auf einem Kindergeburtstag. Quelle: Julian Stähle

Ein ernstes Thema, trotzdem ist die Stimmung auf dem Platz so entspannt wie auf einem Kindergeburtstag. Kinder mit grünen Schirmmützen spielen Mensch-ärgere-Dich-nicht und jagen riesigen Seifenblasen hinterher. Auf Tischen stehen Getränke, Brezeln und frisches Obst. Fast alle hier haben Rasseln und Trillerpfeifen in der Hand. Wenn auf der Bühne geredet wird, ist das Pfeifkonzert so laut, dass selbst Kinderlärm nicht dagegen ankommt.

Mehr Personal, mehr Qualität

Dabei dürfen sich die Eltern eigentlich freuen: Am Mittwoch hat der Landtag beschlossen, dass das letzte Kita-Jahr vor der Schule ab August beitragsfrei wird. Doch das ist vielen Protestierenden nicht genug. „Wir wollen mehr!“, sagt Ricarda Grauel. Die Mutter aus Potsdam ist mit ihren drei Kindern an diesem heißen Morgen bei Temperaturen von 30 Grad auf den Alten Markt gekommen, um für eine bessere Personalausstattung in den Kitas zu demonstrieren. „Die Beitragsfreiheit im letzten Kitajahr ist toll, aber die Kitas haben nichts davon. Mir persönlich ist es wichtiger, dass die Kitas ausreichend Geld haben, um es in die Qualität zu stecken.“

Ricarda Grauel kam mit ihren drei Kindern zur Demo. Quelle: Julian Stähle

Denn darum geht es den meisten der rund 850 Teilnehmern der Kita-Demo, zu der mehrere Freie Träger wie Fröbel, der AWO Landesverband, das Deutsche Rote Kreuz, Caritas und Diakonie aufgerufen haben: Mit den derzeitigen Zuwendungen des Landes sei nur eine maximale Betreuungszeit von 7,5 Stunden pro Tag aufrecht zu erhalten. Doch die Realität in vielen Kindertagesstätten, die mit gleichem Personal immer längere Betreuungszeiten abdecken müssen, spiegele sich nicht im Brandenburger Kita-Gesetz wider. Viele berufstätige Eltern würden Betreuungszeiten von bis zu zehn Stunden dringend benötigen.

Das ist auch bei den Eltern der dreijährigen Margarete der Fall. Ihre Mutter Ulrike Rohde arbeitet in Teilzeit sechs Stunden am Tag, trotzdem verbringt ihre Tochter acht bis neun Stunden in der Kita. „Mein Arbeitsplatz ist in Berlin und ich pendele täglich zwei Stunden“, erklärt die 34-Jährige. Auch im Kindergarten ihrer Tochter sei die Betreuungssituation angespannt. „Dass eine Erzieherin elf Kinder betreut, wie es der Betreuungsschlüssel des Landes vorsieht, ist in der Praxis nicht gegeben.“

Auch der Familienvater Christian Müntner kam mit seinen Kindern zur Demo. Quelle: Julian Stähle

Ähnliche Probleme hat Christian Müntner. Seine Tochter Greta (1) besucht noch keine Kita. Doch ihre Schwester Liselotta (4) hat ausreichend Kita-Erfahrung gesammelt. Weil die Familie mehrere Male umgezogen ist, hat sie drei Kitas in Potsdam kennengelernt. „Wenn Erzieher krank oder im Urlaub waren, wurden wir teilweise gefragt, ob wir unser Kind zu Hause lassen oder es früher abholen können.“

Auch Erzieherinnen aus Cottbus protestierten in Potsdam. Quelle: Julian Stähle

Dass es an Personal fehlt, erlebt auch Veronika Reiß täglich an ihrem Arbeitsplatz im Montessori-Kinderhaus in Cottbus. Die Erzieherin springt für Kolleginnen ein, wenn sie krank oder im Urlaub sind. „Das erfordert viel Organisation“, sagt die 50-Jährige. Zumal ein Großteil der Kinder zwischen acht und zehn Stunden in der Einrichtung betreut werden. Ihre Forderung hat die Erzieherin gleich mit nach Potsdam gebracht: „Cottbus braucht die zehn Stunden“, steht auf einem Plakat, das sie in der Hand hält.

Von Diana Bade

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