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Klimawandel gefährdet die Menschheit

Interview mit dem Potsdamer Experten Stefan Rahmstorf Klimawandel gefährdet die Menschheit

Sturzfluten in Großbritannien, bittere Kälte in den USA, extreme Schneefälle in Japan: Der Klimawandel gefährdet Wissenschaftlern zufolge zunehmend die Menschheit. Anlässlich der Jahrestagung des Climate Service Centers in Potsdam spricht der Potsdamer Wissenschaftler Stefan Rahmstorf über die Möglichkeiten, den Klimawandel zu begrenzen.

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Stefan Rahmstorf ist Professtor für Klimafolgenforschung am PIK.

Quelle: dpa

Wie dramatisch ist die Lage?
Stefan Rahmstorf: Die Folgen der globalen Erwärmung können je nach Region sehr unterschiedlich sein. Wir haben es zum Beispiel immer wieder mit Wetterextremen wie Hitzewellen und Starkregen zu tun, die durch den Klimawandel an Häufigkeit und Intensität zunehmen. Gerade hat der britische Wetterdienst über die extremen Regenfälle und Stürme der vergangenen Tage und Monate einen Bericht veröffentlicht, in dem diese mit der globalen Erwärmung in Verbindung gebracht werden.
Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Wasser aufnehmen und dann abregnen. Die Leiterin des Wetterdienstes sagte dazu, dass seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1766 in Großbritannien nichts Vergleichbares passiert ist. Die Themse ist über die Ufer getreten. Das erinnert an die Donau- und Elbeflut bei uns im letzten Frühjahr.

Welchen Schaden hat der Mensch angerichtet?
Rahmstorf: Wir haben durch unsere Treibhausgase die globale Temperatur bereits um fast ein Grad Celsius erhöht. Das hat logische Folgen, nicht nur auf Wetterextreme wie Hitzewellen. Die Zahl von Hitzerekorden in den Monatsmittelwerten ist heute bereits fünfmal so hoch wie man dies bei einem stabilen Klima erwarten würde. Der Meeresspiegel steigt, weil die Ozeane sich erwärmen und die Landeismassen abschmelzen.
Wir haben bereits einen globalen Anstieg von rund 20 Zentimetern seit dem 19. Jahrhundert gemessen und dieser Anstieg beschleunigt sich. Dazu trägt auch das Abschmelzen der großen polaren Eismassen auf Grönland und der Antarktis bei, das in den vergangenen 10 bis 20 Jahren stark an Fahrt aufgenommen hat. Ein großer Teil dieser Veränderungen wird irreversibel sein. Es ist deprimierend, wie die Menschheit sehenden Auges in die Krise hineinläuft, ohne entschlossene Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Vor allem von der Politik wären größere Anstrengungen nötig.

Stefan Rahmstorf

Stefan Rahmstorf hat 1990 in Ozeanographie an der Victoria University of Wellington (Neuseeland) promoviert. Er nahm an mehreren Forschungsfahrten im Südpazifik teil und hat über 80 Fachpublikationen veröffentlicht. Seit 1996 ist er am PIK tätig.

Auf der Jahrestagung des Climate Service Centers am Mittwoch und Donnerstag in Potsdam beraten knapp 300 Experten über Maßnahmen gegen Folgen des Klimawandels wie Starkregen, Hagelschlag, Hitzewellen und Stürmen beraten.

Wie kann die Wissenschaft den Menschen helfen?
Rahmstorf: Wir sollten einerseits den vermeidbaren Klimawandel vermeiden und uns andererseits an den nicht mehr vermeidbaren Klimawandel anpassen. Darum geht es bei der Jahrestagung. Nötig sind dafür verlässliche, regionale Daten. Ein klassisches Beispiel für Anpassung ist der Küstenschutz: Man baut höhere Deiche, die eine Reserve beinhalten für den künftigen Anstieg des Meeresspiegels. Solche Klima-Deiche werden bereits in Schleswig-Holstein gebaut. Die Anpassung muss aber in vielen Bereichen erfolgen, beispielsweise auch in der Landwirtschaft oder der Forstwirtschaft.

Was ist dafür nötig?
Rahmstorf: Das Problem ist, dass wir nicht mehr auf Basis der Erfahrungswerte der letzten Jahrzehnte planen können. Diese werden für die nächsten Jahrzehnte nicht mehr gültig sein, weil sich das Klima immer schneller verändert. Modellrechnungen können aufzeigen, wie die mögliche Zukunft aussehen könnte. Das auf regional zuverlässige Aussagen herunterzubrechen, ist allerdings noch sehr schwierig ... Der Mensch lebt damit mit einer zunehmenden Unsicherheit und muss mit mehr Überraschungen rechnen.

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