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Kohlegruben zu blühenden Landschaften

Lausitzerin staubt mit grüner Idee Bundespreis ab Kohlegruben zu blühenden Landschaften

Die 40jährige Christine Grätz aus Jänschwalde verwandelt ehemalige Tagebauflächen in grüne Biotope. Dabei setzt sie auf die Wiederansiedlung seltener Pflanzenarten. In Brandenburg hat sie mit ihrer Firma Nagola Re schon mehrere Preise abgesahnt, jetzt überzeugte sie auf Bundesebene: Sie holte den Bundessieg beim KfW-Gründerwettbewerb.

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Christina Grätz bei der Arbeit

Quelle: König

Potsdam. Ihr Heimatort wurde abgebaggert, heute kämpft sie mit Blumen und seltenen Pflanzen gegen den Raubbau an der Natur an – und staubt Preise in Serie ab: Christine Grätz aus Jänschwalde hat mit ihrer Firma Nagola Re nach dem Brandenburger Gründerchampion und dem Brandenburger Zukunftspreis auch auf Bundesebene überzeugt: Die 40jährige holte den Bundessieg im Kfw-Wettbewerb Gründerchampion 2015. Der mit 10000 Euro dotierte Preis wurde ihr zum Auftakt der derzeit laufenden Deutschen Gründer- und Unternehmertagen (Degut) in Berlin verliehen.

Das 2011 gegründete Unternehmen erstellt biologische Gutachten und beschäftigt sich mit dem Erhalt und der Wiederherstellung artenreicher Lebensräume. Dafür trägt sie samenreiches Mahdgut auf den Flächen auf, die wiederbelebt werden sollen. So entstehen dann artenreiche, blühende Landschaften.

Lob von allen Seiten

Dafür erntet sie auch Lob vom Wirtschaftsminister. „Dass Christina Grätz und ihr Team Brandenburger Gründerchampions geworden sind und dazu noch den Bundessieg errungen haben, freut mich außerordentlich“, sagte Albrecht Gerber (SPD). Bandenburg sei ein Gründerland, das mit seiner Selbstständigenquote seit Jahren in den neuen Bundesländern die Nase vorn habe.

Aktuell liegt die Quote bei zwölf Prozent und damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 10,3 Prozent. „Wie innovativ die märkischen Gründerinnen und Gründer sind, belegt Christina Grätz eindrucksvoll“, so Gerber. Nagola Re leiste einen wichtigen Beitrag zur Renaturierung ehemaliger Tagebaue in der Lausitz. „Die wieder entstehenden vielfältigen Naturräume steigern die Lebensqualität in der Region“, sagte Gerber.

Ihren Geburtsort Radeweise haben die Kohlebagger gefressen

Auch Gabriela Pantring, Vorstandsmitglied der Förderbank ILB freut sich – zumal Nagola Re von der Bank unterstützt wurde. „So dürfen wir hoffen, dass wir mit der Förderung auch einen Beitrag zur guten Entwicklung dieses jungen Unternehmens leisten konnten. Nagola Re verbindet in vorbildlicher Weise unternehmerischen Erfolg mit gesellschaftlicher Verantwortung. Das hat auch die Jury überzeugt“, so Pantring.

In ihrer Heimat sind viele gewachsene Lebensräume durch den Braunkohle-Abbau verloren gegangen. Christina Grätz hat so ihren Geburtsort Radeweise nahe Spremberg (Spree-Neiße) verloren. Der Tagebau Welzow Süd hat ihn gefressen. In den Braunkohle-Regionen und anderswo ist der Erhalt und die Wiederherstellung ursprünglicher Landschaften gefragt.

Nagola Re – ein Name aus dem Sorbischen

Das vom Namen her an die sorbisch, wendische Bezeichnung „na Goli“(„auf der Heide“) angelehnte Unternehmen plant entsprechendes Bio-Engeneering, setzt es um und kontrolliert auch später das Gelingen. Den eigenen Erfolg kann Grätz in ihren Büchern ablesen. Nagola Re schreibe seit der Gründung schwarze Zahlen, weiß sie.

„Wenn man eine Idee hat, muss man daran glauben, mit Herz und Seele bei der Sache bleiben“, gibt die Unternehmerin künftigen Gründern mit auf den Weg. In den zurückliegenden Jahren hat Nagola Re eine neuartige Kulturtechnik entwickelt und vervollkommnet, die Lebensräume von Pflanzen und dadurch auch von Tieren wiederherstellt oder neu erschaffen. Ein Erfolgsrezept, das derzeit noch nahezu ein Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens zumindest in Brandenburg ist, stellt dabei die Mahdgut- Übertragung dar. Dabei wird etwa von einer noch erhaltenen heimischen Feuchtwiese das abgemähte Grün samt enthaltenen Samen gesammelt und auf zu rekultivierenden Flächen ausgebracht.

Die Ideen sind nicht nur in der Lausitz gefragt

So entsteht ein neues artenreiches Biotop mit genetischem Material aus dem Umland, wie es auch das Bundesnaturschutzgesetz spätestens ab 2020 vorschreibt. Am Firmensitz, dem Jänschwalder „Friedrichshof“, wird aber auch selbst regionales Saatgut produziert. Rund um den Hof entstanden Felder, auf denen viele selten gewordene Lausitzer Pflanzen wieder gedeihen.

Mit ihren Techniken haben Grätz und ihr mittlerweile elfköpfiges festes Team unter anderem den wegen Hochwasserbedrohung für Wittenberge (Prignitz) ausgebauten Rehwischdeich naturnah mit zuvor dort entnommenen und kultivierten Gewächsen begrünt.

Auch die Stiftung preußische Schlösser und Gärten oder das Landesumweltamt zählen zu den vielfältigen Kunden der Jänschwalder. Dass sie nun mit den naturnahen Bepflanzungen auch im Auftrag von Unternehmen tätig ist, deren Verhalten gegenüber Landschaften, wie im Falle des Braunkohle-Abbaus, sie engagiert angegangen ist, sieht die Gründerin eher gelassen. Grätz: „Es ist viel besser sich einzubringen, als gegen Windmühlen zu kämpfen.“

Von Torsten Gellner und Gerald Dietz

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