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„Kontroversen sind besser als Verdrängen“

DDR-Aufarbeitung „Kontroversen sind besser als Verdrängen“

Brandenburgs designierte Aufarbeitungsbeauftragte Maria Nooke will nicht nur für die da sein, die in der DDR Unrecht erlebt haben, sondern auch für junge Leute. Das Verständnis für Demokratie und Freiheit müsse gestärkt werden, fordert sie. Noch immer gebe es neue DDR-Opfergruppen, die Beratung und Hilfe benötigten.

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Maria Nooke am Dienstag im Potsdamer Landtag

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Die designierte Aufarbeitungsbeauftragte in Brandenburg, Maria Nooke, will den Fokus verstärkt auf die junge Generation richten, die die DDR nicht erlebt hat. Es gehe darum, Wissen und Informationen über diese Zeit zu vermitteln, damit sich Jugendliche ein eigenes Bild erarbeiten können, sagte Nooke am Dienstag bei ihrem ersten Auftritt im Potsdamer Landtag. Vor dem Hintergrund zunehmenden Rechtsextremismus und Rechtspopulismus plädierte sie dafür, das Verständnis für Demokratie und Freiheit zu stärken. „Welche Konsequenzen Diktaturen und autoritäre Gesellschaften haben, ist vielen in unserem Land so nicht bewusst“, sagte Nooke (58), die Gast der Linken-Fraktion war und sich den Fragen der Abgeordneten stellte Voraussichtlich im Juni soll sie im Landtag zur Nachfolgerin von Ulrike Poppe gewählt werden, die aus gesundheitlichen Gründen ihren Posten vorzeitig aufgibt.

Sie wolle an deren „erfolgreiche Arbeit“ anknüpfen, sagte Nooke. Sie habe drei Zielgruppen für ihre Tätigkeit im Blick. Sie wolle Ansprechpartner für Menschen sein, die Unrechtserfahrungen unterschiedlicher Art in der DDR gesammelt hätten. Sie wolle aber auch für Menschen da sein, die in der DDR gelebt haben und eben für diejenigen, die nach dem Ende der DDR geboren wurden. Entschieden wandte sie sich gegen Einschätzungen, wonach sich die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit nach den vielen Jahren erledigt habe. Noch immer gebe es neue Opfergruppen, die Beratung und Hilfe benötigten. Dazu gehörten psychisch Kranke und Behinderte, die in der DDR Unrecht erlitten hätten. „Aber auch das Thema Doping-Opfer im Sport ist noch längst nicht abgeschlossen“, sagte Nooke, die in Forst in der Lausitz 1985 Mitbegründerin des Ökumenischen Friedenskreises war. In den 90er Jahren studierte sie in Berlin Soziologie und ist seit 2009 ist sie Stellvertretende Direktorin der Stiftung Berliner Mauer.

Sie sprach sich auch dafür aus, neue Bewertungen über das Vergangene zuzulassen. Das könne auch kontrovers sein. „Kontroversen sind aber besser als Schweigen und Verdrängen.“ Entschieden wandte sie sich gegen Versuche der islamfeindlichen Pegida-Bewegung, mit dem Ruf „Wir sind das Volk“ an die Erfahrungen von 1989 anzuknüpfen. Das sei nicht vergleichbar.

Grundfehler der politisch Verantwortlichen in der DDR sei es gewesen, die Stimmung in der Gesellschaft falsch eingeschätzt zu haben und zu meinen, mit Repressionen und Verdrängung könne man die eigenen Ziele durchsetzen. „Das gelang letztlich nur durch Abschottung.“ Dies sei zugleich eine Warnung. Der Dialog und die Erinnerung an die Geschichte sind unverzichtbar“, betonte Nooke.

Von Igor Göldner

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