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Brandenburg Kormorane fressen Brandenburgs Teiche leer
Brandenburg Kormorane fressen Brandenburgs Teiche leer
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08:16 23.08.2016
Bis zu einem Pfund Fisch vertilgen Kormorane am Tag. Quelle: dpa
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Potsdam

Hungrige Kormorane, bauwütige Biber und eine überbordende Bürokratie: Brandenburgs Binnenfischer blicken einer unsicheren Zukunft entgegen. „Der Vogelschutz ist erfolgreich, aber der Preis für unsere Branche ist hoch“, sagt Lars Dettmann, Geschäftsführer des Landesfischereiverbands. „Vögel fressen ein drei Viertel der Teichbestände leer. Das ist existenzbedrohend.“ Die Fischer fordern die Politik vor dem am Dienstag in Potsdam beginnenden Deutschen Fischereitag zum unverzüglichen Handeln auf. Zu dem Treffen werden rund 250 Teilnehmer erwartet.

Der Bund und die EU müssten Angesichts der großen Schäden insbesondere durch Kormorane die Vogelschutzrichtlinie anpassen, um die Bestände wirksam zu regulieren. Auch die zunehmenden Schäden durch Biber bereiten den Fischern Sorge. „Es bringt nichts, die Tiere umzusiedeln. Sie sind ja inzwischen überall“, so Dettmann.

Wasserbestände in den Teichen gibt Anlass zur Sorge

Lars Dettmann, Fischereiverband Brandenburg. Quelle: Privat

Manfred Mannheim vom Fischerhof Seddin (Potsdam-Mittelmark) bestätigt die Probleme. „Die Kormorane haben praktisch unsere Existenz zerstört“, klagt er. „Kaum setzen wir Aale ein, werden sie aufgefressen. Ein Kormoran frisst bis zu einem Pfund Fisch am Tag“, sagt Mannheim. Das Verscheuchen der Vögel bringe kaum etwas, weil sie kurz darauf wieder zurückkehrten. Schwierig sind laut Fischer Mannheim auch die niedrigen Wasserstände in Brandenburg.

Laut Verbandschef Dettmann ist das nicht nur eine Laune der Natur, sondern Folge von Umweltauflagen. Teichwirte dürften Schilf wegen des Vogelschutzes nicht im Frühjahr schneiden, wenn es sinnvoll sei. Die Folge: Teiche wuchern zu, über die Schilfblätter verdunstet viel Wasser, der Pegel sinkt. Wer in Deutschland heute in die Karpfenzucht einsteigen wolle, drohe an der Bürokratie zu verzweifeln, so Dettmann. „Weltweit ist die Fischzucht eine Wachstumsbranche, in Deutschland zunehmend ein Verlustgeschäft“, erklärt er.

Fischer finden kein Gehör

„Die Aussichten für die Branche sind nicht gerade rosig“, bestätigt auch Uwe Brämick, Direktor des Instituts für Binnenfischerei in Potsdam-Sacrow. Die Rahmenbedingungen für Fischzucht hätten sich deutlich verschlechtert. Die von den Fischern beklagte Bürokratie sei aber nur Ausdruck eines gesellschaftlichen Wandels. „Der Arten- und Naturschutz genießt heute einen hohen Stellenwert“, erklärt er. In diesem Klima hätten es die Fischer schwer, sich Gehör zu verschaffen, zumal es nur wenige davon gibt: In Brandenburg verdienen etwa 600 Menschen im Haupterwerb ihr Geld damit.

Die Verdienstmöglichkeiten der Binnenfischer sind begrenzt: 11 000 bis 22 000 Euro pro Jahr verdient man in der Branche. Deswegen sei etwa die traditionelle Karpfenzucht auf dem Rückgang. Dennoch sei Brandenburg in der deutschen Binnenfischerei mit Abstand führend, erklärt der Experte: Etwa jeder dritte Fisch aus deutscher Zucht stammt aus der Mark.

Deutscher Fischereitag in Potsdam

250
Teilnehmer werden zum Deutschen Fischereitag erwartet, der von Dienstag bis Donnerstag in Potsdam stattfindet. Die Themen:

Hochseefischer wollen bestimmte Fischarten aus unerwünschten Fängen wieder ins Meer zurückwerfen und kritisieren das neue EU-Verbot.

Dorschfischer kritisieren „existenzvernichtende Quotenkürzungen“, weil der Dorsch-Jahrgang 2015 völlig unerwartet nahezu ausgefallen sei.

Die Fischjagd durch Kormorane, Reiher und Otter, die Erhaltung der Aalbestände sowie Biberschäden stehen ebenfalls auf dem Programm.

Von Torsten Gellner

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