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Kosten beim BER explodieren

Weiterer Zuschuss von 1,1 Milliarden Euro möglich Kosten beim BER explodieren

Neuer Finanzschock beim Pannenprojekt BER: Die Kosten für den Großflughafen von Schönefeld (Dahme-Spreewald) könnten auf fast sechs Milliarden Euro steigen. Für den Airport wird laut „Bild“-Zeitung ein weiterer Zuschuss in Höhe von 1,1 Milliarden Euro nötig.

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Quelle: dpa

Berlin. Allein für die Sicherung der Baustelle würden demnach 240 Millionen Euro fällig, wie aus einem internen Bericht des Projektsteuerers WSP/CBP hervorgehe.Hinzu kommen unter anderem die Kosten für den Schallschutz sowie ein Risikopuffer von 205 Millionen Euro. Das Blatt geht davon aus, dass sich die Kosten bislang auf bereits 4,6 Milliarden Euro summiert haben.

Aufsichtsratsmitglieder reagierten gestern überrascht auf die neuen Zahlen. „Ich kenne diese Unterlagen nicht“, sagte Brandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider. Er verwies auf die Aufsichtsratssitzung im Dezember, bei der Flughafenchef Hartmut Mehdorn „belastungsfähige Zahlen“ vorlegen solle. Bretschneider hatte kürzlich als erstes Aufsichtsratsmitglied eingeräumt, dass der BER mehr als fünf Milliarden Euro kosten könnte.

Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Rainer Bomba, der für den Bund in dem Kontrollgremium sitzt, dementierte die Kalkulation nicht, sprach jedoch von „Spekulationen“. Die aktuellen Kosten beim BER lägen bei 4,3 Milliarden Euro. Bomba kündigte an, dass der Aufsichtsrat Anfang 2014 einen neuen Eröffnungstermin und eine Kostenkalkulation für das Milliardenprojekt nennen wolle. Flughafensprecher Ralf Kunkel teilte mit: „Es gibt keinen neuen Erkenntnisstand. Wir kommentieren die heutige Berichterstattung nicht.“ Das Ende der Kostensteigerung wäre womöglich selbst mit den neuen Zahlen noch nicht erreicht: Der Projektsteuerer geht in seiner Kalkulation offenbar von einer Fertigstellung des BER zum Jahreswechsel 2014/15 aus.

Dieser Termin gilt jedoch inzwischen als unwahrscheinlich. Die Firma Siemens, die kürzlich den Auftrag zur Reparatur des komplexen Brandschutzsystems erhalten hatte, geht selbst intern von einer Fertigstellung frühestens im Sommer 2015 aus. Inklusive eines mehrmonatigen Probebetriebs wäre damit selbst eine Inbetriebnahme zum Winterflugplan 2015 kaum realistisch.

Gestamkosten werden immer höher

  • 1,1 Milliarden Euro könnten für den Pannenflughafen BER zusätzlich fällig werden. Die Gesamtkosten würden damit auf 5,7 Milliarden Euro steigen. Bei Baubeginn 2006 war von knapp zwei Milliarden die Rede. Die Summe setzt sich laut „Bild“ wie folgt zusammen:
  • 290 Millionen Euro sollen zusätzlich in den höchstrichterlich bestätigten Schallschutz fließen.
  • 240 Millionen Euro kostet allein die Sicherung der Baustelle.
  • 205 Millionen Euro sollen als Risikopuffer eingeplant werden.
  • 170 Millionen Euro werden für weitere Planungs- und Baumaßnahmen veranschlagt.
  • 125 Millionen Euro hat der Aufsichtsrat seit April 2013 bereits genehmigt.
  • 75 Millionen werden unter Sonstiges verbucht.

Die erneute Kostenexplosion dürfte die Europäische Union auf den Plan rufen. Hintergrund: Die Gesellschafter Brandenburg, Berlin und der Bund hatten vergangenes Jahr weitere 1,2 Milliarden Euro für das Projekt gebilligt. Die Summe musste jedoch aus wettbewerbsrechtlichen Gründen von der EU genehmigt werden. Nun könnte ein weiteres Beihilfeverfahren nötig werden. Die EU hatte den Gesellschaftern nach MAZ-Informationen nämlich einen Kulanz-Puffer in Höhe von maximal 800 Millionen Euro eingeräumt, der nun deutlich überschritten würde. Die CDU-Fraktion im Brandenburger Landtag beantragte eine Anhörung für die nächste Sitzung des Haushaltsausschusses.

Aufsichtsratsmitglied Rainer Bomba machte gestern vor allem die ehemalige Geschäftsführung um den geschassten Flughafenchef Rainer Schwarz für die zahlreichen Pannen verantwortlich. „Das Risikomanagement der Geschäftsführung war der Situation beim besten Willen nicht angepasst“, sagte er als Zeuge vor dem BER-Untersuchungsausschuss im Berliner Abgeordnetenhaus. „Schwarz war überfordert.“

Von Torsten Gellner

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