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Künstler kommen zu Katte

Gut Roskow soll zum Kulturzentrum werden Künstler kommen zu Katte

Bodo Krug von Nidda kaufte das Gut Roskow (Potsdam-Mittelmark) zurück und will es zu einem Kulturzentrum machen. Derzeit findet in dem alten Herrenhaus die ambitionierte Ausstellung "Rohkunstbau" zum Thema Moral statt.

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Vor der Wende Schule und noch heute gut erhalten: Schloss Roskow.

Quelle: Julian Stähle

Beetzsee. An diesem Samstagvormittag im August muss auch der junge Hausherr Bodo Krug von Nidda mal mit Hand anlegen. Bis zum Nachmittag bleibt noch einiges zu tun. Ein paar Matratzen müssen ins Obergeschoss des Kulturschlosses Roskow (Potsdam-Mittelmark) geschleppt werden. Künstler, Gäste und Organisatoren einer Vernissage wollen nämlich in dem fast 300 Jahre alten Herrenhaus übernachten. Nach einem Streichkonzert in den Räumen des barocken Guts im Jahre 2011 anlässlich der 850-Jahrfeier der Gemeinde Roskow ist die Ausstellung „Moral“ mit Werken internationaler Künstler im Rahmen der renommierten Reihe „Rohkunstbau“ das erste große Ereignis auf dem Kulturschloss.

Die großflächigen Gemälde nackter Männer, die Drucke, die die Bildsprache orientalischer Teppiche persiflieren, und die prallen bunten Skulpturen kontrastieren wunderbar mit den tatsächlich noch rohen Räumen des seit 2005 leer stehenden Schlosses. „Diese Ausstellung ist das schönste Geburtstagsgeschenk, das die Organisatoren mir machen konnten“, sagt Krug von Nidda. Ende 2010 hatte der 40-jährige Betriebswirt und Jurist das Anwesen nebst Park von der Gemeinde erstanden. Damit kehrte das einstmals größte Gut des brandenburgischen Geschlechts derer von Katte wieder in den Schoß der Familie zurück. Krug von Niddas Mutter Gisela ist eine geborene von Katte. Der Berliner Unternehmensberater und Immobilieninvestor möchte aus dem Gutshaus nun eine Kultur- und Feierstätte machen. „Mir ist wichtig, das Haus wieder mit Leben zu füllen“, sagt er. Die Ausstellung „Moral“ ist da ein vielversprechender Einstieg.

Wer von der Parkseite aus vor dem Gutshaus steht, wundert sich, in was für einem hervorragenden Zustand der 1727 fertiggestellte Barockbau trotz einiger altersbedingter Verschleißerscheinungen noch ist. Nicht nur das Wappen derer von Katte – eine Katze mit einer Maus im Maul – und das der Familie La Roche-Starkenfels sind neben einem runden Dachfenster gut zu erkennen. Die Fensterornamentik mit Rocailleverzierung ist weitgehend intakt, auf der Frontseite des Hauses im Osten prangen auch heute noch stilisierte Büsten von Rittern, die auf die kriegerische Vergangenheit der Offiziersfamilie anspielen.

Verändert hat sich seit dem ersten Bau nicht viel. Das zweigeschossige Haus mit rechteckigem Grundriss für Christoph von Katte wurde im 19. Jahrhundert nur um zwei kleinere Seitenflügel ergänzt. Bis auf einige Dach- und Sockelarbeiten und der Reparatur eines Flügels nach einem Brand hatte das Schloss bis dato keine Grundsanierung erlebt.

Das Gebäude blieb bis ins 20. Jahrhundert Wohnsitz der von Kattes. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Familie enteignet. Der letzte Bewohner Hans Heinrich von Katte zog in den Westen. Nachdem zunächst Umsiedler in dem Gebäude untergebracht worden waren, wurde das Gutshaus von 1953 bis 2005 die Schule des Ortes. Danach stand es leer, bis es Bodo Krug von Nidda an einem kalten Ostertag 2006 zum ersten Mal erblickte.

Ihn faszinierte, dass das Schloss mit seinem weit sichtbaren Dach auch optisch immer noch das Zentrum des Ortes bildete. Es war Liebe auf den ersten Blick. Krug von Nidda entschloss sich, das Haus vor dem Verfall zu retten und ging mit der Gemeinde in Verhandlung. „Andere stecken ihre Ersparnisse in einen Porsche oder eine Eigentumswohnung, ich habe ein Fass ohne Boden gekauft“, scherzt er. Die Kaufkosten im nur sechsstelligen Bereich machten nur den kleineren Teil dessen aus, was als Unterhaltungskosten auf ihn zukäme, sagt der Schlossherr. Bislang gab es vor allem Arbeiten im Inneren. Dabei kamen zum Beispiel beim Abtragen eines Bodens 300 Jahre alte Originaldielen zum Vorschein. Außen ließ Krug von Nidda bisher nur ein paar Löcher und Risse stopfen. Zehn Jahre veranschlagt er, bis das Schloss wieder in altem Glanz erstrahlt.

Der Plan, aus dem Gutshaus wieder ein Zentrum des Ortslebens zu machen, scheint aufzugehen. Ulrich Rahn, schon vor 40 Jahren Schulhausmeister im Herrenhaus Roskow und jetzt wieder für Krug von Nidda tätig, nennt das Gebäude scherzhaft „Grab meiner Jugend“. So bärbeißig sich der 53-Jährige auch gibt, so sehr ist ihm der Stolz über das erwachende Schlossleben anzusehen. „Ich mag hier alles“, sagt er. Fast 300 Jahre lang sei das Haus das Zentrum Roskows gewesen. „Es gehört einfach hierher.“ Unzählige eingeworfene Fensterscheiben habe er zu DDR-Zeiten schon geflickt, Kabel verlegt, Kohlen geschleppt. Auch jetzt hilft er bei der Vorbereitung der Vernissage. Wenn die Roskower heute durch die Räume gehen, schwelgen sie in Erinnerungen: „Ach, da hab ich mal Erdkunde gehabt.“ Die Identifikation mit dem Gutshaus ist dank des früheren Schulbetriebs sehr groß.

„Für mich ist es ein Glücksfall, dass das Schloss immer genutzt wurde“, sagt Bodo Krug von Nidda. Kontinuierliche Ausbesserungen, insbesondere am Dachstuhl, bewahrten es vor massiven Schäden. Damit beschränken sich die Sanierungsarbeiten vor allem auf die Oberflächen: Wände müssen verputzt und geweißt, aufgesprungene Mauerstücke geflickt oder sanitäre Anlagen eingebaut werden. Außerdem hat Krug von Nidda angefangen, einen Seitenflügel als privaten Wohnraum herzurichten.

Seine Mutter Gisela, die das größte Gutshaus ihrer weit verzweigten Familie 2003 zum ersten Mal gesehen hat, ist stolz auf das Engagement ihres Sohnes. „Es ist toll, was er daraus gemacht hat.“ Der Gedanke, das Gut könne je wieder der Familie gehören, sei vor zehn Jahren noch „außerhalb jeglicher Reichweite“ gewesen. Und jetzt finde hier eine außergewöhnliche Ausstellung statt.

Der Sohn hofft, dass Interessenten die Räume für Feierlichkeiten wie etwa Hochzeiten mieten. „Wir haben noch Termine frei.“ Natürlich solle auch der Kunstbetrieb weitergehen – und die Sanierung. Krug von Nidda, der zeitgenössische Kunst sammelt, meint: „Sollte ich im Lotto gewinnen, saniere ich die Fassade und dann kaufe ich mir einen Neo Rauch – in dieser Reihenfolge.“ Werke von Katharina Sieverding und Michael Wutz zieren schon jetzt die Schlossräume – zumindest bis zum 22. September.

Von Rüdiger Braun

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