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Kunstraub in Brandenburg

Kriminalität Kunstraub in Brandenburg

In Brandenburg hält der Kupferklau an. Diesmal hat es wieder eine Reihe von Kunstwerken, darunter Bronzeplastiken von Wieland Förster in Frankfurt (Oder) und Fritz Cremer in Schwedt (Uckermark) getroffen. Die Polizei ist machtlos. Experten glauben zu wissen, welche Wege das Raubgut nimmt.

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Die Plastik „Penthesilea I“ wurde aus dem Garten des Kleist-Museums gestohlen.

Quelle: DPA

Potsdam. Die Diebe gingen mit der Amazonenkönigin Penthesilea ausgesprochen rüde um. Sie brachen die Bronzeplastik in der Nacht zum vergangenen Samstag vom Steinsockel im Garten des Kleist-Museums in Frankfurt (Oder) und warfen sie über den Zaun. Zurück blieben nur Vertiefungen im Rasen, wo die Figur aufschlug. Die Polizei ist wenig optimistisch, dass die Figur wiedergefunden wird. Man ermittle „in alle Richtungen“, sehr wahrscheinlich sei Penthesilea aber nicht Kunst-, sondern Metalldieben in die Hände gefallen, so Sprecherin Bärbel Cotte-Weiß.

Die Plastik gehört zu einer Figurengruppe, die der in Wensickendorf (Oberhavel) lebende Bildhauer Wieland Förster Mitte der 1980er Jahre gefertigt hatte. Die Torsos – sie waren 2012 aufwändig restauriert worden – sind einen knappen Meter groß und zeigen die wechselvolle Beziehung zwischen der Amazonenkönigin und ihrem Geliebten Achill. Drei weitere Plastiken aus dem Zyklus stehen vor dem Museum.

Für Museumsdirektor Wolfgang de Bruyn ist es unverständlich, dass der Diebstahl unter Buntmetallklau läuft. „Es ist Kunst – egal, was die Diebe damit machen.“ Förster, der am Freitag 86 Jahre alt wird, habe sehr betroffen reagiert. „Womöglich ist auch kein Nachguss möglich, weil keine Gipsform mehr vorhanden ist“, bedauert de Bruyn. Aber trotz des Verlustes will er Kunstwerke nicht aus dem öffentlichen Raum der Stadt verbannen. „Das wäre ein Einknicken vor diesen Barbaren.“ Gemeinsam mit der Stadtverwaltung werde nun überlegt, die Sicherheitsmaßnahmen zu verschärfen.

Werke von Förster trifft es in Frankfurt nicht zum ersten Mal. Vor genau drei Jahren verschwand die Große Badende von 1971, eine Bronzeplastik die als Blickfang die Oderpromenade zierte. Auch sie ist unwiederbringlich verloren, weil der Meister keine Vorlage mehr besaß. Bis jetzt fehlt von der Figur jede Spur, die Ermittlungen wurden inzwischen eingestellt.

Einheitssymbol an Glienicker Brücke

Wieland Förster (85) ist Bildhauer, Maler, Zeichner und Schriftsteller. Der gebürtige Dresdner lebt heute in Wensickendorf (Oberhavel) und blickt auf ein umfangreiches Schaffen zurück.

Die Bronze-Skulptur “Nike ’89“ zählt zu seinen bekanntesten Werken. An der Glienicker Brücke in Potsdam symbolisiert die griechische Göttin die Freude über die Einheit Deutschlands.

 

Mit seinen Werken eckte Förster manches Mal bei den DDR-Oberen an und erhielt Ausstellungsverbote.

Der Sammelbegriff Bronzen steht für Legierungen mit mindestens 60 Prozent Kupfer. Durch Zinnzusatz nimmt die Festigkeit der Legierung zu.

Brandenburg leidet seit Jahren unter Kupferdiebstählen. Tonnenweise wurden bislang etwa Kupferkabel von Baustellen und Bahnanlagen gestohlen. Der Schaden geht in die Millionen.

Öffentlich zugängliche Plastiken und Skulpturen geraten vor allem im Grenzgebiet zu Polen immer wieder ins Visier von Dieben. Wenige Tage vor Försters Penthesilea verschwand eine Bronzebüste Werner Seelenbinders aus dem Frankfurter Stadion der Freundschaft. Der Ringer war von den Nazis im Zuchthaus Brandenburg umgebracht worden. Mehrfach schraubten Unbekannte Bronzeplatten vom Kleist-Denkmal ab. Am vergangenen Wochenende rissen Diebe in Schwedt (Uckermark) die gut einen Meter große Bronzestatue „Trini“ vom Sockel. Es war der Nachguss einer von Fritz Cremer (1906-1993) geschaffenen Figur. Der Schaden wird auf 10 000 Euro beziffert. Das Entsetzen ist groß, Schwedt hat eine lange Tradition mit Kunst in Parks und auf öffentlichen Plätzen.

Der Kunstsachverständige Rüdiger Wiese aus dem thüringischen Weimar geht trotz der Bedeutung der gestohlenen Werke von Buntmetallklau aus. „Es gibt auch Sammler, die Plastiken aus DDR-Zeit suchen. Aber das rücksichtlose Vorgehen der Diebe zeigt, dass es hier allein um die Kupferlegierungen ging.“ Zudem seien Händler und die Betreiber von Internetportalen wachsam, wenn der Verdacht von gestohlenen Werke naheliege. Laut Wiese gebe es in Osteuropa kleine Gießereien, die „Kunst etwa für den geneigten Jäger“ anfertigten. „Neureiche fahren dann da hin und holen sich Rehe oder Hirsche in allen Größen für Wohnzimmer oder Garten“ – hergestellt aus dem eingeschmolzenen Material gestohlener Bronzeplastiken. Sehr wahrscheinlich ist auch, dass Diebesgut als Rohmaterial nach Deutschland zurückkehrt, weil Gießereien Barren aus Osteuropa beziehen.

Ralf Schmitz, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Metallhändler, schließt aus, dass eine gestohlene Bronzeplastik bei einem hiesigen Schrotthändler landet. „Bei uns können Diebe nicht mal eine Friedhofslampe absetzen.“ Brandenburger Händler arbeiteten eng mit der Polizei zusammen. Zersägt oder eingeschmolzen verschwänden die Kunstwerke oft in Schiffscontainern Richtung Asien, so Schmitz. „Bei momentan 4000 Euro pro Tonne Kupfer ist das ein einträgliches Geschäft.“

Von Volkmar Krause

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