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Kuriose Maßnahme zum Schutz der Süßkirschen

Nachtfrost: Bauern bangen um ihre Ernte Kuriose Maßnahme zum Schutz der Süßkirschen

Brandenburgs Spargelbauern kennen das Problem mit der Kälte: Mit ungewöhnlichen Heizvorrichtungen wappnen sich nun Obstbetriebe gegen den Nachtfrost. Auf den Plantagen werden Gasbrenner und Riesenkerzen aufgestellt, um die Kirschblüten zu schützen – doch ob das hilft?

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In Gefahr: Kirschblüten

Quelle: Friedrich Bungert

Potsdam. Schneeschauer, Bodenfrost, eisiger Wind: Die märkischen Obstbauern bangen wegen des kalten Aprilwetters um ihre Ernte. „Wir machen uns recht große Sorgen um die Süßkirschen – mit Verlusten ist auf jeden Fall zu rechnen“, sagt Walter Kassin, Vorsitzender des Werderschen Obst- und Gartenbauvereins (Potsdam-Mittelmark). Die empfindlichen Blüten seien bedroht. „Wir können nur hoffen und beten“, äußert Kassin. In manchen Lagen des traditionellen Obstanbaugebiets an der Havel seien in der Nacht zum Mittwoch Temperaturen von minus fünf Grad gemessen worden, so Kassin, die Nacht zum Donnerstag war genauso frischer.

Die Tricks der Obstbauern gegen den Frost

Auf 150 Hektar wird die frühe Kirschensorte in und um Werder/Havel gezogen. Für Knupper, Sauerkirschen und Äpfel drohe dagegen wegen der späteren Blühperiode keine Gefahr, sagt Kassin.

Mit Heizvorrichtungen wappnen sich die Betriebe. Auf den Plantagen von Obstbauer Stefan Lindicke in Werder bläst ein Gasbrenner warme Luft zwischen die Bäume. „Damit lässt sich etwa ein Hektar schützen“, sagt Lindicke. Andere Betriebe griffen auf Eimer mit Kerzenwachs und Dochten zurück, die unter den Bäumen aufgestellt würden. Das Gras zwischen den Baumreihen hat Lindicke extrem kurz geschnitten, damit der Boden nachts die gespeicherte Wärme besser abgeben kann. Befeuchtet hat Lindicke die Erde ebenfalls, weil nasser Grund besser als trockenes Erdreich die Tageswärme hält.

Bauernverband: Ackerfrüchte kaum gefährdet

Beim Brandenburgischen Landesbauernverband sieht man für klassische Ackerpflanzen derzeit wenig Gefahr. „Wir schauen genau hin, aber erkennen bislang noch nichts Tragisches“, sagt Verbandssprecher Sebastian Scholze. Beim Raps sei bislang nur ein Prozent der Blüten geöffnet, mögliche Frostschäden seien also mengenmäßig verkraftbar. Beim Mais drohe lediglich eine längere Kälteperiode die Saat zu schädigen. Allerdings seien für die kommenden Tage maßvoll höhere Temperaturen vorausgesagt. Auch Zuckerrüben seien – je nach Stadium der Keime – frostanfällig. Einzig nennenswerte Anbauregion sei die Uckermark.

Spargelbauern: Umstrittene Folien schützen Edelgemüse

Die Spargelbauern verweisen auf die ihrer Auffassung nach segensreiche Technik des Unter-Folien-Anbaus. Die schützenden Kunststoffbahnen bewahrten das zarte Gemüse vor Frost. „Ohne die Folien wären alle Köpfe erfroren, die aus dem Damm ragen“, sagt Manfred Schmidt, Vorsitzender des Vereins Beelitzer Spargel (Potsdam-Mittelmark), in dem die Bauern der bekanntesten Brandenburger Anbaugegend organisiert sind. „Die Folientunnel speichern die Tageswärme – wir können aufatmen“, so Schmidt. Nur beim in Beelitz selten angebauten grünen Spargel, der ohne Schutzbahnen auskommen muss, sei vermutlich die Tagesproduktion vom Frost verdorben.

Spargelfolien stehen derzeit in der öffentlichen Kritik, weil Umweltverbände und die Grünen im Potsdamer Landtag sie als vogelfeindlich bezeichnen und ihren Gebrauch einschränken wollen. In Brandenburg produzieren nach Angaben des Agrarministeriums 92 Betriebe Spargel auf etwa 4400 Hektar. Vergangene Woche war in der Spargel-Hochburg Beelitz die Saison offiziell eröffnet worden – viele Bauern hatten mit der Ernte aber dank des Folieneinsatzes schon Wochen vorher begonnen. Gedeihlich entwickelt sich dank der Kälte aus Sicht der Bauern der Spargelpreis. Der war wegen der warmen Tage und des starken Stangenwachstums vor Ostern unter Druck geraten.

Von Ulrich Wangemann

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