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Kurioser Streit um Hahnengekrähe vor Gericht

Zu laut, zu früh, zu oft Kurioser Streit um Hahnengekrähe vor Gericht

Ob Hunde, Vögel oder Hühner - immer wieder kommt es zu Prozessen wegen tierischer Lärmbelästigung. Dieses Mal muss ein Gericht über einen seit Jahren schwelenden Streit um Hahnengegackere im beschaulichen 300-Seelen-Dorf Zitz entscheiden. Es geht um die Frage: 55 Dezibel und nicht mehr? Selbst der Ortsvorsteher schüttelt mit dem Kopf.

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Wie laut Chabo-Hähne sein dürfen, entscheidet jetzt ein Gericht.

Quelle: blickwinkel

Zitz. 55 Dezibel und nicht mehr? Die knifflige Frage, wie laut die Hähne von Züchter Reno Nerling krähen dürfen, muss ein Richter am Amtsgericht Brandenburg/Havel am Montag entscheiden. Geklagt hat ein Nachbar, dem das Federvieh im beschaulichen 300-Seelen-Dorf Zitz im äußersten Westen Brandenburgs zu laut, zu oft und zu früh gackert.

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Anzeige, weil der Hahn zu laut kräht

Der Kläger will durchsetzen, dass der Hobbyzüchter statt bis zu acht Hähnen nur höchstens zwei halten darf. Zudem will er den Tieren ein Freilaufverbot zu bestimmten Zeiten verordnen. Ein erster Versuch, die Angelegenheit zu klären, wie laut der Hahn krähen darf, war gescheitert.

Hühnerzüchter kam dem Nachbarn schon entgegen

Dabei ist Nerling dem auf der Straßenseite gegenüber wohnenden Nachbarn schon weit entgegengekommen, wie der Landesvorsitzende des Geflügelzüchterverbands, Rolf Graf, sagt. So habe er seine Hühner der Rasse „Antwerpener Bartzwerg“ gegen die als ruhiger geltenden japanischen Zwerghühner „Chabos“ ausgewechselt.

Hühnerzüchter Reno Nerling aus Zitz

Hühnerzüchter Reno Nerling aus Zitz.

Quelle: Claudia Nack

Die Klappe des Hühnerstalls sei mit einer elektronischen Vorrichtung versehen worden, die den Hühnern den Freigang nur zu bestimmten Zeiten erlaube, sagt Graf. Bei nur zwei Hähnen lohne sich die Zucht nicht mehr, sagt der Verbandsvertreter, der selbst Geflügel hält. Er hat Zitz besucht und ist der Meinung, dass der Verkehr auf dem Kopfsteinpflaster zwischen den Höfen beider Kontrahenten wesentlich lauter sei als das „Kikeriki“ der Hähne.

Ortsvorsteher kann sich Klage nicht erklären

Auch Ortsvorsteher Silvio Mehlhaase schüttelt den Kopf. „Für mich ist die Klage unerklärlich“, sagt er. In einem Dorf, in dem fast jeder Tiere halte, werde auch gegackert. „Jeder will Bio-Eier aus Freilandhaltung, dann müssen die Hühner auch aus den Ställen raus.“ Wie die 55 Dezibel zusammenkommen, kann er sich nicht erklären. Um Nerling den Rücken zu stärken, habe die Gemeinde die Nutztierhaltung für ortsüblich erklärt.

Hahnenschreie nicht zum ersten Mal vor Gericht

Hahnenschreie waren in Deutschland schon oft Anlass zum Rechtsstreit. So verbot das Landgericht Oldenburg im Jahr 1997 den Hähnen eines Geflügelzuchtvereins in Niedersachsen mit Rücksicht auf lärmgestresste Nachbarn sozusagen den Schnabel. Das Gericht ordnete quasi ein Nachtkrähverbot zwischen 21.00 und 07.00 Uhr an. An Sonntagen und Feiertagen durften die Tiere dem Urteil zufolge von 12.00 bis 14.00 Uhr höchstens diskret in ihren Ställen gackern.

In einem anderen Fall entschied das Oberverwaltungsgericht in Münster im Jahr 2002, dass in einem Wohngebiet pro Grundstück höchstens ein Hahn krähen dürfe. Wer mehr als einen Hahn halte, störe die Ruhe der Nachbarn.

Von Manfred Rey

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