Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Ladendiebe: Immer häufiger greifen Mitarbeiter zu
Brandenburg Ladendiebe: Immer häufiger greifen Mitarbeiter zu
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:20 22.06.2016
Vier Milliarden Euro Schaden richteten Ladendiebstähle laut einer Schätzung im vergangenen Jahr an. Quelle: dpa
Anzeige
Potsdam

Am beliebtesten sind Cremes, Parfüms und Rasierklingen. Kosmetik-Artikel stehen ganz oben auf der Hitliste märkischer Ladendiebe, gefolgt von Kaffee, Babybrei, Schnaps und Tabak. In Brandenburg wie im Rest Deutschlands bedienen sich Kriminelle immer häufiger an den Warenregalen. Die Handelsexperten des Kölner Instituts EHI beziffern den Verkaufswert der 2015 aus Geschäften gestohlenen Waren auf rund 2,24 Milliarden Euro. Das seien rund 100 Millionen Euro mehr als im Vorjahr, erklärt EHI-Experte Frank Horst.

Anstieg um fünf Prozent

In Brandenburg stieg die Zahl der in 2014 erfassten Delikte von 9374 auf 9898 Fälle im vergangenen Jahr (+ 5,6 Prozent). Zuvor waren die Fallzahlen deutlich zurückgegangen. 2011 wurden in der Mark noch 11 000 Ladendiebstähle angezeigt. Die Aufklärungsquote ist hoch, liegt bei etwa 90 Prozent. Immer häufiger werden die Geschäfte dabei Opfer organisierter Bandendiebstähle. Nach Schätzungen des EHI sind inzwischen rund ein Viertel aller Ladendiebstähle auf organisierte Gruppen zurückzuführen.

Die Täter kommen in größeren Gruppen

„Die Täter kommen in größeren Gruppen. Die Verkäuferin wird abgelenkt, ein anderer packt die Ware ein“, erklärt Günther Pätz vom Handelsverband Berlin-Brandenburg. „Das berichten unsere Mitgliedsunternehmen immer häufiger.“ Laut Handelsverband ist der Ausländeranteil unter den Tatverdächtigen gestiegen – von rund 22 Prozent in 2014 auf zuletzt etwa 30 Prozent. Dieser Anstieg geht laut Pätz jedoch nicht auf Flüchtlinge zurück. „Das können unsere Mitglieder nicht bestätigen“, sagt er.

Die Tätergruppen stammten oft aus Osteuropa. Auch im Brandenburger Polizeipräsidium heißt es, dass Flüchtlinge prozentual nicht häufiger beim Ladendiebstahl ertappt werden als deutsche Tatverdächtige. „Aber natürlich kann die Quote dort höher liegen, wo viele Flüchtlinge an einem Ort untergebracht sind“, sagt ein Sprecher.

Vier Milliarden Schaden

Der Schaden von vier Milliarden Euro entspricht in etwa einem Prozent des Umsatzes der Händler. Die Handelsexperten des Kölner Instituts EHI schätzen, dass mehr als die Hälfte davon – nämlich rund 2,24 Milliarden Euro – auf Ladendiebstähle von „Kunden“ zurückzuführen sind. Häufig sind es aber auch Mitarbeiter oder Lieferanten, die sich illegal bedienen. 1,15 Milliarden Euro sollen auf ihr Konto gehen.

Günther Pätz vom Brandeburger Handelsverband beobachtet dies mit Sorge. Am Dienstagmittag musste er einmal mehr als Prozessbevollmächtigter für eine große Supermarktkette auftreten – beim Arbeitsgericht in Frankfurt (Oder). Eine Mitarbeiterin hatte eine Flasche Sekt mitgehen lassen. Ihr wurde fristlos gekündigt. „So etwas kommt leider häufiger vor“, erklärt Pätz. „Die Hemmschwelle, etwas zu stehlen, ist gesunken.“

Gesunkene Hemmschwelle wegen „Emmely“?

Er vermutet, dass daran auch der Fall Emmely schuld ist. Die Berliner Kassiererin hatte ihr anvertraute Pfandbons in Höhe von 1,30 Euro eingelöst und war gefeuert worden. Viele hatten sich daraufhin mit der Kassiererin solidarisiert. Aber egal, wie niedrig der Warenwert bei einem Mitarbeiterdiebstahl sei, so Pätz: „Er muss mit einer fristlosen Kündigung rechnen, weil das Vertrauensverhältnis gestört ist.“ 400 bis 450 mal im Jahr vertritt der Handelsverband bei Arbeitsrechtsverhandlungen die Interessen von Berliner und Brandenburger Händlern, die sich betrogen fühlen.

Parfüms sind begehrt

4 Milliarden Euro beträgt der Schaden durch Ladendiebstahl in Deutschland laut dem Institut EHI. Etwa die Hälfte geht auf das Konto von „Kunden“, ein Drittel auf das Konto von Mitarbeitern oder Lieferanten.

Ein Viertel aller Ladendiebstähle sind Schätzungen zufolge inzwischen auf Bandendiebstähle und organisierte Kriminalität zurückzuführen.

Oft geklaut werden in Supermärkten Parfüms, Kosmetika, Rasierklingen. In Modegeschäften sind neben Accessoires wie Gürteln oder Tüchern vor allem teure Damenmarken begehrt. In Baumärkten werden oft Akkuschrauber eingesteckt.

Von Torsten Gellner

Brandenburg Mordprozess in Potsdam gegen Silvio S. - Muttersöhnchen mit tyrannischem Vater

Das Verhältnis zu seinem Vater sei sehr schlecht gewesen, schildern Zeugen im Prozess gegen den mutmaßlichen Kindermörder Silvio S. Der 33-Jährige sei bei Kindern beliebt gewesen, habe gerne mit ihnen gespielt. Umso makaberer der Spitzname, den der Angeklagte in seinem Heimatdorf Kaltenborn (Teltow-Fläming) hatte.

22.06.2016

Die kürzeste Nacht dieses Jahres hatte etwas ganz Besonderes zu bieten: Der Mond schimmerte rot, manchmal fast lila oder auch orange. Aber warum heißt der Erdbeermond Erdbeermond?

21.06.2016
Brandenburg Mordprozess vor dem Potsdamer Landgericht - Silvio S. gesteht in Brief an seine Familie

Aus der Untersuchungshaft schrieb Silvio S. einen Brief an seine Mutter. Er liest sich wie ein Geständnis. Noch ein weiteres Schriftstück gibt Aufschlüsse auf die Taten: In einem makaberen Kondolenzschreiben an Elias’ Mutter verrät er den angeblichen Todeszeitpunkt des Jungen. Am Ende der Karte steht: „Sorry“.

21.06.2016
Anzeige