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Brandenburg Längere Bearbeitungszeiten nach Pflegereform
Brandenburg Längere Bearbeitungszeiten nach Pflegereform
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07:45 22.04.2017
Eine Frau hilft ihrer Mutter in deren Wohnung beim Aufstehen und Ankleiden. Die Zahl der als pflegebedürftig erfassten Menschen ist mit der Einführung der neuen Pflegegrade gestiegen. Quelle: epd
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Potsdam

Die zu Jahresbeginn erfolgte Umstellung bei der Pflege bedürftiger Menschen ist in Brandenburg und Berlin weitgehend reibungslos abgelaufen. Nach Angaben des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung Berlin-Brandenburg gab es im ersten Quartal rund 14 000 Begutachtungen, bei mehr als 80 Prozent hätten Gutachter einen der fünf neuen Pflegegrade empfohlen. „Wir haben einen deutlichen Zuwachs“, sagte Sprecher Hendrik Haselmann der MAZ. Die Resonanz bei Versicherten und Gutachtern sei insgesamt positiv

Der Anstieg der Zahl von Menschen, die als pflegebedürftig eingestuft werden, war nach den neuen Begutachtungsmaßstäben erwartet worden. Knapp 129 000 Menschen erhielten bundesweit seit Januar erstmals Leistungen aus der Pflegeversicherung, wie Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbands Bund der Krankenkassen (MDS), am Freitag in seiner 100-Tage-Bilanz in Berlin mitteilte. Nach seinen Angaben stieg der Anerkennungsquote für Pflegebedürftige von bisher 75 Prozent auf jetzt 85 Prozent. Er gehe davon aus, dass rund 70 000 bis 80 000 Menschen jetzt Pflegeleistungen bekommen, die ohne die Umstellung leer ausgegangen wären. Bis Jahresende werden es, so die Prognosen, rund 200 000 Menschen sein.

Seit dem 1. Januar werden die rund drei Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland nach neuen Maßstäben begutachtet. Außerdem wurden aus den drei Pflegestufen fünf neue Pflegegrade. Nicht mehr wie bisher der Zeitaufwand für die Pflege spielt die ausschlaggebende Rolle, sondern der Grad der Selbstständigkeit. „Es geht darum einzuschätzen, was ein Mensch noch alleine kann und wo er Unterstützung durch andere Personen benötigt“, sagte Bernhard Fleer vom MDS. Gleichermaßen Berücksichtigung fänden psychisch-kognitive und körperliche Beeinträchtigungen. Das neue Verfahren sei für die Versicherten transparent und nachvollziehbar, betonte Fleer.

Der „Pflegenotstand“ in Deutschland werde durch diese neuen Regelungen allerdings nicht beseitigt, betonte MDS-Geschäftsführer Pick auf Nachfrage. Dafür benötige es mehr Pflegekräfte, eine bessere Vergütung und eine erhöhte Attraktivität des Pflegeberufs.

Die erhöhten Fallzahlen haben Folgen: Die Zeiten zwischen Begutachtung und Entscheid haben sich verlängert. Wer heute einen Antrag stellt, müsse mit einer Bearbeitungsdauer von bis zu acht Wochen rechnen, hieß es. Ausgenommen seien gesetzliche Fristen für dringende Fälle, wie die Ein-Wochen-Frist, die für pflegebedürftige Person gilt, die nach einem Krankenhausaufenthalt eine Pflege brauchen sowie für Menschen, die palliativ gepflegt werden müssen. In Berlin-Brandenburg liegt die durchschnittliche Erledigung von Fällen bei jetzt sechs Wochen – bisher waren es fünf. Ausgenommen sind auch hier dringende Fälle.

Von Igor Göldner

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