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Lässt Vattenfall die Braunkohle fallen?

Gewinneinbruch beim Energiekonzern Lässt Vattenfall die Braunkohle fallen?

Der Energiekonzern Vattenfall steht unter Strom: Das Unternehmen kämpft mit schlechten Quartalszahlen, die Zukunft der Braunkohle in der Lausitz ist offen, an der Konzernspitze gibt es offenbar einen Wechsel, und der Energieriese könnte das Berliner Stromnetz verlieren.

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Quelle: dpa

Potsdam. Die Zeichen beim schwedischen Energieriesen Vattenfall stehen auf Veränderung. Die Zukunft der Braunkohleverstromung in der Lausitz ist offen, an der Konzernspitze kündigt sich ein Wechsel an, und in Berlin droht dem Unternehmen am kommenden Sonntag die nächste Pleite: 2,4 Millionen Berliner stimmen dann darüber ab, ob das von Vattenfall betriebene Stromnetz zurückgekauft und die städtische Versorgung auf öko umgestellt wird. Erst vor wenigen Wochen hatten die Hamburger per Volksentscheid mit knapper Mehrheit für den Rückkauf des einst kommunalen Stromnetzes gestimmt.

Bürger wollen die Hoheit über den Strom - auch in Brandenburg

  • Rund 2,4 Millionen Berliner können am kommenden Sonntag darüber abstimmen, ob das von Vattenfall betriebene Stromnetz zurückgekauft werden soll. 400 Millionen Euro, so die Initiative Berliner Energietisch, soll der Kauf kosten. Vattenfall spricht dagegen von einem Sachwert von etwa drei Milliarden.
  • In Hamburg stimmte eine knappe Mehrheit für den Kauf der Netze. Allerdings fand die Abstimmung zeitgleich mit der Bundestagswahl am 22. September statt.
  • Auch in Brandenburg fordern immer mehr Bürger und Kommunen die Kontrolle über die Stromnetze und Stadtwerke. Initiativen gab und gibt es in Wustermark (Havelland), Oranienburg und Hennigsdorf (Oberhavel) und Kyritz (Ostprignitz-Ruppin).
  • Nach Angaben des Verbandes kommunaler Unternehmen haben in den vergangenen Jahren etwa 200 Gemeinden ihre Energienetze übernommen. gel/gd

Es wäre eine Niederlage zur Unzeit: Vattenfall kämpft wie viele andere Versorger mit einer schwachen Ertragslage. Die Quartalszahlen, die der Konzern am Dienstag in Stockholm vorstellte, sprechen eine deutliche Sprache. Das operative Ergebnis sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 10,6 Prozent auf knapp vier Milliarden Kronen (457 Millionen Euro). Unterm Strich stand damit ein Überschuss von 147 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatte Vattenfall einen Verlust von 450 Millionen Euro geschrieben, dies lag an hohen Abschreibungen. Der Umsatz legte jedoch mit 4,2 Milliarden Euro um fast zehn Prozent zu.

„Die Großhandelspreise für Strom bleiben niedrig, was weiter Druck auf die Profitabilität der europäischen Stromproduzenten ausübt“, erklärte Vattenfall-Chef Øystein Løseth. Er steht seit 2010 an der Spitze des Konzerns. Nun kündigte er seinen Rückzug an. Er wolle seinen bis März 2015 laufenden Vertrag nicht verlängern – aus persönlichen Gründen.

In Deutschland setzt die Energiewende das Unternehmen unter Druck. Angesichts der Umwälzungen spaltet Vattenfall sein Skandinavien-Geschäft Anfang nächsten Jahres von Kontinentaleuropa und Großbritannien ab. Die neue Strategie hatte Spekulationen über die Zukunft des Kohleabbaus in der Lausitz genährt. Im Süden Brandenburgs und in Sachsen baggert Vattenfall jährlich rund 60 Millionen Tonnen Kohle ab. Vergangene Woche erreichte der Streit um die klimaschädliche Kohleverstromung auf Antrag der oppositionellen Grünen den schwedischen Reichstag. Der zuständige Minister ließ dem Konzern jedoch freie Hand, neue Tagebaue in der Lausitz zu erschließen. Ob er das langfristig allerdings will, ist unklar. Deutschland-Chef Tuomo Hatakka hatte zwar unlängst erklärt: „Für die absehbare Zeit bleiben wir hier, ob Sie das mögen oder nicht.“ Wenn dem Konzern am Sonntag in Berlin das Stromnetz abhanden kommt, würde sich jedoch der Druck in Richtung Verkauf der Braunkohle sparte erhöhen. „Die Netze in Berlin und Hamburg sind ein wesentlicher Bestandteil“, sagt Konzernsprecher Hannes Hönemann. 80 bis 100 Millionen Euro bringen sie dem Konzern pro Jahr. Sie sind ein Geldgarant in turbulenten Zeiten. Sollte Vattenfall die Leitungen verlieren, könnte die Konzernzentrale in Stockholm zum Rückzug aus Deutschland blasen. „Das ist nichts, was Vattenfall gerade beschäftigt“, widerspricht Hönemann, räumt aber ein, die Situation müsse dann neu betrachtet werden.

Die Berliner stimmen am Sonntag nicht direkt über den Rückkauf des Stromnetzes ab. Vielmehr geht es darum, ob die Hauptstadt einen schlagkräftigen Bewerber ins Rennen um die Konzession für das Netz schickt. Das Land soll sich um die Konzession bemühen und zusätzlich ein Stadtwerk gründen, das Ökostrom produziert.

„Netz oder nie“ und „Vattenfall den Stecker ziehn“ fordert die Initiative Berliner Energietisch, die hinter dem Volksentscheid steht. „Wir brauchen 625.000 Ja-Stimmen“, sagt Sprecher Stefan Taschner. Kritiker halten den Volksentscheid inzwischen für überflüssig: Der rot-schwarze Senat hat unter öffentlichem Druck einen eigenen kommunalen Bewerber ins Rennen um die Netzkonzession geschickt und die Gründung eines Öko-Stadtwerkes beschlossen.

Von Torsten Gellner

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