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Lästig: Warum schafft man das Kleingeld nicht ab?

Diskussion um Ein- und Zweicentmünzen Lästig: Warum schafft man das Kleingeld nicht ab?

Italien könnte Vorreiter sein. Das Land schafft ab kommendem Jahr die Ein- und Zwei-Centmünzen ab. In Brandenburg stößt das jedoch auf Unverständnis. Das Finanzministerium sieht keinen Bedarf, sich für ein Ende des Klimpergelds einzusetzen. Bei den Händlern dagegen sieht die Sache anders aus.

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Tschüss Kleingeld? Italien schafft die kleinsten Münzen nun ab.

Quelle: dpa

Potsdam. In Italien werden die Geldbeutel künftig um einiges leichter sein. Das Land will ab nächstem Jahr keine Ein- und Zwei-Cent-Münzen mehr prägen. Zu Teuer sei die Herstellung des Kleingelds. In Zukunft sollen Preise auf fünf Cent auf- oder abgerundet werden. Ein Vorbild auch für Deutschland?

Wenn es nach Petra Pabst ginge, gehörten die kleinen, kufer-ummantelten Münzen rasch abgeschafft. Ihr Kiosk in Werder/Havel (Potsdam-Mittelmark) sei wie eine Abladestelle für das Kleingeld, so Pabst. „Das ist nur lästig“, klagt sie. Denn auch sie muss das Kleingeld irgendwann wieder loswerden. „Es gibt jetzt neuerdings einen Automaten, wo man das Kleingeld einzahlen kann“, erklärt sie. Doch der Aufwand sei groß – und teuer. Denn in der Masse sei das „Klimpergeld“ recht schwer. Und hinzu kommt, dass die Einzahlung nur für Privatpersonen entgeltfrei ist, nicht jedoch für Gewerbetreibende.

Keine Abschaffung des Bargelds

Das bestätigt auch Robert Heiduck, Sprecher der Mittelbrandenburgischen Sparkasse (MBS). Für die MBS sei der Umgang mit Bargeld ebenfalls aufwendig, so Heiduck. Banken müssen unter anderem die Sicherheit und die Versicherung des Bargeldes gewährleisten. Zwar „verspüren wir kein besonderes Festhalten an den sehr kleinen Münzen“, erklärte Heiduck. Dennoch gelte für die MBS der Wunsch der Kunden, die auf Münzgeld generell nicht verzichten möchten.

Die etwaige Abschaffung des Bargelds in Gänze, die manche befürchten, stehe dagegen außer Frage. Gleichwohl „spräche für die Abschaffung der Ein- und Zwei-Centmünzen einiges“, so Heiduck.

Finanzministerium winkt ab

Im Brandenburger Finanzministerium hat man keine Motivation, sich auf Bundesebene für eine Abschaffung der Ein-und Zwei-Centmünze einzusetzen. „In Deutschland ist das Zahlen mit Bargeld beliebter als in anderen Ländern“, so Vize-Sprecher Thomas Vieweg. Darüber hinaus habe die Mehrheit der Deutschen zu den kleinsten aller Münzen ein „positives Verhältnis“, so Vieweg weiter.

Die Herstellung der kupferummantelten Münzen ist teuer und der Eintausch für Händler ebenso

Die Herstellung der kupferummantelten Münzen ist teuer und der Eintausch für Händler ebenso.

Quelle: dpa

Im Handel sieht man das jedoch anders. Sandy Weidemann, Inhaberin eines Edeka-Marktes in Peitz (Spree-Neiße), würde die Einstellung der kleinen Münzen begrüßen. „Aber der Deutsche hält an seinem Hartgeld fest“, sagt sie. Ihre Kunden wollen ihr Eis lieber mit Bargeld als mit Kreditkarte bezahlen, berichtet sie.

Handel verweist auf Aufwand und Kosten

Indes würde der Handel ohne das lästige Kupfergeld vereinfacht werden, erklärt sie. Auch Weidemann verweist auf die Gebühren, die sie bei der Bank für das Zählen des gesamten Kleingelds entrichten muss. „Die Kosten für einen sogenannte Safe-Bag – eine kleinere Einkaufstüte – belaufen sich auf fünf Euro für Geschäftskunden“, erklärt Sparkassensprecher Heiduck.

Warum aber ändern die Händler dann nicht einfach ihre Preise und zeichnen die Waren nur noch mit runden Beträgen aus? Es sei reine Psychologie, erklärt Supermarktbetreiberin Sandy Weidemann. „Zwölf Euro, das klingt für die Kunden einfach mehr als 11,99 Euro“, erklärt sie.

Vorreiterprojekt Kleve gescheitert

Generell kommt der Kampf gegen das Kleingeld in Deutschland nicht in Schwung. Knapp eineinhalb Jahre nach dem Start einer Initiative zur Abschaffung des Kleingelds steht das Projekt in Kleve am Niederrhein möglicherweise bereits wieder vor dem Aus. Voraussichtlich in den kommenden Tagen werde bei einer Sitzung über die Zukunft des Projekts beraten, kündigte Klaus Fischer, Chef eines Klever Modegeschäfts und Mitinitiator der Rundungsaktion an. Die Initiative in der Stadt mit 50 000 Einwohnern hatte nach dem Start Anfang Februar 2016 bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.

„Wir müssen jetzt noch einmal trommeln oder wir lassen es einschlafen“, sagte Fischer. Nach dem Start der Aktion habe es viele Anfragen gegeben, Nachahmer hätten sich bislang seines Wissens nach jedoch nicht gefunden. „In Deutschland scheinen viele Dinge nicht einfach umsetzbar zu sein“, so Fischer.

Hoher Erklärungsbedarf

Mit dem Slogan „Geehrte Kunden, wir RUNDEN“, waren in Kleve zunächst rund 80 Kaufleute an den Start gegangen. Krumme Rechnungsbeträge sollten dabei mit dem Einverständnis der Kunden auf 5 Cent auf- oder abgerundet werden. Nach einer Umfrage der Hochschule Rhein-Waal sei die Aktion bei rund 80 Prozent der Kunden auf Zustimmung gestoßen, sagte Fischer.

Angesichts des immer wiederkehrenden Erklärungsbedarfs bei den Kunden hätten einige Händler nun jedoch eine negative Bilanz gezogen. „Denen ist das zu aufwendig. Das hält zu lange auf“, sagte er. Betroffen davon seien etwa Geschäftsleute, in deren Läden viele krumme Summen kassiert werden müssten, wie etwa Bäcker.

Von Lisa Neumann

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