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Brandenburg Land prüft Gewaltvorwürfe
Brandenburg Land prüft Gewaltvorwürfe
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12:53 18.06.2013
Jugendliche Seelen in Gefahr. Quelle: dpa
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Potsdam

Werden Kinder und Jugendliche in den Einrichtungen der Brandenburger Haasenburg GmbH gequält? Nach entsprechenden Vorwürfen, die am Wochenende in einem Bericht der Berliner Zeitung „taz“ erhoben wurden, kündigte das Land gestern den Einsatz einer Untersuchungskommission an. Diese solle „schnellstmöglich“ die Arbeit aufnehmen und den Umgang mit den Kindern und Jugendlichen in den Einrichtungen des privaten Trägers untersuchen, erklärte das Jugendministerium in Potsdam.

Die „taz“ hatte in ihrer Samstagausgabe von drakonischen „Erziehungsmaßnahmen“ in der Haasenburg GmbH, die Häuser in Müncheberg (Märkisch-Oderland), Neuendorf und Jessern (beide Dahme-Spreewald) betreibt, berichtet. Demnach würden die meist zwölf- bis 16-jährigen Bewohner im Rahmen sogenannter „Anti-Aggressionsmaßnahmen“ teils mit Gurten an Köpfen und Oberschenkeln fixiert. Manchmal verliefen diese Maßnahmen so brutal, dass Knochenbrüche entstünden. Zudem würden Psychopharmaka verabreicht, die die Kinder schädigten.
An ihren drei Standorten bietet die Haasenburg GmbH 114 Plätze für Kinder und Jugendliche mit teils extremen Schicksalen – etwa Missbrauch oder Drogenerfahrungen – an. 56 Plätze sind für solche Fälle reserviert, in denen ein Gericht „freiheitsentziehende Maßnahmen“ erlaubt hat.

Dabei können prinzipiell auch „Anti-Aggressionsmaßnahmen“ zum Einsatz kommen, erklärte Stephan Breiding vom Potsdamer Bildungsministerium. Das bedeute: Wenn ein Jugendlicher „ausrastet“ und Gefahr läuft, sich oder andere zu verletzten, könnten ihn mehrere Erzieher – in der Regel auf dem Boden – festhalten. „Aber das darf natürlich keine Körperverletzungen zur Folge haben“, sagte Breiding. Sogenannte Fixierliegen habe es früher zwar gegeben, diese seien aber seit Jahren verboten. Über jede „Anti-Aggressionsmaßnahme“ werde zudem ein Protokoll angefertigt, das vom Landesjugendamt geprüft werde. Von einem Armbruch, wie im „taz“-Artikel beschrieben, wisse man dort nichts. Auch viele andere im Bericht erwähnten Fälle seien im Ministerium unbekannt. „Das muss nichts heißen, aber wir brauchen einen konkreten Vorwurf, um dem nachzugehen“, sagte Breiding.
Die Haasenburg GmbH dementierte die Vorwürfe gestern in einer ausführlichen Stellungnahme. Die Punkte seien alt, aus dem Zusammenhang gerissen und bildeten „die Realität der Haasenburg keineswegs ab“. Bei Kontrollen seien „keine oder nur geringe Mängel“ festgestellt worden.

Kontrollen finden laut Ministerium aber hauptsächlich anlassbezogen statt, so Breiding. Ständige Besuche seien bei rund 400 Jugendhilfeeinrichtungen im Land und nur drei Mitarbeitern in der zuständigen Fachaufsicht nicht machbar. Marie Luise von Halem, jugendpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, forderte jetzt, die Kontrollmechanismen zu prüfen und diesen speziellen Fall im Besonderen zu kontrollieren. Der Träger sei in den vergangenen Jahren immer wieder in die Kritik geraten.

Tatsächlich ist der Leumund der Haasenburg GmbH mitnichten makellos. Dass die Fixierliegen verboten wurden, war Folge einer Untersuchung des Landes nach dem Tod eines Mädchens. Die polizeilichen Ermittlungen hätten zwar keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten der Erzieher ergeben, so Stephan Breiding. Doch die Prüfung brachte neben den Fixierliegen noch weitere fragwürdige Methoden zutage, wie die Pflicht zur Einheitskleidung und zum Tragen von „Clogs“ – Holzschuhe, die beim Gehen klappern. „Aber nach unserem Wissen ist das abgestellt“, sagte Breiding.

Das bekräftigte auch Hinrich Bernzen, Sprecher der Haasenburg GmbH. „Fixierliegen gibt es nicht“, sagte er. Aber es könne vorkommen, dass Bewohner von Ärzten Psychopharmaka verschrieben bekommen. Diese würden in keinem Fall von Erziehern verabreicht. Auch Christian Staffa – ehrenamtliches Mitglied einer Kontrollkommission, die das Unternehmen einsetzt – verteidigt die Haasenburg GmbH. „Ich bin zwar erst seit Januar dabei, aber seither sind mir keine Beschwerden zu Ohren gekommen.“ Den Jugendlichen würden Grenzen aufgezeigt, aber das geschehe seines Wissens ohne Gewalt.

Das Ministerium ruft Betroffene dazu auf, sich zu melden unter Tel. 0331 / 8663701 oder per Mail an andreas.hilliger@mbjs.brandenburg.de. Die Informationen werden auf Wunsch vertraulich behandelt.

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