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Land schuldet Bauern 50 Millionen Euro

Öko-Prämie in Brandenburg Land schuldet Bauern 50 Millionen Euro

Sie werden hingehalten und vertröstet: Tausenden Bauern schuldet das Land Brandenburg bislang die Ökoprämie für 2015. Was mit technischen Schwierigkeiten begründet wird, bedeutet für manchen Bauern eine ernstzunehmende wirtschaftliche Bedrohung. Zum Beispiel für Lutz Michalk aus Neuhausen (Spree-Neiße).

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Ökobauern haben in Brandenburg in diesen Wochen einen schweren Stand – das Land hält die Ökoprämie zurück.

Quelle: dpa

Potsdam. Als sich Lutz Michalk für den Ökolandbau entschied, lagen die Bioprodukte noch nicht massenhaft in den Supermarktregalen. Seit gut 20 Jahren führt er einen Marktfruchtbetrieb in Neuhausen (Spree-Neiße). Dass sein Unternehmen einmal unverschuldet in wirtschaftliche Schieflage gerät, hätte sich der 63-Jährige nicht träumen lassen. Seit Wochen wartet Michalk auf 20 000 Euro aus dem Landwirtschaftsministerium. Das Geld steht dem Ökobauern, der 100 Hektar Acker bewirtschaftet und verschiedenes Getreide anbaut, zu – als Förderung für das vergangene Jahr. Ein Zahlungstermin jedoch ist nicht in Sicht.

Ökoprämie als Haupteinnahmequelle

„Die Ökoprämie ist eine Haupteinnahmequelle für mich“, sagt Michalk, der nun seinerseits Rechnungen nicht begleichen kann. Er hatte Land zugekauft und dafür einen Kredit aufgenommen. Bleibt das Landwirtschaftsministerium die Summe weiter schuldig, müsste der Biolandwirt Betriebsvermögen zu Geld machen, um seine Verbindlichkeiten zu bedienen, wie er sagt.

Etwa 2000 Betriebe betroffen

Mit seinen Sorgen steht Michalk nicht allein da. Laut Brandenburgs Bauernverband sind etwa 2000 der landesweit 5600 Betriebe betroffen. Grundlage ist die freiwillige vertragliche Verpflichtung, fünf Jahre lang Grünland zu extensivieren oder Äcker ökologisch zu bewirtschaften. Diese Umweltmaßnahmen sollen die Biodiversität steigern, sind aber auch mit höheren Bewirtschaftungskosten verbunden. Im Gegenzug hat das Land eine Prämie versprochen – die aber auch vier Monate nach Ablauf des ersten Vertragsjahres noch immer aussteht.

„Jeder Euro dringend gebraucht“

Insgesamt geht es um Flächen von 360.000 Hektar und eine Fördersumme vom 50 Millionen Euro, heißt es vom Landesbauernverband. Das Problem trifft viele Landwirte in Zeiten anhaltend niedriger Marktpreise, zumal die große Dürre des vergangenen Jahrs Missernten mit sich brachte.„Gerade angesichts der sehr schwierigen wirtschaftlichen Lage wird jetzt jeder Euro dringend gebraucht“, erklärt Verbandschef Henrik Wendorff.

Lösung nicht in Sicht

Warum hat das Land bislang nicht gezahlt? Als offizielle Ursache werden den Bauern technische Schwierigkeiten genannt. „Wir arbeiten mit Hochdruck an dem Problem“, verspricht Jens-Uwe Schade, Sprecher des Landwirtschaftsministeriums.

Wann die Lösung zu erwarten ist, blieb am Freitag offen. „Das muss man uns endlich sagen“, fordert Ökobauer Lutz Michalk. „Wie soll ich meinen Gläubigern gegenübertreten?“ In Neuhausen klingelt gerade oft das Telefon, täglich melden sich andere betroffene Betriebe, darunter auch deutlich größere, wie Michalk sagt. Nicht nur bei ihm ist der Unmut groß. „Man darf sich nicht wundern, wenn man das Vertrauen in unsere Politiker verliert.“

Ökolandbau in Brandenburg

178 Millionen Euro stehen früheren Angaben des Landwirtschaftsministeriums zufolge in der noch bis 2020 laufenden EU-Förderperiode für den Ökolandbau zur Verfügung.

Zehn Prozent der Anbaufläche in Brandenburg – 137.700 von 1,3 Millionen Hektar – wird ökologisch bewirtschaftet. Der Anteil ist rückläufig.

Von Bastian Pauly

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