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Brandenburg Land stoppt Zahlung an Hohenzollern
Brandenburg Land stoppt Zahlung an Hohenzollern
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08:12 17.03.2014
Die Burg Hohenzollern, Stammsitz der Adelsfamilie südlich von Stuttgart, im dichten Wolkenmeer. Quelle: dpa

Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) hat eine mögliche Entschädigung der Hohenzollern für enteigneten Besitz vorerst gestoppt. Die Nachfahren des letzten deutschen Kaisers, darunter Georg Friedrich Prinz von Preußen, hatten Anspruch auf Ausgleichszahlungen in Millionenhöhe erhoben - unter anderem für Schlösser in Potsdam. Der Entwurf, der die Zahlung von mehr als 1,2 Millionen Euro vorsieht, liegt dem zuständigen Bundesamt zur Entscheidung vor. Der Minister wies nun das Landesamt für offene Vermögensfragen an, die Unterlagen zurückzuholen, wie eine Sprecherin des Finanzministeriums am Samstag der Nachrichtenagentur dpa sagte.

Zahlreiche Liegenschaften und Immobilien sind den Hohenzollern allein in Potsdam nach 1945 weggenommen worden. MAZonline zeigt einige der Grundstücke, die einst Hohenzollern-Besitz waren.

Es solle ein externes Gutachten eingeholt werden, das in den erneuten Entwurf des Bescheides einfließen solle, sagte sie und bestätigte einen Bericht der "Berliner Morgenpost". Er wolle vor allem prüfen lassen, ob die Bewertung der Personen, von denen der Chef des Hauses Hohenzollern, Georg Friedrich Prinz von Preußen, seine Rechte ableitete, gerechtfertigt seien oder nicht, sagte der Minister. Falls nicht, wären Ausgleichszahlungen ausgeschlossen.

Bei den angemeldeten Ansprüchen der Hohenzollern geht es um einen Ausgleich für enteignete Immobilien in der früheren sowjetischen Besatzungszone, darunter sind die Schlösser in Potsdam und Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin). Antragsteller ist Louis Ferdinand Prinz von Preußen (1907-1994). Der Enkel des letzten deutschen Kaisers hatte den Antrag bereits 1991 gestellt.

Die Hohenzollern waren seit dem 15. Jahrhundert im Gebiet Brandenburgs aktiv, sie stellten später deutsche Könige und Kaiser. Heute hat die einstige Herrscherfamilie keine politische Macht mehr. Gegenwärtiges Oberhaupt der Hohenzollern ist Georg Friedrich Prinz von Preußen, der eine enge Beziehung zu Potsdam hat.

Dem Bericht zufolge sieht das Amt, das den Entwurf im Januar erstellte, keinen Anhaltspunkt, dass der Antragsteller das NS-Regime unterstützt habe. Vielmehr habe er sogar an dem versuchten Umsturz Hitlers mitgewirkt. Auch die Rolle des Vaters des Antragstellers, Kronprinz Wilhelm, sei geprüft worden. Das Amt sei zu dem Schluss gekommen, er habe das System nur «gelegentlich oder beiläufig» unterstützt und sei selbst in den Augen des Regimes "irrelevant" gewesen. Im Gegensatz dazu sagte Grünen-Fraktionschef Axel Vogel dem Blatt, für den Kronprinzen gebe es seitens der Geschichtswissenschaft eindeutige Befunde.

Eine Stellungnahme des Hauses Hohenzollern war zunächst nicht zu erhalten.

dpa

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