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Brandenburg Land unter: Klima-Experten warnen vor vermehrten Fluten
Brandenburg Land unter: Klima-Experten warnen vor vermehrten Fluten
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18:58 11.01.2018
Sommer 2017 in Brandenburg: Starkregen hat in Oranienburg eine Bahnunterführung überflutet. Die Wassermassen haben den Verkehr lahm gelegt. Quelle: Picture Alliance
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Potsdam

Drohen uns extreme Wetterereignisse wie Hochwasser künftig öfter? Davon zumindest gehen Wissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimaforschung (PIK) in einer neuen Studie aus. Danach sind immer mehr Menschen weltweit durch den Klimawandel von Hochwasser bedroht – auch in Brandenburg. Durch veränderte Regenfälle als Folge der globalen Erwärmung würde das Risiko von Überschwemmungen vor allem an Flüssen deutlich steigen, wie die Forscher im Fachblatt „Science Advances“ berichten, das am Donnerstag erschien. Untersucht wurden die Entwicklungen von Flüssen mithilfe von Computersimulationen.

Die Prognosen sind insgesamt düster und geben Anlass zur Sorge: Allein in Brandenburg könnte die Zahl der Menschen, die von solchen Hochwasser-Ereignissen betroffen sind, in den Jahren zwischen 2035 und 2044 um das Achtfache ansteigen, heißt es in der Studie. Das Risiko ist danach in Baden-Württemberg am höchsten, wo ein Anstieg um das Fünfzehnfache erwartet wird und in Niedersachsen (um das Zwölffache).

Rot-Rot will Hochwasserschutz fortsetzen

Als Konsequenz wird eine deutliche Ausweitung des Hochwasserschutzes in Deutschland gefordert, wie der Ausbau der Deiche, veränderte Baustandards oder auch die Verlagerung von Siedlungen. Im Sommer 2017 hatten zuletzt verheerende Unwetter in Brandenburg zu Überschwemmungen und Hochwasser geführt, vor allem in Oberhavel.

Kniehoch steht das Wasser in den Straßen, viele Häuser sind vollgelaufen, die Kanalisation ist zusammengebrochen. Diese Bilder zeigen das ganze Ausmaß der Hochwasserkatastrophe in Leegebruch (Oberhavel).

Der Mit-Autor der Studie, Anders Levermann, sagte der MAZ, die Ergebnisse der Studie sollten von den politischen Entscheidungsträgern als Warnung angesehen werden. Ein Ignorieren der Probleme führe zu gravierenden Folgen. „Wir waren auch sehr überrascht, dass selbst in hoch entwickelten Ländern mit guter Infrastruktur der Anpassungsbedarf so groß ist, betonte er.

Aus Sicht der rot-roten Koalition hat Brandenburg im Hochwasserschutz viel getan. „Das müssen wir fortsetzen“, sagte der umweltpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Wolfgang Roick. Er plädiert dafür, auch zusätzliche Zwischenspeicher für größere Wassermengen zu prüfen. „Im Süden Brandenburgs kommen dafür die Tagebauseen in Frage“, betonte er.

Grünen nennen die Studie „erschreckend“

Brandenburg hat nach Angaben des Umweltministeriums seit dem Oderhochwasser 1997 insgesamt 276 Kilometer Deiche saniert, neu gebaut oder rückverlegt. Kosten: etwa 473 Millionen Euro.

Aus Sicht der Grünen im Landtag macht die neue Studie „erschreckend“ deutlich, dass nun mit ganzer Kraft der klimaschädliche Treibhausgas-Ausstoß reduziert werden muss. Die Abgeordnete Heide Schinowsky forderte die Landesregierung auf, den Ausstieg aus der Braunkohle nicht länger zu torpedieren, sondern zu unterstützen. „Schneller und heftiger als bisher bekannt, werden Millionen Menschen weltweit und auch wir Brandenburger mit Auswirkungen des Klimawandels zu kämpfen haben.“ Kritik übte die Grünen-Politikerin auch an den aus den Sondierungsgesprächen in Berlin herausgesickerten Plänen, die Klimaziele für 2020 zu kippen. Die sich abzeichnende Große Koalition müsse jetzt den Einstieg in den sozialverträglichen Kohleausstieg auf den Weg bringen, forderte sie.

Die Unterhändler von Union und SPD wollen offenbar das deutsche Klimaschutzziel einer Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes um 40 Prozent bis 2020 offiziell aufgeben. Stattdessen soll mit einem Maßnahmenpaket erreicht werden, dass die Lücke zu diesem Ziel so weit wie möglich geschlossen werden kann, hieß es. Offiziell sind die Pläne aber noch nicht.

Neben Deutschland sind auch die USA stark betroffen

Der Potsdamer Klimaforscher Levermann hält den in Berlin derzeit diskutierten Abschied von den Klimaschutzzielen für falsch. Dies könnte die drohenden Hochwasser-Katastrophen weiter verschärfen. „Um unser Klima einigermaßen in den Griff zu bekommen, ist ein Kohleausstieg notwendig“, betonte er. Solange fossile Brennstoffe wie Kohle, Gas und Öl weiter verbrannt würden, steige die Temperatur auf unserem Planeten und die Gefahr nehme weiter zu.

Der Studie zufolge sind neben Deutschland auch die USA, Teile Indiens und Afrikas, Indonesien und Mitteleuropa stark betroffen. „Mehr als die Hälfte der USA müssen ihr Schutzniveau innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte mindestens verdoppeln, wenn sie einen dramatischen Anstieg der Hochwasserrisiken vermeiden wollen“, sagte der Leiter der Untersuchungen am Potsdamer Institut, Sven Willner. Bei ihren Berechnungen legten die Forscher eine Beibehaltung des bislang erreichten Schutzniveaus zur Grundlage und konzentrierten den Fokus auf das am stärksten in Mitleidenschaft gezogene oberste Zehntel der Betroffenen. Die absoluten Werte sind anderswo noch erheblich höher: In Südamerika kann die Zahl der von Hochwasserrisiken betroffenen Menschen voraussichtlich von sechs auf zwölf Millionen steigen, in Afrika von 25 auf 34 Millionen, und in Asien von 70 auf 156 Millionen.

Von Igor Göldner

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