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Die fetten Feuerwehr-Jahre sind vorbei

25 Jahre Landesfeuerwehrverband Die fetten Feuerwehr-Jahre sind vorbei

Technisch gut aufgestellt, personell unterbesetzt. Die Zeiten für die Feuerwehren in Brandenburg sind nicht rosig. Werner-Schippel, Präsident des Landesfeuerwehrverbands, fordert die Politik auf, das Ehrenamt attraktiver zu machen. Zudem erinnert er die Landesregierung an eine Abmachung aus dem Koalitionsvertrag.

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Die Feuerwehrleute sind immer einsatzbereit. Foto: Julian Stähle

Potsdam.  Der Landesfeuerwehrverband Brandenburg feiert am Sonnabend sein 25-jähriges Bestehen. Als Gäste in der Biosphäre Potsdam werden unter anderen Innenminister Karl-Heinz Schröter und Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs erwartet. Der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes, Werner-Siegwart Schippel, sprach im Vorfeld der Feierlichkeiten mit der MAZ.

Landesfeuerwehrpräsident Werner-Siegwart Schippel

Landesfeuerwehrpräsident Werner-Siegwart Schippel.

Quelle: dpa-Zentralbild

 
MAZ:
 Was überwiegt bei Ihnen momentan: Die Freude über das Jubiläum oder die Sorge angesichts der sinkenden Zahl an Feuerwehrleuten?

Werner-Siegwart Schippel: Zunächst die Freude. Für alle, die sich in 25 Jahren ehrenamtlich engagiert haben, ist das Jubiläum ein Höhepunkt. Ihr Engagement hat dazu geführt, dass die Feuerwehren in Brandenburg bis jetzt an jeder Stelle und bei jedem Hochwasser ihre Pflicht erfüllt haben – und darüber hinausgegangen sind. Gegen die allgemeine demografische Entwicklung anzuschwimmen, wird selbst der Feuerwehr nicht gelingen.

Drei bis fünf Prozent an Feuerwehrleuten gehen in Brandenburg jedes Jahr verloren...

Schippel: Wir unterschreiten bei den Einsatzkräften in diesem Jahr das erste Mal die 40 000er Marke. Das ist natürlich besorgniserregend. Wir können nur schauen, wie wir unsere Anstrengungen verbessern können, um neue Leute zu gewinnen, und brauchen die Unterstützung durch die Politik.

Welche Forderungen stellen Sie konkret an die Politik? Mehr Geld?

Schippel: Es ist nicht immer nur eine Frage von mehr Mitteln. Ich denke, dass wir uns bei der Ausrüstung mit Technik wie Einsatzfahrzeugen oder bei der Sanierung von Gerätehäusern durchaus sehen lassen können im Vergleich zu anderen Bundesländern. Was uns fehlt, ist die Anerkennung des Ehrenamts durch Rentenpunkte oder Steuervorteile. Das ist etwas, über das man deutschlandweit nachdenken sollte. 96 Prozent der brandenburgischen Feuerwehrleute sind ehrenamtlich tätig. Letzten Endes riskieren die Kameraden, wenn es sein muss, Leib und Leben für andere.

Sind die Strukturen bei der Feuerwehr von 1990 mit denen im Jahr 2015 überhaupt noch zu vergleichen?

Schippel: Nein, überhaupt nicht. Gerade was den Osten betrifft, sind die Anforderungen an die Feuerwehr vielfältiger geworden. Ich denke da an das Unfallgeschehen, aber auch an Wohnungsbrände. Da brennt heute ein ganzer Teil mehr Chemie. Dafür haben wir im Vergleich zur DDR mehr Tanklöschzüge. Das ist ein Grund, weshalb man das Waldbrandgeschehen relativ gut beherrscht.

Die Feuerwehrleute werden zentral in Eisenhüttenstadt weitergebildet. Dort gab es zuletzt Engpässe.

Schippel: Da sind gleich zwei Punkte, die ich gegenüber dem Minister ansprechen werde. Aufgrund der Flüchtlingssituation sind dort ein paar Flüchtlinge untergebracht, weshalb Lehrgänge abgesagt werden mussten. Das kann man kurzfristig sicherlich mal machen, aber das geht natürlich auf längere Sicht gar nicht. Unabhängig davon beobachten wir zunehmend, dass es aufgrund der Personalsituation schwierig ist, alle Bedarfe abzudecken. Ich werde den Minister daran erinnern, dass im Koalitionsvertrag bezüglich der LSTE [Landesschule und Technische Einrichtung für Brand- und Katastrophenschutz, Anm. d. Red.] von einer Weiterentwicklung die Rede ist. Da sollte man sich letzten Endes entsprechend verpflichtet fühlen. Ohne Führungsstrukturen bricht uns das System zusammen.

Ehrenamt mit Tradition

Rund 40 000 Feuerwehrleute sind in Brandenburg als Einsatzkräfte aktiv. Hinzu kommen die Angehörigen der Alters- und Ehrenabteilungen sowie Kinder und Jugendliche.

Die Jugendfeuerwehren konnten mit derzeit 12 000 Mitgliedern in den letzten Jahren gegen den demografischen Trend einen leichten Anstieg verzeichnen.

Der Großteil der Feuerwehrleute ist ehrenamtlich tätig. Das Ehrenamt hat Tradition: Die älteste freiwillige Feuerwehr Brandenburgs befindet sich in Wriezen (Märkisch-Oderland). Sie besteht seit 160 Jahren.

Von Mischa Karth

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