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Landespräsident hat „nichts gegen Wölfe“

Jagd in Brandenburg Landespräsident hat „nichts gegen Wölfe“

Jäger sitzen auf Hochständen, die Flinte im Anschlag und warten auf den Sonntagsbraten. Falsch, sagt Dirk-Henner Wellershoff, der neue Präsident des Landesjagdverbands. Bei der Jagd gehe es um viel mehr – vor allem um Naturschutz. Im MAZ-Gespräch erklärt er, was er von der Wolfsjagd hält und wie treffsicher seine Zunft ist.

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Dirk-Henner Welleshoff, Präsident Landesjagdverband Brandenburg

Quelle: Picasa

Potsdam. Jäger sitzen auf Hochständen, die Flinte im Anschlag und warten auf den Sonntagsbraten. Falsch, sagt Dirk-Henner Wellershoff, der neue Präsident des Landesjagdverbands. Bei der Jagd gehe es um viel mehr .

Herr Wellershoff, Sind Sie ein guter Schütze?

Dirk-Henner Wellershoff: Ja. Ich glaube, ich bin ein exzellenter Schütze.

Dann sind Sie ein Einzelfall, wenn man dem Ökologischen Jagdverein (ÖJV) glaubt. Der hat kritisiert, dass Brandenburgs Jäger nicht treffen.

Wellershoff: Selbstverständlich schießen wir hervorragend. Wir erlegen im Jahr 167 000 Stück Wild. Das heißt nicht, dass man das nicht verbessern kann. Wir rufen unsere Mitglieder dazu auf, regelmäßig die Schießstände zu besuchen. In Frankfurt (Oder) findet gerade die Landesmeisterschaft im Schießen statt auf der Olympia-Anlage. Im Übrigen: Wir haben fast 10 000 Mitglieder. Der ÖJV rund 140.

Und schießen Sie bleifrei?

Wellershoff: Selbstverständlich bin ich bleifrei unterwegs. Ich habe da keine Befindlichkeiten.

Aber viele ihrer Kollegen lehnen das ab. Was ist so schlimm daran, auf bleihaltige Kugeln zu verzichten und so das Risiko giftiger Rückstände zu minimieren?

Wellershoff: Als die ersten bleifreien Alternativen auf den Markt kamen, haben viele die Erfahrung gemacht, dass die Munition nicht das leistet, was die Hersteller versprechen. Zum Leidwesen der Tiere, weil die Kugeln nicht schockartig getötet haben. Jäger wollen eine Munition, die schnell und ohne Leiden tötet. Wenn die Industrie das leistet, spricht überhaupt nichts dagegen.

Jagen Sie wegen der Romantik, der Trophäen oder des Wildbrets?


Wellershoff:

Liebe zum Tieren? Ist der Jäger mit dem Schießgewehr ein Klischee?

Wellershoff: Jäger sind Naturliebhaber und Naturschützer. Wir Jäger legen Streuobstwiesen an, schaffen Remisen und Rückzugsräume für Niederwild, Rebhühner oder Fasane, damit sie überleben können. Die Landwirtschaft hat leider viele Lebensräume zerstört.

Haben Sie selbst schon mal einen Wolf gesichtet?

Wellershoff: Ja, ich wohne ja mitten in einem Wolfsgebiet. Ich habe nichts gegen Wölfe. Der Wolf ist ein faszinierendes Tier. Aber er vermehrt sich unbegrenzt. Deswegen wachsen die Konflikte mit anderen Landnutzern.

Neuer Präsident

Dirk-Henner Wellershoff (50) ist Immobilienkaufmann und betreibt einen Hof in Schöbendorf (Teltow-Fläming). Seit Mai ist er Präsident des Landesjagdverbands. Er ist Nachfolger von Wolfgang Bethe, der den Verband seit der Wende führte.

9600 Mitglieder hat der Landesjagdverband Brandenburg. Etwa 12 500 Jäger gibt es im Land. Er vertritt nicht nur deren Interessen, er setzt sich nach eigenen Angaben für Natur- und Artenschutz ein.

Muss der Wolf bejagt werden?

Wellershoff: Man muss auf die Jagd vorbereitet sein. Der Wolf hat eine Reproduktionsrate von 30 Prozent, das ist viel. Wie weit geht die Toleranz? Wenn der Wolf merkt, dass der Mensch ungefährlich ist, kann es Probleme geben. Wir wollen verhindern, dass aufgeschreckte Menschen dieses Problem selbst in die Hand nehmen.

Auch der Biber schafft Probleme. Bauern fordern, das Tier zum Abschuss freizugeben.

Wellershoff: Die Biberjagd ist sicher nichts, wonach man sich sehnt. Aber wir übernehmen Verantwortung, wenn die Natur oder Leib und Leben von Menschen gefährdet sind. Dann muss der rechtliche Rahmen aber sauber sein.

Jäger haben ein konservatives Image. Im Internet präsentiert sich Ihr Verband jung und hip. Spiegelt sich das in Ihren Nachwuchszahlen?

Wellershoff: 400 Jäger werden gerade in Brandenburg von uns ausgebildet. Wir haben kaum Aufnahmeschwierigkeiten im Land. Tatsächlich haben wir eine ähnliche Altersstruktur wie die Gesellschaft, also mehr Ältere als Junge.

Interview: Torsten Gellner

Von Torsten Gellner

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