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Brandenburg Landesverwaltung ächzt unter hohem Krankenstand
Brandenburg Landesverwaltung ächzt unter hohem Krankenstand
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20:27 05.12.2017
Immer mehr Landesbedienstete in Brandenburg melden sich krank. Quelle: dpa
Potsdam

Der Krankenstand in der Brandenburger Landesverwaltung hat eine neuen Höchstwert erreicht. Allein in den Ministerien entfielen auf jeden Beschäftigten im Vorjahr durchschnittlich 25 Krankentage – etwa 3,5 Prozent mehr als vor vier Jahren. Das geht der Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der CDU-Fraktion hervor. Zum Vergleich: Gesetzliche Krankenkassen melden in der gleichen Zeit weniger Ausfalltage ihrer Mitglieder. Bei Barmer und AOK waren es im Schnitt 21 und bei der Techniker Krankenkasse 19 Tage.

Laut Innenministerium gibt es zwischen Ministerien und Behörden teils starke Schwankungen bei den Zahlen. So liegen die Justizvollzugsanstalten mit 55 Krankentagen je Mitarbeiter an der Spitze, fünf mehr als 2015. Auch Polizei, Gerichte und die Finanzverwaltung verzeichnen erhebliche Ausfälle.

Gewerkschaft benennt Ursachen

Aus Sicht von Gewerkschaften und Berufsverbänden sind die steigende Arbeitsbelastung und die Überalterung der Verwaltung Ursache für den Krankenstand. Obwohl die Fachhochschule der Polizei in Oranienburg voll besetzte Klassen hat, änderte das an den Engpässen in der Praxis bislang wenig. „Auf Grund der Ausbildungszeit bekommen wir frühestens in drei Jahren eine echten Zuwachs an jungen Kollegen“, sagt Andreas Schuster, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei. Viele ältere Beamte – vor allem im Streifendienst – stünden unter hohem Arbeitsdruck und klagten über körperliche Beschwerden sowie psychische Probleme.

Auch Ralf Roggenbuck, Landeschef des Deutschen Beamtenbundes, glaubt angesichts der Arbeitsbelastung nicht an eine kurzfristige Entspannung beim Krankenstand. „Wir sind zu alt“, sagt Roggenbuck, von Hause aus Staatsanwalt, über den Landesdienst. Der Altersdurchschnitt liegt aktuell bei 50,8 Jahren.

Den hohen Krankenstand in den Justizvollzugsanstalten führt Roggenbuck auf besondere Belastungen zurück. So habe das liberale Strafvollzugsgesetz der rot-roten Landesregierung zu Mehrarbeit in den Haftanstalten geführt, ohne dass die Zahl der Mitarbeiter gestiegen sei. „Der Stellenabbau im Landesdienst muss komplett gestoppt und die Nachwuchsgewinnung forciert werden“, so Roggenbuck.

Die Landesregierung will die Stellenzahl von jetzt gut 46 000 auf 45 100 Ende 2018 absenken. Allerdings sollen Altersabgänge verstärkt ausgeglichen werden. Das Problem dabei: Es mangelt zunehmend an Bewerbern, weil auch anderen Länder Nachwuchs suchen.

Als Schritt in die richtige Richtung bewertet Verdi-Gewerkschaftssekretärin Katja Boll die jüngst beschlossene Umwandlung von einem Drittel der befristeten Landesstellen in unbefristete. Ein „Tropfen auf den heißen Stein“ sei die Zusage des Finanzministeriums ab 2019 jährlich 50 Euro pro Mitarbeiter für „gesundheitsfördernde Maßnahmen“ bereitzustellen.

Kritik von der Opposition

„Die Personalplanung der Landesregierung führt in die Sackgasse“, kritisierte der CDU-Haushaltsexperte Steeven Bretz. Rot-Rot nehme in Kauf, dass staatliche Kernaufgaben nicht mehr ausreichend erfüllt werden könnten. Schon kämen bei den Bürgern angesichts überlanger Verfahrenzeiten an den Gerichten Zweifel am Rechtsstaat auf. Es müsse einen „Strategiewechsel“ geben, so Bretz. „Keine Streichorgie mehr, sondern ein Personalentwicklungskonzept.“ In einer Übergangsphase müssten ältere Mitarbeiter ihr Wissen an jüngere weitergeben können. Zudem dürfe Brandenburg bei der Besoldung und Entlohnung nicht länger Schlusslicht sein.

Von Volkmar Krause

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