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Brandenburg Bauern, Imker und Jäger planen eigenes Volksbegehren
Brandenburg Bauern, Imker und Jäger planen eigenes Volksbegehren
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16:03 25.03.2019
„Zusammen für Bienen und Kulturlandschaft“ – unter diesem Motto planen Landnutzer eine eigene Volksinitiative. Quelle: dpa
Potsdam

Noch bevor die Naturschutzverbände Nabu und BUND eine Volksinitiative zum Schutz von Bienen und anderen Insekten in Brandenburg starten, preschen Landwirte, Imker, Angler und Jäger mit einer eigenen Kampagne für Artenschutz vor.

Fast 20 Verbände haben den Entwurf für die Volksinitiative unterzeichnet, darunter der Landesverband Brandenburgischer Imker, der Landesbauernverband, Anglerverband, Jagdverband sowie Waldbesitzerverband und das Forum Natur. Außerdem haben sich verschiedene Ökolabel wie Naturland, Demeter und Bioland bereiterklärt, die Initiative zu unterstützen.

„Ein breites Bündnis dieser Qualität hat es bisher noch nicht gegeben. Diese Bewegung würde nicht nur eine große Unterstützung in der Bevölkerung garantieren, sie könnte auch von der Politik nicht ignoriert werden“, sagte Bauernpräsident Henrik Wendorff am Montag am Rande des ersten Brandenburger Insektengipfels, wo die Pläne vorgestellt wurden.

Flächenverlust durch Versiegelung stoppen

Die Initiatoren legten einen Fünf-Punkte-Plan vor, der die Einsetzung eines Kulturlandschaftsbeirats vorsieht, der den Landtag und die Regierung berät. Die Landesregierung soll ein „Förderprogramm Artenvielfalt“ auf den Weg bringen, das unter anderem die Anlage von Blühstreifen auf einer Fläche von mindestens 5000 Hektar garantieren soll. Auch in der Zunahme versiegelter Flächen durch Straßen- oder Wohnungsbau sehen die Initiatoren eine Ursache für das Artensterben: Derzeit würden täglich rund 60.000 Quadratmeter natürlicher Flächen verloren gehen, heißt es. Der Flächenverlust soll binnen 20 Jahren komplett gestoppt und auf Null heruntergefahren werden.

Zwei Volksinitiativen parallel?

Zurückhaltend reagierte der Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) Brandenburg, Friedhelm Schmitz-Jersch. „Das ist ein erster Ansatz, aber mehr auch nicht. Wir fordern ein wirksames Umsteuern in der Landwirtschaftspolitik“, sagte er. Das werde mit dem Fünf-Punkte-Programm nicht erreicht. Nabu und BUND wollen mit ihrem Volksbegehren, das zu Ostern starten soll, eine deutliche Reduzierung des Pestizideinsatzes in Brandenburg erreichen. Außerdem soll die Agrar-Förderung umgestellt werden. Das könnte nun zu der Situation führen, dass erstmals in Brandenburg zwei Volksinitiativen zu einem Thema nebeneinander laufen.

Bauernbund spricht von Agrarlüge

Der Bauernbund lehnt beide Kampagnen strikt ab. Verbandschef Reinhard Jung stellt das Insektensterben am Montag insgesamt infrage und sprach von der „größten Agrarlüge seit BSE“. Die Landwirtschaft treffe keine Mitschuld an einem Artensterben, schließlich sei sie in den vergangenen Jahren insektenfreundlicher geworden. Auch sei der Anteil an Flächen mit Insektizideinsatz weitgehend konstant geblieben und liege unter fünf Prozent der Landesfläche.

Laut einer Modellrechnung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) könnten auch Windräder für einen Rückgang der Insekten sorgen. Jeden Tag von April bis Oktober würden demnach in Deutschland Milliarden Insekten an Windkraftanlagen getötet. Insgesamt summieren sich die Verluste demnach auf 1200 Tonnen pro Jahr. Naturschützer bezweifeln nicht die Zahlen der Studie, wohl aber die Aussagekraft: „Es wäre völlig an den Haaren herbeigezogen, eine nennenswerte Gefährdung von Insektenpopulationen durch Windräder abzuleiten“, sagte Lars Lachmann vom Nabu: Allein in deutschen Wäldern würden jährlich 400.000 Tonnen Insekten von Vögeln gefressen.

Von Torsten Gellner

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