Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Andreas Büttner ist FDP-Spitzenkandidat
Brandenburg Andreas Büttner ist FDP-Spitzenkandidat
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:55 24.07.2014
Liebe zur Pfeifenorgel: der FDP-Politiker Andreas Büttner in der Kirche von Groß Dölln (Uckermark). Quelle: Igor Göldner
Groß Dölln

Mittagshitze im kleinen uckermärkischen Groß Dölln. Der Ort wirkt wie ausgestorben. Nur wer sich der Kirche in der Dorfmitte nähert, hört leise Musik. Im Innern führt eine schmale knarrende Treppe hin auf. Dort sitzt mutterseelenallein Andreas Büttner an einer kleinen Orgel. „Gib uns Frieden jeden Tag, lass uns nicht allein“, heißt das Lied, das durch die leere Kirche klingt. Büttner hat mit sieben Jahren angefangen, Pfeifenorgel zu spielen. Er ist ausgebildeter Organist, „mit C-Schein“, sagt er stolz. In seiner Freizeit ist er hier öfter anzutreffen. „Wenn sie mit ihrer Orgel allein sind, kann ihnen die Welt egal sein“, sagt der 41-Jährige, lächelt und wirkt ein Stück beseelt.

Büttner, Spitzenkandidat der FDP Brandenburg, hat sich für die Begegnung in der Groß Döllner Kirche sommerlich-leger gekleidet: orangefarbenes Polohemd, Freizeithose, Turnschuhe. Er ist müde. Wie lange er schon auf den Beinen ist, kann er nicht genau sagen. Erst vor wenigen Stunden war er in Berlin gelandet. Büttner war eine Woche auf den Philippinen, unterstützt dort ein privates Kinderhilfsprojekt. Und geriet nahe Manila selbst mitten in einen verheerenden Taifun. „Rammasun“ richtete große Schäden an und forderte Todesopfer. „Das Haus, wo ich wohnte, war zum Glück aus Stein. Die Wände haben gebebt. Der Strom fiel aus. Zu hören war nur ein wahnsinnig lautes Rauschen.“ Er wirkt sehr erleichtert, dem Tropensturm unbeschadet entkommen zu sein.

Büttner, der im nahen Templin mit seiner Frau und vier Kindern lebt, scheint solche Grenzerfahrungen zu suchen. Am Herzen liegt ihm auch der Staat Israel, wohin er trotz der Unruhen in diesen Tagen aufgebrochen ist. Er hilft mit bei einem Jugendcamp israelischer und palästinensischer Kinder. Ein Sprichwort ist sein Leitmotiv geworden: „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.“

Das klingt pathetisch und im weiteren Sinne ein wenig nach FDP. Und so kann Büttner, der sich selbst als gläubigen Mormonen bezeichnet, blitzschnell in die eher nüchterne Landespolitik umschalten. In Brandenburg erwartet ihn in den nächsten Wochen eine ganz andere Grenzerfahrung: Er soll die FDP vor dem Abgrund retten. Dazu braucht er mindestens fünf Prozent. Das sind etwa 80000 Wählerstimmen. Der Wiedereinzug in den Landtag ist seine Mission. Nur stehen die Zeichen dafür nicht gut. Umfragen, Stimmung, Bundestrend – alles läuft momentan gegen die FDP. Die letzte Umfrage spuckte für die Liberalen gar keine Zahl mehr aus: „nicht messbar“, so der bittere Befund der Meinungsforscher für die FDP.

Büttner, seit 2010 Fraktionschef im Landtag, kennt das alles zur Genüge. Den Kummer an Wahlabenden, die Häme der Konkurrenz, die wenigen Hoffnungsschimmer. Doch irgendwie hat es der einstige Polizeibeamte in den Jahren geschafft, solche Dinge nicht zu nah an sich herankommen zu lassen. Er wirkt nie verzagt, eher trotzig-entschlossen. Die FDP werde im Landtag als Bürgerrechtspartei und als Bürgerbeteiligungspartei dringend gebraucht. „Es wäre auch langweilig ohne uns“, sagt er mit tiefer Überzeugung.

Büttner wurde im hessischen Kassel geboren, ging 1992 nach Berlin, um sich zum Polizeikommissar ausbilden zu lassen. 1997 zog er mit seiner Familie nach Templin. In den Landtag kam er 2009, als die FDP nach 15 Jahren wieder über die Fünf-Prozent-Hürde kletterte. Die siebenköpfige Fraktion hatte einen schweren Start. Es gab interne Querelen. Büttner profitierte davon, wurde Fraktions vorsitzender. Die Wogen haben sich gelegt. Ruhe ist eingekehrt, zumindest nach außen.

Im Landtag gehörte Büttner zu den besseren Rednern. Mal scharfzüngig, mal mit feiner Klinge. Besonders die Bildungspolitik ist ihm wichtig. Zu spüren bekam das stets SPD-Ministerin Martina Münch, mit der er so gar nicht einverstanden ist, wie überhaupt mit Rot-Rot. Trotz der heftigen Auseinandersetzung bemühte sich Büttner stets um einen fairen Umgang.

Der Politikbetrieb fordert seinen Tribut. Vor einem Jahr zog er für sich eine rote Linie. Er begann mit Sport. „Ich habe mir eines Tages gesagt: Junge, du musst etwas tun. Du wirst auf Fotos immer fetter.“ Er suchte sich einen Coach, der ihn zum Ganzkörpertraining mit TRX-Bändern überredete. Zwei Mal in der Woche trainierte er. Mit Erfolg: In acht Monaten verlor er 25 Kilogramm. „Jetzt fühle ich mich wohler.“ Seine Anzüge Größe 58 passen nun nicht mehr. Er gab sie an seinen Landes chef Gregor Beyer ab, mit dem er früher die Gewichtsklasse teilte.

Und wenn es am 14. September schief geht? „Darüber mache ich mir keine Gedanken.“ Jedenfalls nicht jetzt. „Ich habe eine Aufgabe. Die führe ich zu Ende. Möglichst erfolgreich.“

Von Igor Göldner

MAZ-Wahlforum

  • Die Märkische Allgemeine Zeitung veranstaltet am Sonntag, dem  24.August 2014, von 11 bis 13 Uhr ein Wahlforum mit den fünf Spitzenkandidaten der im Landtag vertretenen Parteien. Eingeladen sind Dietmar Woidke (SPD), Christian Görke (Linke), Michael Schierack (CDU), Andreas Büttner (FDP) und Ursula Nonnemacher (Grüne).
  • Die Veranstaltung findet in der Versandhalle auf dem MAZ-Gelände in der Friedrich-Engels-Straße 24 in Potsdam statt. Einlass ist ab 10.30Uhr. Der Eintritt ist frei.
  • Wegen begrenzter Plätze wird um Anmeldung gebeten unter: www.maz-online.de/wahlforum oder veranstaltungen@MAZ-online.de
Brandenburg EU-Norm erschwert die Arbeit der Luftrettung enorm - Hubschrauber-Landeplätze an Kliniken bleiben

Neue EU-Regeln gefährden Hubschrauberlandeplätze an Krankenhäusern - auch in Brandenburg. Mit einem Trick will Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt alle Landeplätze für Luftrettungshubschrauber erhalten, die neuen Vorgaben nicht entsprechen. Sie werden in "Landestellen von öffentlichem Interesse" umgewandelt.

24.07.2014
Brandenburg Riskanter Sprung ins kühle Nass - Badeunfälle überschatten Urlaubszeit

Die Ferien im Wasserland Brandenburg werden von einer Reihe schlimmer Badeunfälle überschattet. Auch die Ostsee wird in diesen Tagen für viele Menschen zur tödlichen Falle – das liegt nicht nur am Wind und den hohen Wellen. Gerade Männer sind häufig die Opfer - sie sind "leichtsinniger und risikobereiter", heißt es.

24.07.2014
Brandenburg Wiederholt wilde und gefährliche Verfolgungsjagden - Skrupellose Autodiebe an polnischer Grenze

Immer wieder kommt es am Grenzübergang zu Polen zu wilden Verfolgungsjagden zwischen Autodieben und der Polizei. Allein im Juli kam es zu drei spektakulären Zwischenfällen: es wurde geschossen, Polizisten von den Fahrern fast umgefahren oder die Flucht querfeldein zu Fuß fortgesetzt.

24.07.2014