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Brandenburg Landwirte befürchten Arbeitsplatzabbau
Brandenburg Landwirte befürchten Arbeitsplatzabbau
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12:45 31.10.2013
5500 Saisonkräfte sind jährlich in der Landwirtschaft im Einsatz, zum Beispiel bei der Ernte von Spargel. Quelle: dpa
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Spreewaldgurken oder Spargel ernten für 8,50 Euro pro Stunde? Der bundesweite Streit um einen gesetzlichen Mindestlohn ruft auch in Brandenburg Befürworter und Gegner auf den Plan. Während Politiker wie Arbeitsminister Günter Baaske (SPD) für diese Mindestgrenze plädieren, befürchten Landwirte den Wegfall vieler gering bezahlter Arbeitsplätze in der Obst- und Gemüseproduktion.

"Wenn in Brandenburger Agrarbetriebe flächendeckend 8,50 Euro pro Stunde zahlen müssten, würden ganze Produktionsbereiche mit viel Handarbeit vor dem Aus stehen", sagte der Geschäftsführer des Landesgartenbauverbandes, Andreas Jende. Betroffen wären der märkische Obst- und Gemüsebau sowie Betriebe für Zierpflanzen.

"In der Branche sind jährlich etwa 5500 Saisonkräfte im Einsatz, zum Beispiel bei der Ernte von Spargel, Gurken, Äpfel und Kirschen", berichtete Jende. Diese Produkte müssten auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig bleiben, sonst würden sie durch billigeres Obst und Gemüse aus dem Ausland ersetzt. "Vier märkische Saisonarbeiter sichern den Arbeitsplatz eines fest angestellten Beschäftigten – das sind hier also etwa 1000 feste Stellen", sagte Jende. Daran müssten Politiker bei der Forderung nach Lohnuntergrenzen denken.

Doch Arbeitsminister Baaske macht eine andere Rechnung auf: "In Brandenburg verdient jeder fünfte Vollzeitbeschäftigte weniger als 8,50 Euro pro Stunde", betonte er. Von niedrigen Löhnen seien auch gut qualifizierte Menschen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung betroffen. "Hier muss dringend etwas getan werden. Armut trotz Arbeit muss ein Ende haben. Wer Vollzeit arbeitet, darf nicht länger auf Sozialleistungen angewiesen sein, um über die Runden zu kommen", sagte Baaske.

Allein bei der Ernte von Spreewälder Gurken sind jährlich etwa 3500 Saisonarbeitskräfte tätig, darunter viele aus Rumänien und Polen. Wie viel sie verdienen, will die Branche nicht preisgeben. «Wir wünschen uns eine vernünftige Bezahlung der Saisonkräfte auf den Feldern, haben aber keinen Einfluss darauf», sagte Andreas Traube vom Spreewaldverein in Lübben (Dahme-Spreewald). In dem Verein sind die Gurkenanbau- und Verarbeitungsbetriebe vereint.

"Da die ausländischen Gurkenpflücker hier im Akkord arbeiten, haben sie ein recht gutes Einkommen, von dem sie zu Hause viele Monate leben können", meinte Karl-Heinz Ricken, Inhaber des Gemüsehofes in Vetschau (Oberspreewald-Lausitz). Hinzu kämen soziale Leistungen wie Unterkunft und Verpflegung. "Wir sind ein Familienunternehmen und wollen doch, dass diese Helfer wiederkommen."

Thomas Goebel, Vorsitzender des Bauernverbandes Südbrandenburg, ist grundsätzlich für 8,50 Euro Mindestlohn. "Wir zahlen für unsere Mitarbeiter je nach Qualifizierung sogar noch mehr. Aber für unsere 20 Saison- und Hilfsarbeiter, die viel Handarbeit machen, können wir diesen Lohn nicht zahlen. Sonst müssten wir die Gemüseproduktion schließen und nur noch Getreide, Mais und Raps anbauen."

Ähnlich sieht es der Landesbauernverband. "Die 'Geiz ist geil'-Mentalität trifft auch die Lebensmittelproduktion", sagte der Hauptgeschäftsführer Wolfgang Scherfke. Alles müsse wegen des Konkurrenzdruckes bezahlbar bleiben, deshalb seien 8,50 Euro für Betriebe mit Saisonkräften zu viel. "Es ist besser, wenn sich die Tarifpartner wie bisher einigen und sich der Staat nicht einmischt."

Union und SPD hatten sich bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin zunächst darauf verständigt, dass mehr Branchen eine tarifliche Lohnuntergrenze anstreben sollten. Bisher bestimmt der Gesetzgeber die Branchen. Bei der Forderung der SPD, die einen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro in ganz Deutschland durchsetzen will, gab es bislang keine Annäherung.

dpa

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