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Landwirte erleichtert über Ende der Stallpflicht

Vogelgrippe Landwirte erleichtert über Ende der Stallpflicht

Für viele Landwirte ist es ein Tag der Erleichterung. Am Dienstag ist die generelle Stallpflicht in Brandenburg aufgehoben worden. Sie galt wegen der Vogelgrippe seit November. Wir haben uns unter Landwirten umgehört.

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Hans-Werner Kirchner musste aus Platznot im Stall 16 seiner 52 Hühner schlachten. Geblieben sind ihm 36 Tiere. Bald will er aber wieder zukaufen.

Quelle: Matthias Anke

Potsdam. Nach Protesten von Bauern und einem Abflauen der Infektionszahlen bei der Vogelgrippe hat die Landesregierung die seit November geltende Stallpflicht für Geflügel weitgehend aufgehoben. „Die zunehmende Beruhigung der Seuchenlage ermöglicht die schrittweise Lockerung“, erklärte Verbraucherschutzminister Stefan Ludwig (Linke) am Dienstag in Potsdam.

Landkreise legen nun fest, wo Tiere in den Käfig müssen

Konkret heißt das: Künftig legen die Landkreise und kreisfreien Städte fest, in welchen Gegenden die Tiere weiterhin überdacht und eingehegt gehalten werden müssen. „Risikoorientiert und lokal angepasst“ müssten die Vorkehrungen sein, sagte Ludwig. Mecklenburg-Vorpommern – ein ebenfalls stark von der Vogelkrankheit heimgesuchtes Bundesland, hatte diesen Weg zuvor ebenfalls beschritten.

Das strenge Stall-Regime gelte weiter in geschützten Feuchtgebieten, an Rast- und Sammelplätzen von Wildvögeln, in Restrisikozonen und in Gegenden, wo infizierte Wildvögel gefunden werden. Insbesondere entlang der Oder, im Spreewald, im Kranich-Paradies Linum (Ostprignitz-Ruppin) sowie entlang der Havel nordwestlich von Potsdam bei Ketzin (Havelland) sowie an der Elbe bleibt die Stallpflicht in eng umgrenzten Gebieten bestehen – daneben in etlichen anderen kleinen Gemeinden.

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„Die späte Aufhebung war längst überfällig“, sagt Reinhard Jung vom Bauernbund, der kleinere Betriebe vertritt. Der Schaden insbesondere für die Freiland-Geflügelhalter sei schon jetzt groß, so Jung, der die flächendeckende Stallpflicht insgesamt als „völlig unverhältnismäßig“ bezeichnet. Ein Großteil der Wildvögel sei infiziert, deshalb gebe es im Freiland ohnehin eine allgemeine Ansteckungsgefahr. „Wir sehen einen erheblichen Forschungsbedarf in Bezug auf mögliche Tierseuchen“, sagte Landesbauernverbands-Chef Henrik Wendorff, dessen Organisation auch agrarindustrielle Betriebe vertritt. Dennoch begrüßte er das Ende der Stallpflicht als „gute Nachricht für unsere Hobby- und Freilandhalter.“

„Die späte Aufhebung war längst überfällig“, sagt Reinhard Jung vom Bauernbund

„Die späte Aufhebung war längst überfällig“, sagt Reinhard Jung vom Bauernbund

Quelle: privat

Auf den Dörfern herrscht große Erleichterung. „Man hat mit drakonischen Strafen gedroht, sollten wir uns nicht an die Stallpflicht halten“, sagt Bauer Manfred Wercham aus Wilhelmsaue bei Letschin im Oderbruch, der seine 15 Hühner jetzt wieder auf die Wiese lässt. „Von 15 .000 Euro war die Rede“, so Landwirt Wercham.

Grüne hatten eine landesweite Aufhebung gefordert

Zuletzt hatte neben dem Verband der Rassegeflügelzüchter auch die Grünen-Fraktion im Landtag eine Aufhebung der landesweiten Sperre gefordert – nicht zuletzt wegen der steigenden Temperaturen. Problematisch war die Maßnahme auch für Produzenten von Freiland-Eiern, die anfangs noch mit einer Ausnahmeregelung den Verkauf normal fortsetzen konnten.

Die Stallpflicht für Geflügel war in Brandenburg im November erlassen worden, nachdem das hochansteckende H5N8-Virus nachgewiesen worden war. Nach der aktuellen Statistik wurden bislang 47 infizierte Wildvögel gefunden, neun Geflügelzüchter meldeten den Virus aus ihren Beständen, zwei Fälle in Zoos sind nachgewiesen. Rund 155.000 Tiere wurden vorsorglich getötet.

Bei der Tierseuchenkasse des Landes befinden sich nach Auskunft des Verbraucherschutzministeriums derzeit vier Entschädigungsanträge in der Auszahlung. Die durch Massentötung ihrer Tiere geschädigten Landwirte erhalten von der Kasse insgesamt 2,5 Millionen Euro.

Von Ulrich Wangemann

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