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Landwirte rechnen mit ordentlichen Erträgen

Havelland Landwirte rechnen mit ordentlichen Erträgen

In einigen Tagen beginnt die Getreideernte im Landkreis. Den Anfang macht die Wintergerste. Trotz großer Trockenheit im Wintern und Frühling haben sich die Ähren ordentlich entwickelt. Kummer bereiten den Landwirten niedrige Getreidepreise auf dem Weltmarkt, der Schädlingsbefall beim Raps und strikte Vorgaben von Bund und EU.

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Friedrich Schmidt (rechts) und Bauern-Chef Dirk Peters haben den Überblick: Die Getreideernte wird in den nächsten Tagen beginnen.

Quelle: Ralf Stork

Wachow. Friedrich Schmidt steht am Rande eines Gerstenfeldes und inspiziert die Ähren. Mit dem Ergebnis ist der 2. Vorsitzende der Genossenschaft Wachower Landwirte halbwegs zufrieden. Vor einigen Tagen ist ein heftiger Hagelschauer über dem Feld niedergegangen. Der Hagel hat einige Körner aus den Ähren herauskatapultiert. Insgesamt halten sich die Schäden aber in Grenzen. Schmidt rechnet deshalb insgesamt mit einem durchschnittlichen Ertrag. Nach der lang anhaltenden Trockenheit in Winter und Frühling haben sich die Bestände besser entwickelt als erwartet. In ein bis zwei Wochen sind die Körner soweit, dass mit der Ernte begonnen werden kann.

Neben Schmidt steht Dirk Peters im Feld, der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes. Auch für die Kreisebene kann er Schmidts Einschätzung bestätigen: „Insgesamt können die Landwirte eine ordentliche Getreideernte erwarten“, sagt er. Allerdings gebe es große regionale Unterschiede. Im Westhavelland hat es zum Teil noch deutlich weniger geregnet als im Ostteil des Kreises. Weil die sandigen Böden dort das Wasser schlechter halten können, wird die Ernte deutlich geringer ausfallen. „Auf den leichten Böden ist eine Notreife zu befürchten“, sagt Peters. Für den Landwirt bedeutet das ganz erhebliche Einbußen.

Während Getreide und auch Mais zumindest im Osten ordentlich wachsen, bereitet der Raps nicht nur in Wachow Probleme. In der Genossenschaft wird Raps auf einer Fläche von 250 Hektar angebaut, im gesamten Landkreis wachsen Ölsaaten auf rund 8500 Hektar. „Die Erträge sind in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen“, sagt Friedrich Schmidt. Der Grund dafür liegt für ihn im fernen Brüssel: Seit 2013 ist das Behandeln der Raps-Saat mit Insektiziden – das sogenannte Beizen – verboten. Seither hat der Schädlingsbefall im Raps erheblich zugenommen. Vor allem Kohlfliegen, deren Larven sich durch die Wurzeln fressen, mindern die Erträge. Die Wachower Landwirte und der Kreisbauernverband rechnen damit, dass die schlechte Ernte aus dem Vorjahr mit drei Tonnen Ertrag je Hektar noch einmal unterschritten werden könnte.

„Viele Landwirte sind unsicher, was sie in den kommenden Jahren anbauen sollen“, sagt Peters.

Allgemein ist es inzwischen so, dass die Bauern nicht nur das Wetter im Blick haben müssen, sondern die gesamte Weltlage: Die Preise für Getreide sind seit Jahren im Keller. Ein Grund dafür sind auch die Sanktionen gegen Russland wegen der Annexion der Krim: Weil Russland als wichtiger Abnehmer ausfällt, gibt es im restlichen Teil der Welt ein Überangebot, das die Preise sinken lässt. Auch nach einem (nicht abzusehenden) Ende der Sanktionen wird sich daran wenig ändern, weil Russland mittlerweile seine Getreideproduktion kräftig angekurbelt hat.

Ein anderes Problem für viele Landwirte in Deutschland ist die neue Düngeverordnung, die seit Anfang Juni in Kraft ist. Danach hat sich der Zeitraum, in dem Gülle auf die Felder ausgebracht werden darf, erheblich verkürzt. „Für uns bedeutet das, dass wir einen neuen Gülletank anschaffen müssen, um die Gülle zwischenzulagern“, sagt Friedrich Schmidt. Die Investitionen dafür werden bei mehr als 100.000 Euro liegen.

Die Einschränkungen der Düngeverordnung gelten nur in Deutschland, das Verbot der Raps-Beize nur in der EU. Für das Bestehen auf dem Weltmarkt sind beides Wettbewerbsnachteile. „Wir Landwirte sind flexibel. Da wird uns schon was einfallen“, zieht Peters trotzdem ein halbwegs optimistisches Resümee.

Von Ralf Stork

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