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Brandenburg Brandenburger Landwirte und Tierschützer kritisieren Tierwohl-Label
Brandenburg Brandenburger Landwirte und Tierschützer kritisieren Tierwohl-Label
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00:22 09.02.2019
Ferkel stehen in einem Stall in Hilter (Symbolbild). Quelle: Ingo Wagner/dpa
Potsdam

„Verbesserung von der Geburt bis zur Schlachtung“: Das verspricht das staatliche Tierwohl-Kennzeichen für Schweine, das Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) am Mittwoch vorgestellt hat. Ab 2020 soll das Label kennzeichnen, unter welchen Bedingungen ein Schwein gelebt hat. Für Betriebe wird das dreistufige Kennzeichen allerdings nicht verpflichtend sein.

Kleine Verbesserungen statt große Reformen

Landwirte und Tierschützer aus Brandenburg reagieren mit Skepsis: „Ich sehe das sehr kritisch“, sagt der Schweinehalter Ralf Remmert. Der Geschäftsführer der Prignitzer Landschwein GmbH in Neudorf (Prignitz) hat seinen Betrieb in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt umgebaut, um den Tieren ein artgerechteres Leben zu ermöglichen. In der Region gilt sein Hof daher als Vorzeigemodell.

Das Schwanzkupieren bei Ferkeln ist nur in Ausnahmefällen erlaubt – ist aber in vielen Betrieben üblich. Quelle: Julian Stähle

„Um die erste Stufe des neuen Labels zu erreichen, müsste man nur kleine Verbesserungen vornehmen“, so Remmert. „Die Gesellschaft will aber keine kleine Nachbesserungen von uns, sondern eine bessere Tierhaltung – und dafür müssen wir neue Ideen liefern.“

Ein freiwilliges Label sei lediglich eine „Kompromisslösung“, die keine Besserung verspricht. Remmert sieht den Gesetzgeber in der Pflicht, härter durchzugreifen. Ein Beispiel sei das Schwanzkupieren bei Ferkeln: „Wir haben eine gesetzliche Grundlage, die das Schwanzkupieren nur in Ausnahmefällen genehmigt – aber in der Realität ist die Ausnahme die Regel“, sagt Remmert. Das müsse sich dringend ändern.

Verwirrung durch Logos und Labels

Auch der Landesbauernverband (LBV) betrachtet das Tierwohlkennzeichen mit Skepsis. „Wir haben jetzt ein Label, wir brauchen aber ein System“, sagt LBV-Sprecher Tino Erstling. Er halte es für problematisch, wenn einige Betriebe das Kennzeichen freiwillig einführen, andere aber nicht. Gegebenenfalls könnten die neuen Aufkleber sogar für mehr Verwirrung sorgen. „Es gibt inzwischen so viele Logos und Labels. Ob das zu mehr Orientierung beiträgt, wage ich zu bezweifeln“, sagt Erstling.

Wer mehr Tierwohl in deutschen Schweineställen erreichen wolle, müsse sich vor allem für mehr Investitionen in Stallungen einsetzen. „Entscheidend ist, dass der Mehrwert bei den Landwirten liegt – die Landwirte sollen nicht auf den Kosten sitzen bleiben, während andere daran verdienen“, so der Sprecher.

NABU kritisiert die Unverbindlichkeit

Der Brandenburger Landesverband des Naturschutzbundes (NABU) bezweifelt ebenfalls, dass das neue Tierwohlkennzeichen weit genug geht. „Da gibt es noch einiges, was man nachbessern müsste“, sagt Naturschutzreferentin Julia Ehritt. Mit Abstand das größte Manko sei die Unverbindlichkeit des Labels.

Weitere offene Flanken sieht sie neben der Schwanzkupierung von Ferkeln auch bei der geplanten Eigenkontrolle der Betriebe. „Wer führt diese Kontrolle durch? Und was soll überhaupt kontrolliert werden? Für mich sind da noch viele Fragen offen“, sagt Ehritt. „Nun hängt es an den Betrieben selbst, welche Maßnahmen sie ergreifen“, sagt die Naturschutzreferentin. Sie bezweifle, dass sich die Lebensbedingungen für Schweine durch das Label verbessern.

Mehr Platz und schönere Ställe

An dem neuen Label sollen Verbraucher schnell erkennen, in welchem Fleisch mehr Tierwohl steckt. Quelle: picture alliance/dpa

Das geplante Tierwohlkennzeichen für Fleisch im Supermarkt soll unter anderem Vorgaben für Ställe, Transport und Schlachtung machen. In der ersten Stufe sollen Schweine demnach 20 Prozent mehr Platz im Stall haben als gesetzlich vorgeschrieben, wie die am Mittwoch in Berlin vorgestellten Kriterien vorsehen. Bundesagrarministerin Klöckner sagte, Verbraucher sollten an dem Logo schnell erkennen können, wo mehr Tierwohl drinstecke.

Tierhalter sollen für Mehrinvestitionen honoriert werden. Die Kennzeichnung soll drei Stufen mit jeweils höheren Anforderungen an die Haltung bekommen. Schon im April wollen mehrere Supermarktketten eine eigene Fleisch-Kennzeichnung zur Haltungsform starten.

Von Hannah Rüdiger

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