Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Lausitzring: Ab jetzt übernimmt die Dekra

Lausitzring Lausitzring: Ab jetzt übernimmt die Dekra

Die Nachricht hatte Mitte Juli eingeschlagen: Der Lausitzring, einst gebaut in der Hoffnung, dass die Formel 1 in Südbrandenburg Station macht, wird verkauft. Statt Rennwagen sollen hier künftig Roboterautos über den Parcours fahren. Nun ist es soweit: Die Prüfgesellschaft Dekra übernimmt.

Voriger Artikel
Dietmar Woidke rudert bei Kreisreform zurück
Nächster Artikel
„Herzpatienten nehmen Symptome nicht ernst“

Der Lausitzring: Statt Formel 1 sollen dort künftig Roboterautos über den Parcour fahren.

Quelle: FOTO: dpa

Potsdam. Die Nachricht hatte Mitte Juli eingeschlagen: Der Lausitzring, einst gebaut in der Hoffnung, dass die Formel 1 in Südbrandenburg Station macht, wird verkauft – und statt Rennwagen sollen hier künftig Roboterautos über den Parcours fahren. Nun ist es soweit: Zum 1. November übernimmt die Prüfgesellschaft Dekra das Steuer am Lausitzring. Die Organisation will in Klettwitz (Oberspreewald-Lausitz) das größte herstellerunabhängige Testzentrum für autonomes und vernetztes Fahren aufbauen. Rund 100 neue Jobs sollen entstehen. Und falls es ins Konzept passt, will man künftig auch weiter die DTM-Rennserie beherbergen, allerdings nicht als Veranstalter.

Die Dekra setzt in der traditionsbewussten Lausitz damit voll auf ein Zukunftsthema: „Der Prozess der Automatisierung im Fahrzeug wird in den nächsten Jahren weiter voranschreiten, das ist gar keine Frage“, sagt Volker Noeske. Er leitet das Technology Center der Dekra, das direkt neben der Rennstrecke liegt. Mehr als 30 Millionen Euro will die Prüfgesellschaft investieren. Klettwitz hatte sich im Dekra-Verbund gegen Niederlassungen in Spanien und China durchgesetzt. „Ich sehe dem Ganzen sehr optimistisch entgegen. Es ist sogar das beste, was uns passieren kann“, sagte der Bürgermeister von Schipkau (Oberspreewald-Lausitz), Klaus Prietzel (CDU).

Schließlich verlief die Geschichte des Lausitzrings äußerst wechselhaft. Im Jahr 2000 wurde der Parcours auf einem ehemaligen Abbaugelände eröffnet. In das Großprojekt flossen rund 120 Millionen Euro Fördergeld. Bereits nach zwei Jahren war der damalige Betreiber insolvent. Der Traum von der Formel 1 erfüllte sich nie, der Lausitzring geriet wie die Cargolifterhalle oder die Chipfabrik in Frankfurt (Oder) zum Synonym für gescheiterte Großprojekte im Osten. Für die Dekra aber ist es heute ein Glücksfall, dass sie sich vor mehr als zehn Jahren neben der Rennstrecke mit dem Technology Center angesiedelt hat. Dort untersucht die Gesellschaft im Auftrag namhafter Hersteller, wie sich Fahrzeuge in bestimmten Situationen verhalten, wie die Abgaswerte sind, aber auch, wie sie leiser werden können. Dazu unterhält die Gesellschaft ein 5,8 Kilometer langes Testoval, auf dem Autobahnfahrten simuliert werden können. Mit dem Rennareal samt Park- und Nebenflächen kommen auf einen Schlag 540 weitere Hektar dazu.

Auf den Parkplätzen sollen Stadtkurse entstehen, erläutert Noeske. „Für den Autobahnverkehr nutzen wir das Testoval, ergänzt um eine Anschlussstelle mit Beschleunigungs- und Verzögerungsstreifen“, so Noeske. „Für den außerstädtischen Verkehr werden im Umfeld der Rennstrecke unterschiedliche Überlandstrecken zur Verfügung stehen.“

Damit die vernetzten Autos der Zukunft auch unter realistischen Bedingungen getestet werden, will die Dekra mit mobilen Infrastrukturelementen arbeiten. Eine feste Geisterstadt soll am Lausitzring nicht entstehen, das wäre kontraproduktiv, erklärt Noeske. Ziel sei es, sehr flexibel komplexe Verkehrsszenarien und Fahraufgaben abzubilden. Es sei eben ein Unterschied, ob man die Fahrt durch ein deutsches Dorf oder durch eine asiatische Megacity simuliert.

An dieser Äußerung wird auch klar, dass die Dekra mit internationalen Anfragen für ihr riesiges Versuchsfeld rechnet. Konkrete Namen will die Organisation aber noch nicht verraten. Wie viel sich Dekra die Übernahme der Rennstrecke hat kosten lassen, ist unbekannt. Die Vertragspartner haben Stillschweigen vereinbart. Zunächst muss die Prüfgesellschaft einiges an Technik investieren, um die Sicherheit von selbstfahrenden Autos überwachen zu können: hochmoderne Fahrroboter, selbstfahrende Plattformen sowie sogenannte Soft-Targets, die sogenannte weiche Ziele wie Fußgänger oder Tiere nachahmen. Bestimmte Tests lassen sich bereits ohne Umbaumaßnahmen ab sofort durchführen so Noeske.

Die prestigeträchtigen DTM-Rennen sind mit der Übernahme des Lausitzrings durch die Dekra noch nicht unbedingt Geschichte. Ob und wann die Rennserie demnächst in Klettwitz gastieren wird, ist allerdings noch unklar. Die Dekra habe jedoch ein Herz für Motorsport, beteuert Volker Noeske von der Dekra.

Von Torsten Gellner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg

Begleitetes Fahren schon ab 16 statt 17 – eine gute Idee?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg