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Brandenburg Lebensretter mit Schwimmlizenz
Brandenburg Lebensretter mit Schwimmlizenz
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09:54 22.10.2013
In den Ferienmonaten im Sommer sind die Brandenburger Lebensretter im Dauereinsatz Quelle: Julian Stähle
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Potsdam

Wenn am Sonnabend zum 100-jährigen Bestehen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Berlin ein Konvoi von mehr als 200 Booten über die Spree fährt, ist das auch ein Zeichen von Mahnung und Protest. Wegen der Schließung vieler kommunaler Schwimmbädern seien die Schwimmfähigkeiten der Deutschen wieder rückläufig, sagte der scheidende DLRG-Präsident Klaus Wilkens. „25 Prozent der Grundschulen haben keinen Zugang zu einem Schwimmbad mehr“, kritisierte er.

Als die DLRG am 19. Oktober 1913 gegründet wurde, konnten gerade einmal zwei bis drei Prozent der Menschen im kaiserlichen Deutschland schwimmen. Eine Katastrophe führte damals zur Gründung der Hilfsorganisation. Mehr als 1000 Menschen waren im Juli 1912 auf der Seebrücke in Binz auf Rügen, als diese teilweise einstürzte. Viele stürzten ins Meer, 16 ertranken, darunter mehrere Kinder. Es wurde damals als beschämend empfunden, dass von den vielen Anwesenden kaum jemand Hilfe leisten konnte. Wegen der schlechten Schwimmkenntnis ertranken zu dieser Zeit in Deutschland jedes Jahr etwa 5000 Menschen.

Robert Büschel (r., 24) aus Cottbus studiert in Potsdam. Mit Knut Schellhorn (35) aus Werder/Havel übt der Ehrenamtler Reanimation. Quelle: Julian Stähle

Diese Zahl zu senken, war seither Ziel der DLRG – mit Erfolg. Knapp 400 Menschen starben in Deutschland im laufenden Jahr durch Ertrinken. In Brandenburg waren es bis Ende September 19. „Jedes Jahr verdanken Hunderte Menschen der DLRG ihr Leben“, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Freitag. Dabei kämpfen die Wasserretter an vielen Fronten, erklärte Armin Zimmermann, Präsident der DLRG Brandenburg. „Das beginnt mit dem Schwimmunterricht für das Seepferdchen-Abzeichen“, sagte er. Wirklicher Ausdruck von Sicherheit im Wasser seien allerdings erst die höheren Schwimmabzeichen. Die DLRG-Helfer wachen am See, sind als Sanitäter bei Großveranstaltungen und beim Katastrophenschutz eingespannt. Beim Hochwasser im Sommer liefen in der DLRG-Einsatzzentrale in Potsdam viele Fäden zusammen. Jetzt, in der kalten Jahreszeit, werden die Boote gewartet, und es ist Zeit für Weiterbildungen und Sportwettkämpfe.

Retter im Ehrenamt

  • 3000 Brandenburger arbeiten ehrenamtlich bei der DLRG. Die Organisation finanziert sich fast ausschließlich über Mitgliedsbeiträge und Spenden.
  • Die 700 Quadratkilometer Wasserfläche in Brandenburg sind nur punktuell zu überwachen.
  • Zum neuen Präsidenten des DLRG-Bundesverbands wurde am Freitag in Potsdam Hans-Hubert Hatje aus Norderstedt gewählt.

In den Ferienmonaten im Sommer sind die Brandenburger Lebensretter im Dauereinsatz, auch als Freiwillige an der Küste. Fünf Rettungseinsätze in einer Woche erlebte Robert Büschel, Brandenburger DLRG-Jugendvorsitzender, an der Lübecker Bucht in Schleswig-Holstein. Einmal war ein Segelboot bei hohem Wellengang gekentert, erinnert er sich. Die Insassen trieben im bewegten Meer, darunter ein Kind. Die schnell herbeigeeilten DLRG-Helfer holten das Kind in ihr Schlauchboot und halfen den Erwachsenen, ihr Boot aufzurichten. „Hätten die Segler keine Schwimmwesten getragen, wäre der Unfall vielleicht nicht so glimpflich abgelaufen“, sagte Büschel. Doch manchmal kommt die Hilfe auch zu spät, obwohl alle vorbildlich reagieren. Zum Beispiel am 7. Juli am Schwielowsee in Petzow (Potsdam-Mittelmark). Ein 68-jähriger Berliner ging an einer unbewachten Badestelle ins Wasser. Draußen auf dem See machte sein Herz nicht mehr mit. Obwohl zwei Männer, die ebenfalls dort badeten, ihn aus dem Wasser holten und die Reanimation einleiteten, kam jede Hilfe zu spät.

Männer über 50 sind die Hauptrisikogruppe, sagte DLRG-Präsident Zimmermann. „Viele überschätzen ihre Kräfte“, erklärte er. Sie achten nicht auf Körpersignale und schwimmen oft allein. Von den 19 Ertrunkenen dieses Jahres sind 13 Männer. Im vergangenen Jahr waren es sogar 21 von insgesamt 25 Ertrunkenen. Und nur drei der 19 diesjährigen Opfer waren jünger als 50.

Die frühere Risikogruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen gibt es dagegen trotz immer schlechter werdender Schwimmkenntnisse kaum noch. Zimmermanns Erklärung: Die Jugendcliquen treffen sich heute kaum noch zum Schwimmen am Badesee, sondern zum Surfen im Internet. Und da geraten sie kaum in die Gefahr zu ertrinken. Für die DLRG ist das trotzdem ein Grund zur Sorge. Denn gute Schwimmer werden gebraucht, als Aktive bei der DLRG und im Ernstfall als Lebensretter. Schließlich könnten auch in Zukunft noch Unfälle wie der vor 100 Jahren an der Binzer Seebrücke stattfinden.

Von Ulrich Nettelstroth

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