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Brandenburg Lecker(li): Hundesnack aus Mehlwürmern
Brandenburg Lecker(li): Hundesnack aus Mehlwürmern
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13:01 18.07.2017
Redaktionshündin Maya macht den Test. Quelle: Maz
Bergholz-Rehbrücke

Die Idee kam der jungen Ernährungsforscherin Ina Henkel, die an der Universität Potsdam studiert hatte, schon vor zwei Jahren. Damals war sie mit ihrer Kollegin, der Ernährungswissenschaftlerin Katrin Kühn, an der Organisation einer Sommerschule über Nahrungsmittel aus Insekten, genauer: aus Mehlwürmern beteiligt. Eigentlich ging es damals um Produkte für Menschen. Doch deren Herstellung ist in Deutschland noch schwierig.

„Bei der Verarbeitung von Insekten gibt es einige rechtliche Hürden“, sagt Henkel. Die Vorschriften sind sehr streng. Rechtlich einfacher wäre sogar das Anbieten ganzer Grillen oder frittierter Mehlwürmer. „Vom Kopf her ist der Verzehr ganzer Insekten aber für die meisten Menschen viel schwieriger“, sagt Henkel. Sie selbst hat keinerlei Schwierigkeiten, sich im Asienurlaub mal auch ein paar frittierte Grillen zu genehmigen.

Was aber, wenn man einfach die Konsumentengruppe änderte? Bei Tierfutter sind die Verarbeitungsvorschriften nicht so eng gefasst. „Für mich sind Insekten auch Lebensmittel“, sagt Henkel. „Warum sie nicht als Futtermittel einsetzen?“ Damit war die Idee für „Tenetrio“, dem Hundesnack auf Mehlwurmbasis geboren. Ihre Kollegin Katrin Kühn war auch gleich Feuer und Flamme für den Einfall.

Ina Henkel, Sabrina Jaap und Katrin Kühn mit dem Hundesnack „Tenetrio“ Quelle: Rüdiger Braun

Inzwischen haben die beiden Firmengründerinnen zusammen mit der Betriebswirtin Sabrina Jaap nicht nur auf Grundlage des Exist-Wettbewerbs ihr eigenes Startup auf die Beine gestellt, Tenetrio hat dieses Jahr auch schon den ersten Preis beim Ideenwettbewerb „Agrar und Ernährung“ der dfv Mediengruppe gewonnen. Ein Grund: Ihr Mehlwurmsnack stellt eine hochwertige Alternative zur gängigen Hundeleckerlis dar.

„Die wenigsten wissen es, aber die häufigste Erkrankung ist hierzulande auch bei Hunden Überernährung“, sagt Henkel. Daraus resultiere bei den Tieren oft sogar Diabetes. Die Kenntnis hat sie nicht zuletzt von ihrem früheren Chef Florian Schweigert. Der Professor für Physiologie und Pathophysiologie der Ernährung an der Universität Potsdam ist ursprünglich Tierarzt. Schon von daher lag Henkel und Kühn daran, einen gesunden Snack für Hunde zu entwickeln.

Schon im Januar 2016 konnten die beiden Ernährungswissenschaftlerinnen einen Prototyp vorlegen, der aus 20 Prozent zermahlenen Mehlwürmern und zum Großteil aus Reis besteht – ohne Zusatz- und Konservierungsstoffe. Hergestellt werden die weißen Kugeln durch ein spezielles Verfahren mit Druck und kurzzeitiger Erhitzung. Dieses übernimmt ein Partner in Bergholz-Rehbrücke. Dort stehen auch die Boxen mit den Mehlwürmern, die etwa zwei Wochen lang bis zur Verarbeitung gefüttert werden müssen. Im Sommer 2016 gewannen sie mit dem Futter den dritten Platz im Business-Wettbewerb Berlin-Brandenburg.

Schnell holten sich Henkel und Kühn die Betriebswirtschaftlerin Sabrina Jaap mit ins Boot, um einen Business-Plan zu erstellen. Seit April 2017 bekommen die drei Firmengründerinnen das Exist-Gründerstipendium und können sich jetzt ganz auf die Produktion konzentrieren. „Wir haben schon Leute im Blick, denen Nachhaltigkeit wichtig ist“, sagt Henkel. Es gäbe viele Hundebesitzer, die sehr viel Wert auf die gesunde Ernährung ihrer Vierbeiner legten und deshalb Hundesnacks meist ablehnten, weil sie in diesen eine Art ungesunde Süßigkeit sehen. Genau dieses Kundensegment haben Henkel, Kühn und Jaap im Blick. Jaap hat die Kundengruppe sogar noch präziser beschrieben: als „Lohas“, das für „Lifestyles of Health and Sustainability“, also Lebensstil der Gesundheit und Nachhaltigkeit steht, und als Woofs, das „well of older folks“ und damit die etwas wohlhabenderen älteren Leute meint. „Unser Futter ist ganz klar ein Leckerli und kein Alleinfutter“, sagt Henkel. Dennoch mache man betriebswirtschaftlich gesehen schon ordentlich Umsatz.

Beide Gruppen stellen laut Marktuntersuchung ungefähr 1,3 Prozent der Bevölkerung dar. Die zahlungskräftigen Gruppen werden auch gebraucht. denn die seit April dieses Jahres auf Ständen und Messen ausgereichten 75-Gramm Packungen kosten knapp fünf Euro. Das ist für Futtermittel auf Mehlwurmbasis, die in den Vereinigten Staaten zum Beispiel schon länger angeboten, sogar noch eher im unteren Preissegment.

Henkel, Kühn und Jaap, die bisher ihr Produkt an Hundeschulen oder jüngst auf der Hundemesse Berlin verkauften, sehen sobald der Eintrag im Handelsregister steht als erster Vertriebsstelle den Internet-Händler „Amazon“ an. 40000 Päckchen im Monat haben sie sich als Zielmarge gesetzt. Und damit soll nicht Schluss sein, denn die drei Jungunternehmerinnen haben Großes vor.

Nicht umsonst wollen die drei Gründerinnen im Handelsregister unter „entonative GmbH“ angemeldet werden. Die Vorsilbe „ento“ steht für Insekten. „Entonative“ wäre Nahrung, deren Grundlage Insekten sind. „Wir machen keinen Hehl daraus, dass wir auch den Humanmarkt ändern wollen“, sagt Henkel. Wenn erst die sogenannte Novel Food Verordnung, also die Verordnung für neuartige Nahrungsmittel, überarbeitet sei, können man sich an Belgien oder Niederlanden ein Beispiel nehmen und auch in Deutschland Riegel auf Insektenbasis anbieten.

Von Rüdiger Braun

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