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Leere Briefkästen in Brandenburg und Berlin

Verdi erhöht mit unbefristeten Streiks Druck auf die Post Leere Briefkästen in Brandenburg und Berlin

Erst stranden die Briefe, bald auch die Pakete: Die Gewerkschaft Verdi erhöht im Tarifkonflikt mit der Deutschen Post den Druck auf den Konzern. Am Dienstag kamen viele Briefe nicht pünktlich an. Seit Montag laufen Streiks in den regionalen Briefverteilzentren. Noch in dieser Woche sollen sich auch Briefträger und Paketzusteller an dem Ausstand beteiligen.

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Den Anfang machten die Beschäftigten der Briefverteilzentren. Im Laufe der Woche sollen die unbefristeten Streiks auch auf die Zusteller ausgeweitet werden.

Quelle: dpa

Potsdam/Berlin. Wenn der Postmann nicht mehr klingelt: Viele Brandenburger und Berliner haben am Dienstag vergeblich auf Briefe gewartet. In den kommenden Tagen soll das zum Normalzustand werden – wenn es nach Verdi geht. Die Dienstleistungsgewerkschaft hat bundesweit zum unbefristeten Streik aufgerufen. Den Anfang machen seit Montagnachmittag die Beschäftigten in den Briefverteilzentren, in den kommenden Tagen sollen sich die Brief- und Paketzusteller anschließen.

Unter den bestreikten Briefverteilzentren sind auch die regionalen Umschlagplätze in Berlin-Tempelhof, Schönefeld (Dahme-Spreewald), Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark), Hennigsdorf (Oberhavel) und Cottbus, die laut Verdi täglich 3,5 Millionen Briefe abfertigen. „Rund zwei Drittel der Sendungen sind liegen geblieben“, schätzte Benita Unger, Verdi-Postdienst-Expertin für Berlin-Brandenburg, am Dienstag. In den fünf Verteilzentren seien bereits 200 der 500 Beschäftigten in den Ausstand getreten, bis zum Wochenende werde sich auch der übrige Teil der Schichtarbeiter anschließen.

Verdi will den Druck auf die Post, die neuerdings als Deutsche Post DHL Group firmiert, in den kommenden Tagen schrittweise erhöhen. „Die Brief- und Paketzusteller werden noch in dieser Woche in den Streik einbezogen“, kündigte Unger an.

Wie groß die Wirkung ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Denn in der Zentrale des Konzerns gibt man sich betont gelassen. „Wenn wir nicht funktionieren, hat dieses Land ein Problem“, sagte Brief-Chef Jürgen Gerdes am Dienstag bei einem Pressegespräch. Aber: „Bisher hat die Republik von den Streiks nichts gemerkt.“ Nach 29 Streiktagen im aktuellen Tarifkonflikt bilanziert die Post: neun von zehn Briefen kamen rechtzeitig am Folgetag, ebenso 85 Prozent aller Pakete. Weil viele Beschäftigte nicht streiken dürften oder wollten, etwa Beamte oder langjährige und gut bezahlte Mitarbeiter, wie Gerdes hervorhebt. Laut Post-Führung liegt die Streikbereitschaft etwa in Berlin bei weniger als 50 Prozent – manche Langgedienten hätten gelbes Blut, heißt es. Verdi sieht das anders. Bei einem unbefristeten Streik werde die Post ihre angeblich hohen Zustellquoten nicht halten können, sagte Unger.

Konzern und Gewerkschaft streiten längst auch um die Deutungshoheit in dem Tarifkonflikt. Hauptstreitpunkt ist die boomende Paketsparte. Die Post baut derzeit unter dem Dach der DHL Delivery ein neues Paketzustellernetz auf. Dafür wurden 49 regionale Gesellschaften gegründet, in denen bereits mehr als 6000 Menschen beschäftigt sind – allerdings nicht nach Haustarifvertrag, sondern zu den deutlich schlechteren Konditionen der Logistikbranche. Vorstand Gerdes verteidigt das als notwendigen Schritt im globalen Wettbewerb. Im Vergleich zur Konkurrenz sollen die DHL-Delivery-Zusteller mit im Schnitt 13 Euro Stundenlohn sogar 50 Prozent mehr verdienen.

Verdi hingegen will keine Zweiklassengesellschaft bei den Paketzustellern und sieht in der Auslagerung der mehr als 6000 Beschäftigten einen „Vertragsbruch“. Laut einer Abmachung darf die Post nicht mehr als 990 Zustellbezirke im Paketversand an fremde Unternehmen, auch nicht an Tochtergesellschaften, vergeben. Dies gelte allerdings nicht für die neu gegründete DHL Delivery, erklärte Gerdes und räumte einen Trick ein: „Haben wir einen Vertrag gebrochen? Nein. Gab es eine Lücke im Vertrag? Offensichtlich.“

Von Bastian Pauly

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