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Lego-Auto aus Niemegk erobert Rennsportwelt

Modellbau Lego-Auto aus Niemegk erobert Rennsportwelt

Großer Sport mit kleinen Steinen: In Niemegk entstehen Rennwagen aus Lego-Steinen, die in der internationalen Rennsportwelt für Aufsehen sorgen. Gerade scharrten sich die Besucher in Südengland beim „Festival of Speed“ um die Klötzchen-Autos, die im Maßstab 1:3 gebaut wurden.

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Lego Rennwagen aus Niemegk wurden beim Festival of Speed in England ausgestellt

Quelle: FOTOS: Axel F. Busse

Niemegk. Großer Sport mit kleinen Steinen – so funktioniert die Produktlinie „Speed Champions“ des dänischen Spielzeugherstellers Lego. Kleine und große Tüftler können damit Sportwagen nachbauen – Porsche, Ferrari oder McLaren beispielsweise. Mit dem, was in Niemegk (Potsdam-Mittelmark) aus Lego gebastelt wird, hat das aber wenig zu tun. Denn dort entstehen große, schwere und teure Renner, die die internationale Rennsportwelt begeistern.

Vergangenes Wochenende im Süden Englands: In Goodwood fand das Rennen „Festival of Speed“ statt, und am Pavillon des Autoherstellers Ford konnten die Besucher Brandenburger Handwerkskunst bewundern: zwei Rennwagen-Modelle, die gemeinsam mit dem aktuellen Siegerfahrzeug des 24-Stunden-Rennens von Le Mans aufgebaut sind. Detailgetreu im Maßstab 1:3, sehen sie ein bisschen aus wie grob gepixelte 3D-Fotos.

Ein Leben in Noppen

„Unser Leben spielt sich in Noppen ab“, sagt Axel Al-Rubaie, der zusammen mit seinem Geschäftspartner René Hoffmeister die Modellbaufirma Design-in-Stein in Niemegk betreibt. „Noppen“ sind unter Lego-Bastlern eine international anerkannte Maßeinheit für die Baulänge eines Modells. In zusammen neun Wochen Arbeitszeit und unter Zuhilfenahme von mehr als 90 000 Lego-Klötzchen haben die beiden und ihre Mitarbeiter den Ford GT40 des Jahrgangs 1966 und den GT von 2016 nachgebildet.

„Für die innere Struktur haben wir ein Gitter-System entwickelt“, erklärt Al-Rubaie, „das die Steine trägt.“ Insgesamt 109 Lagen sind es beim Modell des modernen GTs letztlich geworden. „Rund bauen ist immer viel schwieriger als eckig“, meint der Inhaber der einzigen von Lego zertifizierten Modellbau-Werkstatt Deutschlands im Hinblick auf Felgen und Räder.

Ein Zentner schweres Lego-Auto

Rund einen Zentner bringt der GT40 auf die Waage, das Modell des neueren Autos ist größer und wiegt deshalb mehr als 80 Kilogramm. Mit dem Ford-Rennstall werden die Lego-Autos weiter auf Tournee gehen, bei Motorsport-Events und anderen Gelegenheiten herum gereicht. Das Auftragsvolumen will die Werkstatt nicht genau beziffern, aber wer einen mittleren fünfstelligen Betrag annimmt, dürfte einigermaßen richtig liegen.

Die hohe Schule des Modellbaus ist im Falle der Ford-Renner eine internationale Co-Produktion. Ein englischer Designer, der dänische Klötzchen-Konzern, der amerikanische Autobauer und die deutsche Spezialwerkstatt haben die Ausstellungsstücke gemeinsam Realität werden lassen. Die Montage fand in der Werkstatt in Niemegk statt. Das dortige Modellbau-Unternehmen hat bereits eine gewisse Routine im Umgang mit Sportwagen. Vergangenes Jahr entstand dort ein halber Porsche 911 im Format 1:1.

Spezialbausteine gibt es nicht

Der stand jedoch auf echten Felgen und Rädern, der Länge nach geteilt bestand er aus einer halben Original-Karosserie und 50 Prozent Lego-Nachbildung. Bei den beiden Ford-Modellen war die Konstruktion deshalb schwieriger, weil auch das Fahrwerk nur aus Lego-Steinen geformt werden sollte. „Die besondere Herausforderung ist, nur Steine zu verwenden, die aus dem Lego-Baukasten stammen“, erklärt der englische Designer Craig Callum, „Spezialanfertigungen für solche Schaustücke gibt es nicht.“ Nur wenn es einmal gar nicht passen will, so offenbarte zuletzt einer der beteiligten Modellbauer, müsse „mit der Zange korrigiert“ werden.

Seit Generationen faszinieren die bunten Kunststoff-Klötzchen Kinder auf der ganzen Welt. So war das auch bei Craig Callum. Heute arbeitet er für den in Billund beheimateten Spielzeug-Multi und entwirft regelmäßig Sportwagen nach realen Vorbildern - wie zuletzt beim Le-Mans-Sieger Ford GT. Callum hat in seiner beruflichen Karriere kindlichen Spieltrieb und professionelle Ausbildung in seltene Harmonie gebracht.

Er habe schon als Junge immer wieder Autos mit seinen Lego-Steinchen gebaut, beteuert der 32-Jährige. Der Designer-Beruf war ihm wahrscheinlich in die Wiege gelegt, denn er ist weitläufig verwandt mit dem Ford-Designer Moray Callum und dem Jaguar-Chefzeichner Ian Callum. Eine von Craigs beruflichen Stationen war die Styling-Abteilung von Renault-Lastwagen. Für die Serie „Speed Champions“ entstanden in seinem Lego-Team inzwischen Bausätze für McLaren- und Ferrari-Modelle, Chevrolet-, Audi- und Ford-Typen, die verschiedenen Schwierigkeitsgrade können Sechs- bis 60-Jährigen das Herz erfreuen.

Von Axel F. Busse

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