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Legte der NSU in Brandenburg Depots an?

Kriminalität Legte der NSU in Brandenburg Depots an?

Gibt es eine weitere Verbindung zwischen den NSU-Mordtaten und Brandenburg? Wie jetzt bekannt wurde, hat das Landeskriminalamt bereits im Jahr 2009 in Erdlagern Sprengstoff und Uniformteile entdeckt. Der Besitzer könnte der Bombenbauer für das Terror-Trio um Beate Zschäpe gewesen sein.

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Fahndungsfotos: Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt vom NSU. War Michael Krause ihr Waffenmeister?

Quelle: Foto: dpa

Potsdam. Gibt es eine weitere Verbindung zwischen den NSU-Mordtaten und Brandenburg? Wie die Landesregierung als Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linken-Landtagsabgeordneten Andrea Johlige darlegt, haben Beamte des Landeskriminalamts (LKA) Brandenburg am 21. Oktober 2009 zwei geheime Erddepots mit teils brisantem Inhalt ausgehoben.

Fund bei Königs Wusterhausen

Nördlich von Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) fanden märkische Kriminalisten einen „geschlossenen und mehrfach umwickelten 5-Liter-Kanister mit einer Füllung aus circa sieben Kilogramm Granulat (Unkraut-Ex)“ in einem Waldstück. Aus Unkraut-Ex lässt sich unter Beigabe von Zucker bekanntlich Sprengstoff herstellen. Das Material gehörte einem Mann, der unter Umständen in Zusammenhang mit den NSU-Morden steht: Michael Krause, ein als rechtsextrem bekannter Sonderling, der eines gewaltsamen Todes starb – und dessen mögliche Verbindung zu dem Terror-Trio jetzt die Behörden beschäftigt. War er der Bombenbauer des Mord-Trios?

Die Vorgeschichte des Fundes

Die Vorgeschichte des Fundes im Wald: Am 25. Mai 2008 kam Krause bei einer Schießerei mit Streifenpolizisten in Bayreuth ums Leben. Er hatte überraschend das Feuer auf die Beamten eröffnet, die den Fahrradfahrer kontrollieren wollten. Von sechs Kugeln getroffen, soll er sich hinter einen Baum geflüchtet und dort seinem Leben mit einem Kopfschuss ein Ende gesetzt haben. Ein Polizist wurde schwer verletzt. Bei dem 53-Jährigen entdeckten Ermittler neben gefüllten Magazinen und einem „selbst gebauten Schussapparat“ (Mittelbayerische Zeitung) handgezeichnetes Kartenmaterial, auf dem 38 Erddepots in Bayern, Sachsen, Thüringen, Österreich und Brandenburg verzeichnet waren – die geografischen Angaben waren verschlüsselt. Beim Ausheben der Bunker entdeckten die Kriminalisten neben Schusswaffen, Sprengstoff, Handgranaten und Zündern einen Sprengsatz, welcher der NSU-Bombe aus der Kölner Keupstraße (2004) stark ähnelt. In einem NSU-Bekennervideo soll ebenfalls eine Bombe dieser Bauart zu sehen sein.

Der Spiegel berichtete Mitte Dezember 2016, bei dem NSU-Opfer Enver Simsek seien DNA-Spuren gefunden worden, die auf Michael Krause hinwiesen. Nach Informationen des Spiegels prüften Ermittler der „Soko Bosporus“ schon 2009, als der NSU noch nicht aufgeflogen war, eine Tatbeteiligung Michael Krauses an der damals rätselhaften Mordserie.

Nach dem Tod der Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos 2011 griffen die Strafverfolger die Spur erneut auf, legten den Vorgang aber wegen angeblich zu geringer Beweiskraft von Krauses Erbgut-Spuren auf Simseks Unterhemd zu den Akten. Ein eigener Ermittler des NSU-Untersuchungsausschusses des Bundestages soll sich jetzt der Sache annehmen, berichtet der Spiegel.

Weiterer Fund nahe der A 9 in Potsdam-Mittelmark

Nicht nur Sprengstoff entdeckten die brandenburgischen Kriminalisten in den Erdlagern. Bei Königs Wusterhausen lag laut Landesregierung ein „geschlossenes Kunststoff-Fass mit Textilien“ neben dem Unkraut-Ex-Kanister. Nahe der Autobahn A 9 zwischen Niemegk und Locktow (Potsdam-Mittelmark) wurden „Bekleidungsgegenstände und Uniformteile der ehemaligen Nationalen Volksarmee“ aufgefunden. Es ist völlig unklar, wozu Krause die Gegenstände angeschafft und versteckt hatte. Die Landesregierung verweist auf die Ermittlungszuständigkeit der bayerischen Polizeibehörden. Brandenburgs Polizisten hätten lediglich Amtshilfe geleistet, eigene Erkenntnisse zu Aktivitäten Krauses in der rechten Szene habe man nicht.

Die Linken-Abgeordnete Johlige findet diese „neue Facette im Zusammenhang mit dem NSU-Komplex“ noch „ziemlich nebulös“. In der Auswertung von DNA-Spuren scheine es „interessante Entwicklungen zu geben“.

Von Ulrich Wangemann

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