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Brandenburg Lehrer und Politiker wollen Hausaufgaben abschaffen
Brandenburg Lehrer und Politiker wollen Hausaufgaben abschaffen
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13:19 05.08.2013
Der Traum aller Schüler könnte bald Wirklichkeit werden: ein Leben ohne Hausaufgaben. Quelle: Jens Kalaene
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Potsdam

Durch Hausaufgaben würden Lerninhalte, die wegen Unterrichtsausfall liegen bleiben, in die Freizeit der Schüler verlagert, sagt Günther Fuchs, Chef der Lehrergewerkschaft GEW. „Schüler sind jeden Tag verdammt lange in der Schule. Sie müssen am Nachmittag Raum für individuelle Entfaltung haben“, fordert er. Lehrer bräuchten dagegen mehr Zeit für die gezielte Förderung der Kinder. „Das klassische Konzept – eine Aufgabe für alle Schüler einer Klasse – ist nicht mehr zeitgemäß“, so Fuchs.

Hintergrund der Debatte zum Schulanfang am Montag sind Forderungen der Berliner Bildungsforscherin Jutta Allmendinger, die alle Hausarbeiten abschaffen will. „Hausaufgaben alten Stils zementieren soziale Ungleichheit“, sagt sie. Es würden vor allem Kinder benachteiligt, deren Eltern bei den täglichen Übungen nicht helfen könnten. Voraussetzung für die Abschaffung sei der Ausbau von Ganztagsschulen.

Torsten Krause (Linke), Vorsitzender des Bildungsausschusses im Landtag, fordert, Hausaufgaben auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Eine Ausnahme sieht er jedoch bei den Fremdsprachen: „Vokabeln müssen Kinder alleine üben“, sagt er. Auch Marie Luise von Halem (Grüne) unterstützt den Vorstoß: „Bildungserfolg hängt zu stark vom Elternhaus ab“, erklärt sie und plädiert dafür, dass Kinder unter Anleitung in der Schule den Stoff vertiefen. „Nicht alle Eltern können ihre Kinder beim Lernen begleiten.“

Widerstand kommt von CDU und FDP. „Hausaufgaben haben sich bewährt, um Stoff zu Hause zu vertiefen. Sie sind ein wichtiges Mittel um zu prüfen, wer was verstanden hat“, sagt Gordon Hoffmann (CDU). FDP-Fraktionschef Andreas Büttner warnt davor, Kinder immer mehr zu „pampern“. „Die Kinder müssen lernen, sich Dinge selbstständig zu erarbeiten“, sagt er. Auch der Brandenburger Landeselternrat lehnt ein Hausaufgaben-Verbot ab. „Ob und wie viele Aufgaben Kinder bekommen, sollte vom Schultyp abhängen“, sagt Sprecher Wolfgang Seelbach. Eltern wüssten so besser, was ihre Kinder gerade durchnehmen.

Von Torsten Gellner

KOMMENTIERT

Vollzeitjob Schule Torsten Gellner hält die Abschaffung der Hausaufgaben für richtig – und für eine friedensstiftende Maßnahme
 
Wer hätte nicht als Kind davon geträumt: eine Schule ohne Hausaufgaben. Ohne Schönschreibübungen, Geschichtslektionen, Textaufgaben und Vokabellisten. Stattdessen runter vom Schulhof und sofort rein in den Badesee. Naja, dieses Szenario wird weiterhin ein Wunschtraum bleiben. Auch wenn sich die Front der Hausaufgaben-Rebellen durchsetzt und die täglichen Überstunden abgeschafft werden, verwandelt sich Brandenburg nicht in einen schulpolitischen Freizeitpark. Vielmehr ist die Forderung eine verständliche Reaktion auf eine sich verändernde Bildungslandschaft.

Kinder sitzen heute meist deutlich länger in der Schule als früher, Nachhilfeangebote boomen, der Alltag ist pädagogisch durchgetaktet. Laut einer Unicef-Umfrage ist Schule inzwischen ein Vollzeitjob, für den Mädchen im Schnitt 40 Stunden pro Woche, Jungs 37 Stunden aufbringen. Vor diesem Hintergrund kann keine Rede davon sein, dass die Reduzierung von Hausaufgaben ein weiterer Einfall von windelweichen Kuschelpädagogen ist, die auch schon Noten und Sitzenbleiben streichen wollen.

Der Sinn der Übungen wird seit Jahren von Wissenschaftlern angezweifelt. Im Übrigen sollen nur Hausaufgaben wegfallen, nicht aber das Vertiefen des Stoffes. Warum soll das nicht dort geschehen, wo der Lehrstoff vermittelt wird, unter Anleitung von Pädagogen, die um den individuellen Förderbedarf ihrer Schüler wissen? Schluss mit den Hausaufgaben – das wäre auch noch eine friedensstiftende Maßnahme. In unzähligen Häusern werden sich ab nächster Woche, wenn die Schule beginnt, wieder Dramen rund um die häusliche Büffelei abspielen.

Die Gurkenernte im Spreewald soll künftig eine vollmechanische Maschine übernehmen. Sie soll den hohen Personaleinsatz und damit die Kosten bei der Gurkenernte deutlich verringern.

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