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Brandenburg Lehrstuhl für Landesgeschichte wird gestrichen
Brandenburg Lehrstuhl für Landesgeschichte wird gestrichen
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13:50 29.07.2015
Landeshistoriker Peter-Michael Hahn. Quelle: Dpa-Zentralbild
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Potsdam

„Das aus meiner Sicht Wichtigste der vergangenen Jahren liegt vor Ihnen“, sagt der Historiker Peter-Michael Hahn und springt sogleich auf, um den Schuber zu öffnen. Zwei Prachtbände gleiten heraus. „Herrenhäuser in Brandenburg und der Niederlausitz“ heißen die Bücher. Sie kommentieren das Ansichtswerk des Berliner Verlegers und Buchhändlers Alexander Duncker, der von 1857 bis 1883 eine Grafiksammlung preußischer Schlösser herausgegeben hatte. Die Zeichnungen sind wunderschön und ansprechend, im sorgfältig dokumentarischen Stil des 19. Jahrhunderts eben, die Texte prägnant und informativ. „Die Arbeit hat mich fast 15 Jahre gekostet“, sagt Hahn. Er hatte das Werk Dunckers zusammen mit seinem Wiener Kollegen, dem Barockexperten Hellmut Lorenz, nicht nur neu kommentiert, die beiden Forscher waren auch übers Land gereist und hatten sich die Sitze einstiger Adelsgeschlechter selbst angesehen. „Es sind Kurzbiografien der Herrenhäuser“, erklärt Hahn. In seiner Art sei der Doppelband einzigartig. Die Gerda Henkel Stiftung habe das aufwendige Projekt mit einem „sechsstelligen Betrag“ gefördert. Das Land Brandenburg selbst habe zu dem im Jahr 2000 herausgegebenen Werk, das seine kulturellen Schätze aufwendig dokumentiert, keinerlei Beitrag geleistet.

Professor hat Publikationen mit einmaligen Einblicken veröffentlicht

Das ist symptomatisch. Hätte der Professor für Landesgeschichte mit dem Schwerpunkt Brandenburg-Preußen in den 23 Jahren seiner Tätigkeit für die Universität Potsdam nicht noch andere Förderer gehabt, er hätte wohl kaum seine wichtigen Publikationen zur Adelskultur in Brandenburg vorlegen können, zum Beispiel auch nicht die Schriften des Oberzeremonienmeisters Friedrich I., Johann von Besser (1654-1729), in drei Bänden. Auch dies ist eine edle und teure Publikation, die aber zugleich einmalige Einblicke gibt, wie das junge preußische Königreich sich seine Repräsentationsstrategien von anderen europäischen Höfen abgeguckt hatte.

Die Geschichte Brandenburgs beginnt eigentlich schon in der Steinzeit. Echte geschichtliche Spuren haben aber die Slawen ab dem 6. Jahrhundert hinterlassen, zum Beispiel die Slawenburg Raddisch im Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Als eigentlicher „Geburtstag“ der Mark Brandenburg gilt der 11. Juni 1157. Damals eroberte der Markgraf Albrecht der Bär aus dem Geschlecht der Askanier die Burg Brandenburg von den Slawen zurück.

Die Region stand mehrmals im Zentrum weltpolitischer Begebenheiten. Brandenburg wurde im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 besonders in Mitleidenschaft gezogen. Dem folgte 1675 der Schwedisch-brandenburgische Krieg mit dem Sieg Brandenburgs bei Fehrbellin 1679. Unter Friedrich II. geriet Brandenburg mit dem Siebenjährigen Krieg in eine Art Weltkrieg, an dem sogar Nordamerika beteiligt war.

Weitere Professuren mit landesgeschichtlichen Themen, sind derzeit die Professur Europäische Aufklärung von Iwan-Michelangelo D `Aprile, die außerplanmäßige Professur „Frühe Neuzeit“ von Frank Göse und künftig auch die außerplanmäßige Professur von Matthias Asche. bra

„Die Vergangenheit des Landes hat die Politik hier nicht interessiert“

„Das Land Brandenburg hat für diese Art von Forschung niemals Geld bereitgestellt“, sagt der gebürtige Rheinländer, der erst in der Mitte seiner akademischen Karriere, nämlich ab den 90ern an der Freien Universität Berlin, sein Herz für die brandenburgische Geschichte entdeckte, diese Leidenschaft dann aber umso ungestümer auslebte. „Die Vergangenheit des Landes hat die Politik hier nicht interessiert“, gibt Hahn zu Protokoll. Lediglich der frühere Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) habe noch ein Verständnis für das kulturelle Gedächtnis des Landes gezeigt. Von seinen Nachfolgern Matthias Platzeck und Dietmar Woidke sei diesbezüglich gar nichts gekommen.

Lehrstuhl wird auch wegen der hohen Kosten gestrichen

Dieses Desinteresse der Politik an der brandenburgischen Landesgeschichte, wird bald noch gravierendere Auswirkungen haben. Mit Hahns Emeritierung im Herbst 2016 wird der Schwerpunkt Brandenburg-Preußen aus dem Fächerkanon an den märkischen Hochschulen verschwinden. Die langfristige Strukturplanung aus den Jahren 2010 und 2011 sieht die Streichung der Professur vor. Grund: die hohen Kosten. Ein Schwergewicht der brandenburgischen Landesgeschichte hat die Universität mit Heinz-Dieter Heimann sowieso schon verloren. Der Professor für die Geschichte des Mittelalters war im März dieses Jahres emeritiert worden. Heimann hatte unter anderem das Brandenburgische Klosterbuch mit herausgegeben. Wenn Hahn erst gegangen ist, wird die brandenburgische Landesgeschichte in der hiesigen Forschungslandschaft wohl erst ab 1945 beginnen. Das Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam behandelt in seiner Abteilung „Kommunismus und Gesellschaft“ vorwiegend die Geschichte der DDR. Was die Mark vorher war, müssen sich Studierende und Interessierte dann aus diversen Vorlesungen und Publikationen selbst zusammenklauben.

Das ist in anderen Bundesländern anders. Die Ludwigs Maximilians Universität München beschäftigt für das Fach „Bayerische Geschichte“ zwei Professoren und zwölf wissenschaftliche Mitarbeiter, die Technische Universität Dresden hat einen Lehrstuhl für Sächsische Landesgeschichte, vier wissenschaftliche Mitarbeiter und zwei Lehrbeauftragte. An der Uni Heidelberg gibt es das Institut für Fränkisch-Pfälzische Geschichte und Landeskunde mit zwei Professuren, die Gutenberg Universität in Mainz hat den Arbeitsbereich für Mittlere und Neuere Geschichte und Vergleichende Landesgeschichte mit immerhin fünf Mitarbeitern.

Hochschule würde Lehrstuhl gerne weiter führen, kann aber nicht

Präsident Oliver Günther räumt ein, dass es schön wäre, bliebe auch in Potsdam die landesgeschichtliche Kompetenz auf einem Lehrstuhl vereint. „Wir können aber keine Stellen aus dem Nichts schaffen, wenn es die wirtschaftliche Situation nicht zulässt“, sagt Günther. Die Hochschule wolle die Inhalte aber weiterhin abdecken. Professor Iwan-Michelangelo D’Aprile, zuständig für Kulturen der Aufklärung, werde sich zusammen mit dem Lehrstuhl für Allgemeine Geschichte der Frühen Neuzeit sowie dem außerplanmäßigem Professor für Frühe Neuzeit, Frank Göse, auch um die brandenburgische Landesgeschichte kümmern, verspricht Günther.

Kritiker befürchten, dass das Verständnis für Geschichte Brandenburgs schwindet

Hahn hält das für zu wenig, Göse, obwohl Experte für Landesgeschichte, werde die Lücke nicht füllen können. „Große Publikationen fallen bei einer außerplanmäßigen Professur schwer“, sagt Hahn. Insgesamt gelte, dass man die Landesgeschichte nicht neben den anderen Schwerpunkten betreiben könne. Hahn spricht von „Geschichtslosigkeit“, auf die das künftige Forschungsinteresse in Brandenburg hinauslaufe. Damit gehe das Verständnis für das Gewordensein des Landes gehe verloren. „Brandenburg ist ein zusammengesetztes Land mit brandenburgischen und sächsischen Wurzeln“, sagt Hahn. „Die Leute wissen zum Beispiel nicht, wenn sie nach Belzig kommen, dass es sich dort um eine sächsische Burg handelt.“ Das Gleiche gelte für Doberlug Kirchhain, Bernau und Altdöbern. Dagegen seien die Uckermark und die Prignitz sehr märkisch geprägt. Gegenüber der Omnipräsenz des 20. Jahrhunderts an den Hochschulen verschwände nun die ein Jahrtausend währende märkische Landesgeschichte allmählich in Vergessenheit, obwohl über Jahrhunderte dauernde dynastische die Mentalitäten der Mark tief geprägt hätten.

Von Rüdiger Braun

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