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„Leise Hoffnung auf späte Ernten“

Pilzliebhaber Wolfgang Bivour „Leise Hoffnung auf späte Ernten“

In die Pilze zu gehen, ist dieser Tage wieder Volkssport. Dabei hat der heiße, trockene Sommer vielerorts die Ernte merklich verdorben, wie Wolfgang Bivour vom Brandenburgischen Landesverband der Pilzsachverständigen sagt. Die MAZ sprach mit dem Pilzberater über eine durchwachsene Saison, rastlose Telefonate und unliebsame Champignons.

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Wolfgang Bivour

Quelle: dpa

Potsdam. Wolfgang Bivour (65) ist Pilzberater und Vorsitzender des Vereins Brandenburgischer Landesverband der Pilzsachverständigen.

MAZ: Pilze sammeln ist in dieser Jahreszeit Volkssport. Was ist das Faszinierende daran?

Wolfgang Bivour: Bei mir ist es von klein auf gewachsen. Als ich mit meinen Eltern in die Pilze ging, habe ich schnell gemerkt, dass es da neben Steinpilzen und Maronen noch viel mehr zu entdecken gibt. Die einen sammeln Briefmarken, die anderen Pilze.

Wie ertragreich sind die Waldausflüge denn in dieser Saison?

Bivour: Viele Sammler sind dieses Jahr enttäuscht. Durch den heißen und trockenen Sommer gab es etwa bei den Pfifferlingen, die normalerweise früher kommen, nahezu einen Totalausfall. Im September ist die Entwicklung hingegen besser, mit örtlich großen Unterschieden. In den vergangenen beiden Wochen gab es hier und da etwa Maronen, Stein- und Butterpilze, aber auch giftige Grüne Knollenblätterpilze und Karbol-Champignons – teils in großen Mengen.

Das ist dann schon etwas für den Experten. Sie nennen sich Pilzberater. Was hat es damit auf sich?

Bivour: Im Prinzip können Sie sich auch Pilzberater nennen ...

... besser nicht!

Bivour: Deshalb muss man dafür in unserem Verein sein Wissen unter Beweis stellen und neben einer schriftlichen Prüfung auch eine mündliche in Form einer fiktiven Pilzberatung ablegen. Da geht es nicht nur um Fragen der Artenkenntnis, des Speisewerts, der Giftigkeit und Vergiftungssymptome, sondern auch ums Sammeln und Verwerten, den Naturschutz und das Waldgesetz. 35 unserer 50 Mitglieder sind Pilzberater, diese Funktion ist aber keine Bedingung für eine Mitgliedschaft.

Wie groß ist der Beratungsbedarf?

Bivour: Es hängt davon ab, ob gerade Pilzsaison ist. Unser derzeitiger Stand auf dem Potsdamer Wochenmarkt ist immer gut besucht. Es kommen Leute, die ihre Pilze mitbringen und sich informieren wollen. Zeitweise erhalte ich so viele Anrufe, dass ich kaum mehr eine ruhige Minute habe. Viele wollen wissen, was sie für Pilze gesammelt haben. Aber aus der Ferne kann man eine Bestimmung nicht leisten. Leider haben wir in der Fläche zu wenige Pilzberater.

Dabei gilt Brandenburg von den natürlichen Gegebenheiten her als vorzügliches Pilzbiotop.

Bivour: Brandenburg zählt zu den waldreichsten Bundesländern. Die großen Kiefernforsten im Süden lassen die Maronen massenhaft sprießen, im Norden bieten Mischwälder und Buchenbestände ein großes Artenspektrum. Da kommt jeder Sammler auf seine Kosten.

Wie viele Pilzarten verzeichnen Sie in Brandenburg?

Bivour: Auf der Kartierungsliste, zu der wir beitragen, stehen fast 10 000 Arten, in der klassischen Erscheinungsform sind es etwa 5000.

Und Sie kennen alle?

Bivour: Wenn das jemand behauptet, ist besondere Vorsicht angebracht. Aber ein paar Hundert Arten traue ich mir schon zu. Die gängigen Speise- und Giftpilze muss man auf jeden Fall kennen.

Stichwort giftig: Sie erwähnten den Karbol-Champignon ...

Bivour: Champignons wachsen gerade nach heißen, trockenen Sommern sehr gut. Viele wissen nicht, dass es darunter auch giftige gibt. Man erkennt sie oft daran, dass sie stark gilben, sobald man sie berührt. Dieses Jahr haben sich schon mehrere unwissende Sammler bei uns gemeldet, die nach dem Verzehr über Erbrechen und Durchfall klagten.

Ihre bisherige Saisonbilanz fällt durchwachsen aus. War’s das schon für dieses Jahr?

Bivour: Im Moment sieht es so aus. Aber selbst Ende September muss man die Hoffnung auf spätere Ernten noch nicht ganz aufgeben. Die Grundvoraussetzung wäre mehr Feuchtigkeit. Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass selbst im November noch ein Schub später Parasol-, Butterpilze und Maronen kommen kann.

Rat von den Pilzexperten

Die Pilzberatung des Brandenburgischen Landesverbands der Pilzsachverständigen (BLP) findet voraussichtlich noch bis 29. Oktober 2015 dienstags, donnerstags und sonnabends von 9 bis 12 Uhr auf dem Potsdamer Wochenmarkt am Bassinplatz statt.

Weitere Informationen zu giftigen Doppelgängern, Kontakt zu Pilzberatern und Giftnotrufzentralen gibt es unter www.blp-ev.de.

Von Bastian Pauly

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