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Lieferantencheck per Smartphone

Ernährungswirtschaft Lieferantencheck per Smartphone

Das IT-Projekt „FoodRegio Plus“, das der Eberswalder Prof. Eckart Kramer entwickelt hat, soll bei kleinen brandenburgischen Firmen Lieferwege transparent machen – möglichst für alle. Das Ziel: Der Kunde soll im Laden sein Obst oder sein Marmeladenglas mit seinem Smartphone scannen können und schon bekommt er eine Liste mit der Herkunft und sämtlichen Qualitätsnachweisen.

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Prof. Eckart Kramer, Professor für Prozessmanagement und Technologien im Ökolandbau an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung (HNE) in Eberswalde.

Quelle: HNE

Eberswalde. Verbraucher schätzen regionale Produkte. Das weiß die Lebensmittelbranche schon längst. Aber das Vertrauen kann schnell verloren gehen, wenn auf der Marmelade im Bioladen um die Ecke „Werderaner Beere“ steht – und ein Teil der verwendeten Erdbeeren in Wirklichkeit aus Bayern, wenn nicht gar aus Spanien stammt. Das Problem kennt auch der Ingenieur Eckart Kramer, Professor für Prozessmanagement und Technologien im Ökolandbau an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung (HNE) in Eberswalde.

„Es handelt sich bei diesem Vorgehen nicht um eine bewusste Unehrlichkeit“, sagt Kramer. Aber vor den Zeiten umfassender Digitalisierung habe es eben einen technischen Mangel an geeigneten Kommunikationsmöglichkeiten gegeben, um die tatsächliche Herkunft und Zusammensetzung von Produkten Glas für Glas offenzulegen. Die sind inzwischen mit den sogenannten ERP-Systemen, den Enterprise-Ressource-Planning-Systemen, die auf firmeneigenen Großrechnern laufen, prinzipiell da. Allerdings stehen diese Computersysteme vor allem wegen ihrer Kosten nur den großen Lebensmittelunternehmen und -händlern zur Verfügung.

Die Herkunft ihrer Produkte sollten heute aber auch kleinere bis kleinste Firmen auf digitalem Wege für andere Firmen und für den Verbraucher nachweisen können, weiß Kramer. Er rechnet bei entsprechender Ausstattung mit Wachstumschancen für 25 000 kleinere Produzenten und Firmen in ganz Deutschland. Für sie haben die Ernährungs- und die IT-Branchen Brandenburgs unter Koordination von Kramer das Verbundprojekt „RegioFood Plus“ ins Leben gerufen. Innerhalb dieses vom Bundesforschungsministerium mit etwa zwei Millionen Euro geförderten Projekts wird die Firma „CBS-System AG“ im nordrhein-westfälischen Geilenkirchen ein digitales Informationsmanagement speziell für kleine regionale Produzenten entwickeln.

Wenn in einem großen Unternehmen heutzutage ein Lkw Zutaten anliefert, erläutert Kramer, dann ist im Wareneingang schon eine Computerseite aufgeblättert, mit der die Bestellung mit der aktuellen Lieferung verglichen werden kann. Bringt der Fahrer tatsächlich die angeforderten Produkte, stammen sie von den Lieferanten, mit denen die Firma einen Vertrag hat, haben die Lebensmittel die geforderte Bestätigung der Qualität und so weiter. All diese Daten werden ins System eingegeben. Aus Quellen wie diesen speisen sich die ERP-Systeme der großen Unternehmen. Über die kann man die Lieferketten und die Herkunft einzelner Chargen ziemlich schnell und sicher rekonstruieren. Für kleinere Produzenten kommt solch ein System bisher kaum nicht in Frage. Die Einrichtung kann schnell hunderttausend Euro kosten. Kramers Ziel: ein speziell auf kleinere Firmen zugeschnittenes, bezahlbares System, auf das sie online über eine Cloud Zugriff haben.

Für dieses „Mini-ERP“ ist eine Menge Arbeit nötig. In die bestehenden Informationssysteme gehen unglaublich viele Einzelinfos ein, die sich zum Teil sogar überschneiden können. „Unsere Herkulesaufgabe besteht darin, die unterschiedlichen Portale des Handels, unterschiedliche Zertifizierungssysteme und Systeme der Nachhaltigkeitsbewertung durchzugehen“, sagt Kramer. „Wir schauen uns außerdem an, welche Informationen die Endkunden wirklich haben wollen“, so Kramer. Das ganze komplexe Material soll auf eine grundlegenden Datenbasis für ein Mini-ERP eingedampft werden, das dann auch die Schnittstellen beinhaltet, welche zum Beispiel zu den wirklichen Produzenten einer bestimmten Obstsorte oder eines bestimmten Fleisches führen. Für vier Branchen in Brandenburg soll „RegioFood Plus“ ein digitales Exempel statuieren: für die Obst- und Gemüseverarbeitung, für Milchprodukte und für Fleischproduzenten. „Die Beispiele lassen sich dann schnell auf andere Branchen übertragen“, sagt Kramer. Er ist sicher, dass in einem Jahr die Grundlagen des Systems stehen werden. Aktuell wird ein Prototyp bei der „Lobetaler Bio“ vorbereitet.

Kramers Vision: Künftig kann der Kunde in kleineren Läden das Obst oder das Marmeladenglas an einen Scanner halten oder mit seinem Smartphone scannen – und schon bekommt er eine Liste mit der Herkunft und sämtlichen Qualitätsnachweisen. Gerade die kleineren Produzenten werden es künftig leichter haben, in die Lieferkette zum Beispiel großer Supermärkte zu kommen. Bislang müssen sie die Herkunft umständlich über viel Papier nachweisen, künftig werden sie ihre Daten einfach einmal ins System eingeben und dann immer parat haben. Damit das System verständlich und bedienbar wird, arbeiten bei der Entwicklung auch Psychologen mit.

Zwei Punkte sind Kramer wichtig: Die Datensicherheit und die Hoheit der Unternehmer über ihre Daten. „In unserem System entscheidet der Unternehmer, welche Daten er weiter geben will“, sagt Kramer. Zum Beispiel muss er nicht die Adresse seines Lieblings-Bio-Zulieferers preisgeben, auf den dann leicht auch der Konkurrent kommen könnte. Außerdem sollen die Grundzüge dieses neuen ERP-Systems als Plattform auch anderen Entwicklern offen liegen.

Das neue System werde eine Erleichterung insbesondere für märkische Produzenten. „RegioFood Plus“, meint der Professor an Deutschlands grünster Hochschule, werde der regionalen Produktion in Brandenburg Schwung verleihen.

Von Rüdiger Braun

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