Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Steiler Aufstieg: Linda Teuteberg soll neue „Generalin“ der Bundes-FDP werden
Brandenburg Steiler Aufstieg: Linda Teuteberg soll neue „Generalin“ der Bundes-FDP werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:52 17.04.2019
Die designierte Generalsekretärin der FDP, Linda Teuteberg. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam/Berlin

In der engeren Wahl war Linda Teuteberg seit Wochen. Dass es die Potsdamerin aber wirklich schaffen würde, sich im Rennen um den einflussreichen Posten der neuen Generalsekretärin der Bundes-FDP auch durchzusetzen, löste bei Hans-Peter Goetz dann doch spontan ein Hochgefühl aus. „Ich fühle mich knapp unter euphorisch“, sagte der brandenburgische FDP-Spitzenkandidat, als am Mittwoch Vormittag der Bundesvorsitzende Christian Lindner in Berlin die Personalie offiziell verkündete. Teuteberg soll Nachfolgerin von Nicola Beer werden, die Spitzenkandidatin bei der Europawahl ist und nach Brüssel wechselt. Die Wahl Teutebergs findet Ende kommender Woche auf einem Bundesparteitag statt.

Goetz will seine Partei bei der Landtagswahl am 1. September wieder über die Fünf-Prozent-Hürde bringen. Er hofft, mit Teuteberg als Generalsekretärin Rückenwind im anstehenden Wahlkampf zu bekommen. „Da ergeben sich jetzt ganz neue Möglichkeiten“, glaubt er, dessen Partei zittern muss. Sie liegt derzeit in Umfragen bei fünf Prozent. Und fügt hinzu: „Wir wurden in Brandenburg von der Bundespartei ja bisher nicht verwöhnt.“

Wie klein und wenig bedeutend der Landesverband ist, zeigt allein die Zahl der Delegierten auf dem bevorstehenden Bundesparteitag. Nur 14 der 660 Delegierten sind aus Brandenburg. Da macht es einen wie Goetz sichtlich stolz, wenn die neue Generalsekretärin aus diesem Landesverband kommt.

Nie leichtes Spiel im märkischen Landesverband

Mit diesem Landesverband aber hatte Teuteberg, die Ostermontag 38 Jahre alt wird, nie ein leichtes Spiel, vor allem nicht in der konfliktreichen Zeit zwischen 2009 und 2014, als sie im Landtag saß. Doch diese Zeiten, als man ihr intern Alleingänge vorhielt und im Dauerclinch lag, scheinen endgültig vorbei. Teuteberg, die erst vor Kurzem zur stellvertretenden FDP-Landeschefin gewählt wurde, steht nun vor einem steilen Aufstieg in der Bundespartei.

Dass sich Lindner für die ostdeutsche Teuteberg und nicht für seinen Vertrauten aus Nordrhein-Westfalen, den dortigen Generalsekretär Johannes Vogel (36), entschied, soll wohl auch ein Signal vor den anstehenden Wahlen in Ostdeutschland sein. Neben Brandenburg wird auch in Sachsen und Thüringen ein neuer Landtag gewählt. In keinem der drei Länder sitzt die FDP im Landtag. Die Berufung kann aber auch so gedeutet werden, dass Lindner in seiner vor allem männlich und westlich geprägten FDP mit Teuteberg auf einen Imagewandel setzen will.

Teuteberg selbst hielt sich am Mittwoch, als sie von Parteichef Lindner in der Berliner FDP-Zentrale vorgestellt wird, zu ihren Plänen für die ostdeutschen Wahlkämpfe bedeckt. Ostdeutschland, sagt sie nur, brauche „keine besorgte oder bevormundende Fürsorge, aber Aufmerksamkeit und Sensibilität für die besonderen Prägungen und Fragestellungen“. Von einer Ost-Quote für Führungsposten in Politik, Wirtschaft und Justiz, die in der brandenburgischen SPD derzeit diskutiert wird, hält sie hingegen nichts, wie sie in der Vergangenheit mehrfach betonte.

Teuteberg machte sich als Innenpolitikerin einen Namen

In der Bundestagsfraktion machte sich Teuteberg als Innenpolitikerin einen Namen – über Fraktionsgrenzen hinweg. Sie ist migrationspolitische Sprecherin und tritt in der Flüchtlingspolitik für eine klar geregelte Zuwanderung ein und zugleich für konsequente Durchsetzung von Abschiebungen – aber ohne dass das Recht auf Asyl ausgehöhlt wird. Mit diesen Themen war sie zuletzt oft in den Medien und schaffte es, eine Bildschirmpräsenz zu erlangen.

Den neuen Posten trauen ihr nicht nur Parteichef Lindner, sondern auch ihre Landespartei zu. Hans-Peter Goetz sagt, Teuteberg sei eine gute Wahl, weil sie in der Partei gut vernetzt und bundesweit viel unterwegs sei. „Sie hat einen klaren Blick auf die Themen und eiert nicht herum“, so Goetz.

An Selbstbewusstsein mangelt es der zierlichen Politikerin nicht, die gern und viel lächelt, aber nicht unterschätzt werden sollte. Sie kann ihre Interessen knallhart durchsetzen und scheut auch Widerstände nicht. Ihre Spitzenkandidatur für den Bundestag 2017 setzte sie gegen den amtierenden Landeschef und das Votum des Landesvorstands durch. Sie gewann in einer Kampfabstimmung, was ihr damals auch das politische Überleben sicherte.

Von Igor Göldner

Brandenburgs Linke weigert sich, abgelehnte Flüchtlinge in Gefängnissen unterzubringen – die Regierungspartei ist mit ihrer Kritik in guter Gesellschaft. Ein Kommentar von MAZ-Redakteur Ulrich Wangemann.

17.04.2019

Die Bundesregierung will künftig abgelehnte Asylbewerber vor ihrer Abschiebung in Gefängnissen unterbringen. Brandenburgs Linke lehnt das ab – sie könnte das Seehofer-Projekt torpedieren.

17.04.2019

Eine Wachschutzfirma mit Kontakten in die rechte Szene bewachte KZ-Gedenkstätten in Oberhavel. Jetzt schreibt die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten den Auftrag neu aus – und sucht gezielt Mitarbeiter mit „kultureller und religiöser Toleranz“.

17.04.2019