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Berliner Linke wirbt mit Flüchtlingsteam „Welcome United“

SV Babelsberg 03 Berliner Linke wirbt mit Flüchtlingsteam „Welcome United“

Das Flüchtlingsteam des Fußballviertligisten SV Babelsberg 03 gilt als beispielgebend – offenbar auch für die Wahlkampfstrategen der Berliner Linken. Sie werben auf Wahlplakaten mit dem „Welcome United“-Motiv. Eine gleich in mehrfacher Hinsicht grenzenlose Botschaft.

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Die Berliner Linke wirbt mit dem Integrationstream „Welcome United“ des SV Babelsberg 03 um Stimmen im Abgeordnetenhaus-Wahlkampf.

Quelle: Partei

Berlin/Potsdam. Berliner, schaut nach Brandenburg! Wer sich in diesen Tagen sehenden Auges durch die Hauptstadt bewegt, kommt an dieser Botschaft nicht vorbei. Ausgerechnet in der Schmelztiegel-Stadt wirbt die Linke auf Plakaten mit einem integrativen Vorzeigeprojekt aus dem märkischen Umland: dem Fußballteam „Welcome United“ des Potsdamer Kiezklubs SV Babelsberg 03.

Wahlplaket der Linken in Berlin

Wahlplaket der Linken in Berlin.

Quelle: Partei

Das Motiv ist offenbar ein Schnappschuss, der während eines Benefizspiels zwischen den Babelsbergern und Roter Stern Leipzig entstand. Spieler beider Vereine reichen sich brüderlich die Hände – hier der Flüchtling mit dunklem Teint und der Aufschrift „Welcome United“ auf der Rücken, da der Blondschopf mit dem Logo des Klubs aus Leipzig-Connewitz auf der Brust. Obwohl beide Vereine eher unterklassigen Fußball zu bieten haben, sind sie überregional hinlänglich für ihr Engagement etwa gegen rassistische Ausgrenzung bekannt – und dafür vielfach ausgezeichnet worden.

Es war im Sommer 2014, als in Potsdam-Babelsberg ein beispielhaftes Integrationsprojekt an den Start ging. Auf Initiative des SV Babelsberg 03 kamen Flüchtlinge aus aller Herren Länder zusammen, um sich auf dem Fußballplatz in Integration zu üben. Was gut klappte. Im Jahr darauf begann das Team als zusätzliches Team des Viertligisten in der letzten Liga, das Fußballkultur-Magazin „11 Freunde“ bedachte das Projekt mit dem Preis für die „Fanaktion des Jahres“, diesen Sommer folgte der Integrationspreis der Stadt Potsdam. Prädikat: „vorbildhaft“, argumentierte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD).

Das muss man dann auch in der Wahlkampfzentrale der Berliner Linkspartei vernommen haben, die den „Welcome United“-Schnappschuss prompt als Motiv fürs Wahlplakat auserkor – versehen mit dem Schriftzug: „Integrationsbeauftragte – Vielfalt gewinnt“. Allgemein geben sich die Genossen in ihrer Kampagne freigeistig und provokativ: Gegen Armut plakatiert die Partei einen Flaschensammler und nennt ihn „Rechenkünstler“, mit „Berliner Speed“ wird nicht etwa – zumindest nicht vordergründig – die Drogenfreigabe gefordert, sondern ein besseres öffentliches Verkehrsnetz („mehr Zug reinbringen“). Und dann ist da ja noch „Oma Anni“, die „Mietrebellin“. Mit Anni Lenz, 95 Jahre alt und bekannt geworden als Aktivistin gegen sanierungsbedingte Mieterhöhungen, wirbt die Linke für eine soziale Wohnungspolitik. Dumm nur, dass ein Boulevardblatt die erklärte Rebellin kürzlich als bekennende SPD-Wählerin outete.

Bei der Motivfindung waren die Linken also alles andere als wählerisch. Wenn die Aussage stimmt, kann auch mal eine sozialdemokratische Stammwählerin oder ein Flüchtlingsprojekt aus Brandenburg herhalten.

Aber hat die hippe Hauptstadt nicht genügend eigene Projekte parat, die ein Beispiel für gelungene Flüchtlingsintegration geben? Den frotzelnden Einwand eines Facebook-Nutzers, dass Babelsberg nicht Berlin sei, kontert die Partei mit Gelassenheit. „Wir sind halt Internationalisten.“ Und da wird eben nicht an der Landesgrenze Halt gemacht.

Von Bastian Pauly

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