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Ludwigsfelde wird zum Mekka der W50-Fans

Kultlastwagen aus DDR-Zeiten Ludwigsfelde wird zum Mekka der W50-Fans

10.000 Menschen beschäftigte das Lastwagenwerk in Ludwigsfelde zu DDR-Zeiten. Der W50 ist eine Legende, ihm verdankt der Ort einen internationalen Ruf und sogar sein Stadtrecht. Von Mittwochabend an feiert die Stadt gemeinsam mit Oldtimer-Enthusiasten die Lkw-Tradition.

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W50 als Pritschenwagen

Quelle: Julian Stähle

Ludwigsfelde. Treue runde Augen, eine Motorhaube hoch und gewölbt wie eine großväterliche Glatze, das staksige Fahrgestell für unfassbar viel Bodenfreiheit, Stahlleiterchen unter den Türen, eine geteilte Frontscheibe – der Anblick des Lastwagens W50 lässt bei vielen Automobilnostalgikern die Herzen höher schlagen. Am Mittwochabend dieseln sie wieder in Kolonnen nach Ludwigsfelde zum Festplatz, wo vom Donnerstag bis Sonntag das 4. Nutzfahrzeugtreffen stattfindet.

Tanker, Kranwagen, Feuerwehr-Drehleitern, rollende Werkstätten, Wohnmobile, Armeetransporter: Mit 250 Lastwagen der 35 Jahre lang in Ludwigsfelde für den Hersteller IFA (Industrieverband Fahrzeugbau der DDR) vom Band gelaufenen W50 (1995 bis 1990) und dessen Nachfolgemodell L60 (1987 bis 1990) rechnen die Veranstalter. Höhepunkt des Treffens: Eine Ausfahrt durch Ludwigsfelde und seine Ortsteile am Freitag ab 13 Uhr. Vorneweg soll ein Schneepflug fahren.

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Allrounder W50: Es gab ihn in 56 Ausführungen. In Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) befindet sich die größte Sammlung von Ersatzteilen für das Kultfahrzeug.

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Ab Himmelfahrt: Vier Tage Ifa-Nostalgie in Ludwigsfelde

Über Dieselschwaden wird sich wohl niemand in Ludwigsfelde beschweren: 10.000 Menschen beschäftigte das Lastwagenwerk zu DDR-Zeiten. Der W50 ist eine Legende, ihm verdankt der Ort einen internationalen Ruf, sein Stadtrecht – verliehen zum Produktionsauftakt des W50 am 17. Juli 1965. Knapp 600.000 Exemplare sind von dem Ort im heutigen Kreis Teltow-Fläming aus in die Welt hinaus gerollt – ein industrieller Erfolg der DDR, der den Untergang des Staates um Jahrzehnte überlebt hat. Unverwüstlich ob im Wüstensand oder in Monsun-Pfützen und dank reich bebilderter Reparaturanleitungen selbst für Analphabeten zu reparieren, verrichtet der Ost-Unimog heute noch in vielen Ländern seinen Dienst: Die ägyptische Armee hat noch 3000 im Einsatz, Vietnam hat nach Einstellung der Produktion noch schnell ein paar hundert gekauft. In Deutschland ergab die letzte bundesweite Zählung aus dem Jahr 2014 einen zugelassenen Bestand von 33.000 W50 und L60.

W50 als Werkstattwagen auf dem Originalprospekt

W50 als Werkstattwagen auf dem Originalprospekt.

Quelle: Julian Stähle

Der Bestand an W50 und an Ersatzteilen schrumpft

„Der Bestand schrumpft natürlich – und viele Ersatzteile sind kaum noch erhältlich“, sagt Gerald Fritsche, Schirmherr des Treffens, das gemeinsam mit der Stadt Ludwigsfelde veranstaltet wird. Der 56 Jahre alte, geborene Ludwigsfelder betreibt in einem Gewerbegebiet vor der Stadt das weltweit größte Teilelager für die W50-Lastesel, schickt pro Tag 20 Pakete mit Zylinderkopfdichtungen, Bremsleitungen, originalverpackten Drehzahlmessern und anderen Kostbarkeiten los.


Gerald Fritsche, Chef des Ersatzteillagers in Ludwigsfelde

Gerald Fritsche, Chef des Ersatzteillagers in Ludwigsfelde.

Quelle: Julian Stähle

Schon zu DDR-Zeiten, seit 1986, war Fritsche Chef-Ersatzteilhändler bei Ifa. Zum W50 sagt er: „Ich bin mit diesem Kind aufgewachsen.“ 1977 begann er eine Lehre am Fließband. Nach der Wende und dem Produktionsstopp für die Ludwigsfelder Lastwagen kaufte der Kfz-Schlosser, der in Dresden Maschinenbau studiert hat, 130 Tonnen Ersatzteile. Mittlerweile betreibt Fritsche, Geschäftsführer zweier freier Autowerkstätten, einen eigenem Web-Shop.

Manche Teile lässt ein Ludwigsfelder Händler neu anfertigen

500.000 Euro Umsatz pro Jahr macht Fritsches Firma nach seinen Angaben mit den immer wertvoller, da rarer werdenden Ifa-Teilen. Wenn es etwas nicht mehr gibt, bemüht sich Fritsche, es in Kleinserie produzieren zu lassen: Frontscheiben etwa, von denen Fritsche seine letzte noch intakte dem Formenbauer als Vorlage schickte. Neue Motoren gibt es keine mehr, aber überarbeitete Exemplare stehen im Lagerraum. 4000 Euro kostet solch ein regeneriertes Stück.

21.500 Euro für eine Feuerwehr von 1969

Für diese Summe gibt es durchaus W50/L60 auf dem Oldtimer-Markt zu kaufen, allerdings ziemlich runter gerockte Exemplare. Schmuckstücke wie die gefragten Feuerwehrautos, zumal in gut erhaltenem Zustand, wechseln nicht selten für ein Vielfaches den Besitzer. Bei Mobile.de sind derzeit fünf Kipper in einer Preisspanne von 1500 bis 5900 zu haben. Auf Ebay gibt es ein Wohnmobil für 3500 Euro, allerdings mit Rostloch und dem Verkäufer-Hinweis „schönes Projekt“. Ein NVA-Transporter mit Plane in Olivgrün geht für 11.000 Euro. Spitzenreiter im Fahrzeugbörsen-Angebot ist derzeit ein Feuerwehr-Pritschenwagen mit Lichtmast von 1969: 21.500 Euro soll das Garagenfahrzeug aus Sachsen kosten.

Wegen Diesel-Feinstaubwerten müssen sich Ifa-Fans kaum noch Sorgen machen. Die letzten W50 und die ersten L60 werden in diesem Jahr zu Oldtimern – wegen Überschreitung der 30-Jahr-Grenze. Umweltzonen wie die in Berlin stehen ihnen dann wieder offen.

Von Ulrich Wangemann

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