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Brandenburg Lübben: Straßenschilder bald auf Sorbisch?
Brandenburg Lübben: Straßenschilder bald auf Sorbisch?
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09:07 27.10.2015
Das sorbische Siedlungsgebiet in Südbrandenburg könnte schon bald größer werden. Die Hauben gehören dort zur kulturellen Tradition. Quelle: dpa-Zentralbild
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Lübben

Die Spreewälderin Marga Morgenstern blickt in einen Spiegel in ihrem Badezimmer. Die weiße Haube auf ihrem Kopf sitzt, die 80-Jährige nickt zufrieden. Die Lübbenerin kennt die Traditionen ihrer Vorfahren mit slawischen Wurzeln genau. Als Stadtführerin zeigt sie Touristen die Spuren sorbischer Geschichte. Morgenstern wünscht sich, dass die sorbische Kultur und Sprache in Lübben noch viel sichtbarer wird. Ihr Traum könnte wahr werden.

Sollte sich Lübben um eine Aufnahme in das Siedlungsgebiet bemühen, werden die Ortseingangsschilder bald zweisprachig. Quelle: dpa-Zentralbild

Die Stadtverordneten entscheiden am Donnerstag, ob sich die Kreisstadt beim Land um die Aufnahme in das angestammte Siedlungsgebiet der Sorben bewirbt. Bürgermeister Lars Kolan (SPD) geht davon aus, dass die Mehrheit Ja sagen wird. „Es gibt eine breite Zustimmung“, sagt er. In der Beschlussvorlage heißt es, dass Menschen mit sorbisch/wendischen Wurzeln in der Stadt dazu ermutigt werden sollen, sich zu der Kultur zu bekennen.

Sorbische Kultur in Lübben präsent

Rentnerin Marga Morgenstern ist gespannt auf das Ergebnis. „Ich bin überzeugt, es wird positiv“, sagt sie zuversichtlich. Dass Lübben bisher nicht zum Siedlungsgebiet gehörte, mache sie traurig. In der Stadt ist das Sorbische präsent. Ein deutsch-sorbischer Chor probt regelmäßig. Am Rathausgebäude prangt die sorbische Bezeichnung „radnica“. Es gibt zudem einen alten bedeutenden Slawenwall, wie die 80-Jährige berichtet.

Marga Morgenstern aus Lübben zeigt ein privates Foto, auf dem sie als kleines Kind mit ihrer Familie zu sehen ist. Die 80 Jahre alte Sorbin wünscht sich, dass die sorbische Kultur in der Kreisstadt des Landkreises Dahme-Spreewald sichtbarer wird. Quelle: dpa-Zentralbild

Die alte Dame wurde in Straupitz im Spreewald geboren. In ihrem gemütlichen Wohnzimmer steht ein eingerahmtes Schwarz-Weiß-Foto. Darauf ist sie als kleines Kind mit ihrer Familie zu sehen, wie sie erzählt. Ihre Großmutter trägt eine sorbische Tracht mit Haube. „Es ist das Kleid meiner Vorfahren.“ Die Rentnerin hat viele Erinnerungen an den Spreewald, die sie zum Teil schon in Büchern aufgeschrieben hat.

Gesetz regelt sorbisches Siedlungsgebiet

Das sorbische Siedlungsgebiet in Brandenburg ist in einem Gesetz festgeschrieben. Bislang gehören 28 Städte, Gemeinden und Gemeindeteile in Südbrandenburg dazu. Größte Stadt ist Cottbus, auf Sorbisch Chóśebuz. Mit dem Gesetz soll die Sprache und Kultur der Sorben, die sich in Brandenburg auch Wenden nennen, geschützt und weiterentwickelt werden. „Ich bin eine Wend’sche“, sagt Morgenstern über sich.

Die Sorben sind eine nationale Minderheit in Deutschland. Das Volk mit slawischen Wurzeln siedelt heute ausschließlich in der Lausitz. In Brandenburg leben geschätzt 20 000 Sorben, in Sachsen sollen es etwa 40 000 sein.

Zwei Sprachen in den Ämtern

Das Siedlungsgebiet zeichnet sich dadurch aus, dass eine sprachliche oder kulturelle Tradition bis heute nachweisbar ist. Einen Ort erkennt man unter anderem daran, dass es zweisprachige Straßenschilder gibt: Auf Deutsch und Sorbisch. In Rathäusern und anderen Ämtern gilt Zweisprachigkeit.

Mit dem im vergangenen Jahr novellierten brandenburgischen Sorben-/Wendengesetz können sich Orte bis Ende Mai 2016 um die Aufnahme in das Siedlungsgebiet bewerben. Mit Lübben würde die zweite Bewerbung beim Land eingehen. Laut Kulturministerium hatte bislang die Gemeinde Wiesengrund (Spree-Neiße) den Finger gehoben. Bisher gehört nämlich nur ein Ortsteil davon zum Siedlungsgebiet.

Kulturministerium muss zustimmen

Auch in Calau (Oberspreewald-Lausitz) steht eine Bewerbung zur Debatte. Bürgermeister Werner Suchner (parteilos) sagt: „Im November soll in der Stadtverordnetenversammlung beraten werden, ob wir uns bewerben.“ In der Stadt mit knapp 8000 Einwohnern würden viele Traditionen gepflegt und es gebe auch Sorbischunterricht in einer Schule. Letztlich entscheidet das Kulturministerium, ob ein Ort in das Siedlungsgebiet aufgenommen wird.

In Sachsen ist eine Erweiterung des angestammten Gebietes dagegen offenbar kein Thema. Die sächsische Sorbenrats-Vorsitzende Maria Michalk erläutert: „In Sachsen kann das deutsch-sorbische Siedlungsgebiet nicht verkleinert oder vergrößert werden.“

Von Anna Ringle

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