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Luftfahrt beflügelt Brandenburg

ILA 2016 Luftfahrt beflügelt Brandenburg

Die Branche ist auch ohne fertigen Großflughafen im Aufwind: 17.000 Ingenieuren, Mechanikern und Servicekräften bietet der Luftverkehrsstandort Berlin-Brandenburg eine Arbeit. Tendenz: weiter steigend. Denn die Vorzeichen stehen auch international auf Wachstum.

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Fliegt mit und ohne Pilot: Der Prototyp Q01 von Reiner Stemme Utility Air Systems aus Wildau (Dahme-Spreewald).

Quelle: Promo

Potsdam. Großveranstaltungen wie die bevorstehende Fußball-Europameisterschaft wären ein ideales Einsatzgebiet: Die Firma Reiner Stemme Utility Air Systems aus Wildau (Dahme-Spreewald) hat ein Überwachungsflugzeug entwickelt, dass dank verschiedener Optik- und Radarsysteme zivilen, militärischen und wissenschaftlichen Zwecken dienen kann. Das Q01 fliegt bis zu zehn Kilometer hoch, stemmt eine maximale Zuladung von 1000 Kilo und kann 50 Stunden in der Luft bleiben – sowohl mit als auch ohne Pilot, weshalb die Neuentwicklung aus Wildau auch als Drohne durchgeht. Auf der am Mittwoch anlaufenden Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA Berin Air Show) können Schaulustige den Prototyp bestaunen.

Solange der BER eine Baustelle ist, bieten die Südbahn des unfertigen Großflughafens und das angrenzende Berlin ExpoCenter Airport genügend Platz für die legendäre Leistungsschau. Auf einer Fläche so groß wie sieben Fußballfelder präsentiert sich die alle zwei Jahre stattfindende ILA bis zum Samstag dem Publikum – diesmal allerdings mit einem verknapptem Programm.

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Viele Arbeitsplätze in der Luftfahrt

Die Show ist von sechs auf vier Tage geschrumpft, von den 1203 Ausstellern vor zwei Jahren sind nur noch 1017 übrig geblieben. Das will so gar nicht zum allgemeinen Aufwärtstrend des Luftverkehrs passen, was man auch in Brandenburg positiv zu spüren bekommt. In der Hauptstadtregion bietet die Branche in etwa 100 Unternehmen rund 7100 Fachkräften wie Ingenieuren und Mechanikern eine Arbeit. Fast 17.000 sind es, wenn man die Beschäftigten der Flughäfen und Airlines hinzurechnet. Nicht auszurechnen, zu welchen Höhenflügen die Luftverkehrswirtschaft mit einem funktionsfähigen Großflughafen ansetzen würde.

Brandenburg ein Top-Standort für Luftfahrttechnik

„Brandenburg zählt zu den drei deutschen Top-Standorten in der Luftfahrttechnik. Hier sind weltweit agierende Großunternehmen und ein starker Mittelstand beheimatet“, sagt der märkische Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) mit Blick auf Branchengrößen wie die Triebwerkshersteller Rolls-Royce und MTU, die hierzulande auch ohne BER gute Geschäfte machen. Beim Triebwerksbau ist die Region laut Ministerium deutschlandweit führend. Für Brandenburg sind Produkte der Luft- und Raumfahrtindustrie das mit Abstand wichtigste Exportprodukt – bei einem Volumen von mehr als 2,2 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.

Luftverkehr wächst weiter

Im globalen Maßstab scheinen dem Wachstum des Luftverkehrs keine Grenzen gesetzt. Prognosen zufolge soll sich die Zahl der Flugreisen weltweit von 3,5 Milliarden 2015 in den kommenden 20 Jahren auf sieben Milliarden verdoppeln. Überall rüsten die Fluglinien ihre Flotten auf – ob in den USA um den globalen Marktführer American Airlines, bei den Golf-Carriern Emirates, Qatar und Etihad oder der europäischen Billigkonkurrenz um Ryanair und Easyjet. Noch dazu ist Kerosin so günstig wie lange nicht mehr. Die Flugzeugbauer Boeing, der erstmals auf der ILA vertreten ist, und Airbus kommen mit den Aufträgen kaum hinterher, auch wenn die Bilanzen zuletzt durchwachsen ausfielen.

Brandenburgs Mittelstand profitiert

Neben den Branchenriesen profitieren auch märkische Mittelständler von der positiven Entwicklung – wie AneCom AeroTest, Florida Turbine Technologies, FTI Engineering Network in Wildau (Dahme-Spreewald) sowie Krauss Aviation Technologies in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming). „Inzwischen werden fast alle Facetten der Branche abgedeckt – von der Antriebstechnik über die Wartung und Überholung bis hin zur vollständigen Produktion von Flugzeugen“, sagt Wirtschaftsminister Gerber.

Prototyp aus Wildau geht in Serie

In Wildau will Hersteller Reiner Stemme Utility Air Systems seinen Protoyp Q01 demnächst in Serie schicken. „Die Zulassung durch die Europäische Luftfahrtbehörde steht bevor“, sagt Firmensprecherin Katharina Bergami. Der erste Kunde ist Katar. Der Golfstaat will mehrere Flugzeuge ordern, etwa zur Überwachung sensibler Infrastrukturen. Listenpreis pro Stück: fünf Millionen Euro – ohne sensorische Systeme.

Vier Tage lang Programm auf der ILA

250.000 Quadratmeter beträgt die ILA-Fläche 2016 – so viel wie bei vorhergehenden Auflage, die allerdings länger dauerte und mehr Aussteller zählte.

Die beiden ersten Tage der ILA 2016 am Mittwoch und Donnerstag (jeweils 10 bis 18 Uhr) sind ausschließlich Fachbesuchern vorbehalten.

Am ersten Publikumstag (3. Juni), dem „Long Friday“, gibt es zehn Stunden lang das volle ILA-Programm von 10 bis 20 Uhr. Der Publikums-Samstag (4.6.) mit vielen Highlights in den Hallen, auf dem Freigelände und in der Luft ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Zu den Attraktionen der Schau zählt das weltweit größte Verkehrsflugzeug, der Airbus A380.

Von Bastian Pauly

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