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MAZ-Leser treffen Sahra Wagenknecht

Bundesleserkonferenz MAZ-Leser treffen Sahra Wagenknecht

MAZ-Leser trafen am Donnerstagnachmittag bei der Bundesleserkonferenz auf die Spitzenkandidatin der Linken, Sahra Wagenknecht. Sie wurde mit kritischen Fragen zur Bildung, zur Rente und der Beziehung zu Russland gelöchert und offenbarte dabei auch persönliche Seiten.

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Sahra Wagenknecht ging auf alle Fragen der Leser und des Leiters des RND-Hauptstadtbüros Gordon Repinski ein.

Quelle: RND

Berlin. Zustimmendes Gemurmel geht durch den Saal im Hause der Bundespressekonferenz, als die Linkenkandidatin Sahra Wagenknecht die Rüstungspolitik Deutschlands zurückweist. Es sei pervers, dass die Bundesregierung so viel finanzielle Mittel dafür bereitstelle. Auch wolle sie ein neues Verteidigungssystem auf den Weg bringen – eines, das Russland einschließe. „Ich finde, sie hat eine gute Figur gemacht, als sie die Beziehung zu Russland thematisiert hat“, erzählt MAZ-Leser Winfried Ludwig nach der Bundesleserkonferenz. „Dabei haben wir zur Zeit eine schwierige Diskussion, wenn es um die Beziehung zwischen Deutschland und Russland geht“ ist er der Meinung. „Aber sie hat das souverän gemacht“, ergänzt seine Frau Gabriele-Birgit Ludwig.

120 Leser aus ganz Deutschland, darunter 20 eingeladene MAZ-Leser, übernahmen am Donnerstagnachmittag den Journalistenjob: Sie testen die Linken-Kandidatin drei Wochen vor der Bundestagswahl auf ihre Regierungstauglichkeit und waren dabei mehr als kritisch. Denn auch das gehört zum Konzept der Bundesleserkonferenz des Redaktionsnetzwerks Deutschlands (RND), zu dem auch die Märkische Allgemeine gehört.

Wagenknecht zeigt eine andere Seite

Sahra Wagenknecht zeigte sich bei der Bundesleserkonferenz von einer ganz neuen Seite: persönlich und nahbar. Sie beantwortete Fragen wie „Tragen Sie im Privatleben auch mal eine Jogginghose?“ oder „Können Sie privat abschalten?“. Souverän und trotzdem nahbar erzählte sie den Lesern, dass sie ohne ihr Zuhause und die dortige vertraute Zweisamkeit, nicht so viel Kraft für ihren Job aufbringen könne. Das kam an. Die Leser lachten und applaudierten. Aber auch den politischen Fragen stellte sich die Spitzenkandidatin der Linken.

MAZ-Leser schätzen Wagenknechts Authentizität

Eine davon kam von MAZ-Leserin Bettina Keller. „Warum muss ich mit 70 Jahren noch arbeiten?“, wollte sie wissen. Sahra Wagenknecht verwies auf die Notwendigkeit deutlich höherer Mindestlöhne sowie generell gesteigerte Löhne und die Aufhebung der Rentenbesteuerung. „Die Renten sind viel zu niedrig. Wo sollen da noch Steuern abgezwackt werden?“, beendete Wagenknecht ihre Forderung und erntete Beifall. „War alles richtig, was sie sagte. Ich bin voll und ganz zufrieden mit ihrer Antwort“, sagt die 70-jährige Keller. In ihren Augen war Sahra Wagenknecht authentisch, ehrlich und überzeugend. Besonders begeistert war sie, dass niemand in der Sitzung quergeschossen sei und die Spitzenkandidatin das Publikum „phänomenal für sich eingenommen“ habe. Dies sei auch nötig, Politiker müssten Persönlichkeiten haben, um die Bürger überzeugen zu können, so Keller.

MAZ-Leserin Bettina Keller

MAZ-Leserin Bettina Keller

Quelle: Kühnel/Neumann

Die Wirtschaftspolitik kam zu kurz

Die Fragestunde als Entscheidungshilfe wollte Ehepaar Ludwig aus Beelitz (Potsdam-Mittelmark) nicht nehmen. „Wir wissen schon, wen wir wählen“, erzählten sie im Vorfeld. „Aber ich möchte mal sehen, wie sie so wirkt“, erklärt Gabriele-Birgit Ludwig. Die Linkenpolitikerin mache im Fernsehen auf Ludwig immer einen sehr intelligenten Eindruck und wirke so tough. Am Ende habe sich der Besuch gelohnt, resümierte das Ehepaar Ludwig. Sie seien kein Fan von Frau Wagenknecht, sagten sie, aber sie habe es „ganz toll und souverän“ gemacht, so die Rentnerin Ludwig. Ein wenig die Wirtschaftspolitik vermisst habe dagegen ihr Ehemann Winfried. „Sie hat halt viel von sozialen Themen wie Bildung und Rente gesprochen – aber das ist ja auch eher ihr Thema.“ Zwischen dem Ehepaar entwickelte sich noch auf dem Heimweg eine Diskussion um die Politik Wagenknechts. Sie habe sich vor kaum einer Frage gedrückt, sagte Gabriele-Birgit Ludwig, „das bewundere ich“. Die Erwartung, zu sehen, wie die 48-Jährige so wirkt, hat sie positiv bestätigt. „Sie wird ja gerne mal angegriffen“, berichtet Winfried Ludwig, „dass sie aber so ruhig und ausgeglichen wirkt hat mich überrascht.“

Das Ehepaar Gabriele-Birgit und Winfried Ludwig aus Beelitz

Das Ehepaar Gabriele-Birgit und Winfried Ludwig aus Beelitz.

Quelle: Kühnel/Neumann

Wahlentscheidung noch nicht getroffen

Ebenfalls positiv überrascht war Bettina Keller. Vor allem ihre weiche Seite zu zeigen, fand Keller klug. „Sie hat viel häufiger gelächelt als sonst und auch mal etwas aus ihrem Privatleben erzählt.“ Dadurch wirke sie menschlicher und vertrauenswürdiger. Keller: „Das sollte sie öfter machen.“ Als Fan der Linken würde sie sich nicht direkt bezeichnen wollen, aber zumindest als Linken-Sympathisantin. Die Wahlentscheidung habe sie noch nicht endgültig getroffen, aber auf jeden Fall habe ihr das Treffen mit der Spitzenkandidatin bei der anstehenden Wahl geholfen.

Warum sie sich immer noch nicht sicher sei, obwohl sie Wagenknecht als kompetente Politikerin erlebt habe, antwortet sie: „Frau Wagenknecht hat nicht allein das Sagen. Ich bin mir nicht sicher, ob sie die Zugkraft hat, die Linken auf den richtigen Weg zu bringen“.

Von Josefine Kühnel und Lisa Neumann

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