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Die älteste Klotür Brandenburgs

Alte Pforte zum stillen Örtchen Die älteste Klotür Brandenburgs

Die MAZ sucht die skurrilsten Superlative aus Brandenburg. Denkmalschützer munkeln, die älteste Toilettentür des Landes liege in der St. Gotthardt-Kirche in Brandenburg an der Havel. Ein Klogang im Dienste der Wahrheitsfindung.

St. Gotthardt-Kirche, brandenburg 52.4162092 12.5566878
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Die Tür zu den Toiletten in der Pfarrkirche Sankt Gotthardt

Brandenburg an der Havel. Wenn Bettina Damus durch die St. Gotthardtkirche führt, geht es zackig zu. Sie beginnt im Haupteingang, zeigt auf die Felssteine im Gewölbe und sagt: „12. Jahrhundert, romanischer Unterbau“. Rein ins Kirchenschiff, hin zum Becken, in dem Vicco von Bülow alias Loriot getauft wurde. „Das ist aus dem 13. Jahrhundert“, ergänzt die ehrenamtliche Kirchmeisterin und führt rasch weiter zum streifenförmigen Wandteppich mit einem Einhorn darauf, „zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts“. Dann aber kehrt sie zurück zum Eingangsportal, der Organist fängt gerade an zu spielen, was der Situation ein Quäntchen Dramatik verleiht, stoppt an der alten Toilettentür links vor dem Ausgang. Die erfahrene Kirchenkennerin grübelt über die Herkunft der trutzig wirkenden Pforte.

Sankt Gotthardt ist eine von drei Hauptkirchen  in Brandenburg an der Havel

Sankt Gotthardt ist eine von drei Hauptkirchen in Brandenburg an der Havel.

Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert

Denkmalschützer hätten immer wieder gesagt, das sei wohl die älteste Tür in ganz Brandenburg, die älteste Toilettentür allemal. Aber wie alt sie ist, woher, woraus und warum unten rechts eine Luke eingesägt ist – Bettina Damus spekuliert vorsichtig, vielleicht stamme sie ja tatsächlich auch aus dem 12. Jahrhundert, und sagt schließlich: „Tja, ich weiß auch nicht mehr“.

Die wohl älteste Tür in ganz Brandenburg, die

Die wohl älteste Tür in ganz Brandenburg, die .

Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert

Tasten wir uns also mal ran an das mit Eisenornamenten beschlagene, vermutlich – aber nicht bestimmt – aus Eiche gefertigte Stück. Wer die Tür zur Toilette hin öffnen will, muss stark drücken. Auch ein Ring als Türknauf ist ins Holz hineingehämmert, die Oberfläche ist etwas mitgenommen, ohne dass die Jahrhunderte sie wirklich zerstören konnten. Die Toilette selbst lässt wenig Anlass zum Spekulieren. Sie wurde in der DDR eingebaut, vermutlich in den 70er-Jahren, sagt Bettina Damus. DDR-Einbau im Mittelalter-Ambiente.

Toiletten aus DDR-Zeiten inmitten   alter Backsteingotik

Toiletten aus DDR-Zeiten inmitten alter Backsteingotik.

Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert

Vielleicht bringt ein Anruf bei Anja Heinecke Licht ins Dunkel der Türherkunft. „Wäre sie aus der ersten Bauphase, wäre das eine Sensation“, sagt die Denkmalschützerin der Stadt Brandenburg und betont, „komplett ausschließen lässt sich das nicht.“ Klarheit könnte nur die Dendrochronologie bringen, eine Methode, die sich anhand der Analyse der Jahresringe im Holz dem Alter annähert. Müsste sie sich festlegen, würde Heinecke wegen der Form der Tür tippen, dass sie aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stammt, so alt sei sie bestimmt. Und was ist mit der Luke unten rechts, ist das ein Katzendurchgang wie man ihn von Bauernhöfen kennt? Tatsächlich sei die Kirche damals ein vielgenutzter Ort des Alltagslebens gewesen, an dem viel Leben herrschte, auch tierisches „und möglich, dass hier nicht nur die Mäuse getanzt haben, sondern auch eine Katze sie jagen sollte“.

Die Fragen haben Anja Heineckes Interesse an der mysteriösen Toilettentür wieder wachgeküsst, sobald sie kann, will die Denkmalschützerin das Stück nochmal inspizieren. Überhaupt, das sagt auch Bettina Damus, sei es erstaunlich, wieviele Schätze sich der St. Gotthardtkirche auf den zweiten Blick offenbaren. Zum Beispiel ein gotischer Bibliotheksschrank, auf den die Denkmalschützer gestoßen sind. Einige der Stücke aus der Kirche müssten noch untersucht werden, viele Fragen ausgeräumt werden. Immerhin, eine Antwort ist völlig klar – würde die Denkmalpflege den Einbau der Toilette zwischen die alten Gemäuer heute erlauben? „Nee!“, sagt Anja Heinecke, lacht ein bisschen und sagt, „das war keine Ruhmestat damals und schon ziemlich kühn.“

Von Maurice Wojach

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