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MAZ-Test: Pokémon-Fieber in Brandenburg

Spiele-App MAZ-Test: Pokémon-Fieber in Brandenburg

Monster sehen, wo keine sind, und darum beneidet werden? „Pokémon Go“ macht es möglich. Der Hype um die Spiele-App, in der man virtuelle Monster in der Realität fangen muss und sie gegeneinander kämpfen lässt, hat Brandenburg erreicht. Wir haben den Feldversuch im Park Sanssouci gemacht, wie das MAZonline-Video zeigt.

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Fabian Brust (l.) zeigt MAZ-Reporterin Michaela Grimm, wie man Monster in der Spiele-App Pokémon Go fängt. Andere Spieler kommen dazu.

Quelle: André Bauer

Potsdam. Mitten im Park Sanssouci sehe ich plötzlich Monster herumspringen. Da, direkt auf der Treppe vorm Schloss, hüpft ein kleines orangefarbiges Wesen auf und ab und will, dass ich es fange. „Cool, Sie haben Glumanda gefunden“, ruft im selben Moment ein junger Mann und schaut begeistert auf mein Tablet. Er ist ein Eingeweihter. Er hat dieselbe Mission: Er spielt wie ich Pokémon Go, ein Spiel für Smartphones und Tablets, das derzeit überall für Aufruhr sorgt und Computerspieler in reales Gelände schickt – wie eben Potsdams berühmten Park.

Beim MAZ-Feldversuch braucht es mehrere Anläufe, bis das Spiel überhaupt richtig startet. „Die Server sind total überlastet, es hängt sich immer wieder auf“, weiß Pokémon-Fan Fabian Brust. Pokémons – kleine virtuelle Monster mit besonderen Fähigkeiten – kennt der 24-Jährige noch aus seiner Kindheit. Nur dass die Konsolen damals andere waren und man in den Neunzigern mit dem Gameboy stundenlang an Ort und Stelle Pokémons in fiktiven Welten suchte. Die App Pokémon Go hingegen funktioniert mit GPS und nur, wenn man wirklich durchs Gelände läuft.

Im Spiel-Modus sieht man auf einer virtuellen Karte, wie man sich in Echtzeit voranbewegt. Jeder eigene Schritt setzt die Spielfigur in Gang. Umherwirbelnde Blätter und Tatzen signalisieren, wo sich Monster verstecken und ob die Laufrichtung stimmt. Und dann muss es schnell gehen: Das Tier taucht auf, ich tippe aufs Display, das Spiel wechselt sofort in den Kamera-Modus, jetzt sieht es so aus, als sitzt das kleine Wesen mir wirklich zu Füßen. Das Prinzip nennt sich Augmented-Reality (erweiterte Realität). Ein roter Ball wird eingeblendet, das Fangnetz für die Pokémons. Dreimal wische ich mit dem Finger, bis der Schwung stimmt und es klappt und zack, Glumanda gehört mir. Figur 1 von 151.

Fabian Brust ist wesentlich weiter, sein Tagesziel sind 20 neue Monster. Der Spiele-App hat der Chemnitzer seit Monaten entgegengefiebert. Jetzt ist Fabian Brust seit zwei Tagen im Rausch. Immer auf der Suche nach neuen Kreaturen. „Wir sind seit anderthalb Jahren zusammen und nie ist er mit mir spazieren gegangen – und jetzt auf einmal. Natürlich um Pokémon zu sammeln“, sagt seine Freundin Christin Müller, mit der er gerade Urlaub im Sommerhaus in Groß Köris (Dahme-Spreewald) macht. Auch sie spielt. Und alle ihre Freunde. Der Hype ist in Deutschland angekommen. Es ist seit Tagen das alles dominierende Thema bei Facebook, sagt die 19-jährige Chemnitzerin, zeigt zum Beweis ihr Profil und scrollt sich durch Pokémon-Bilder und Sprüche wie „Don’t Pokémon and drive“ (Beim Autofahren nicht Pokémon spielen). Im Ausland gab es schon Unfälle, weil Pokémon-Go-Spieler plötzlich ein seltenes Wesen auf der Autobahn gesehen und versucht haben, es zu fangen.

Das Sammeln der Figuren aber ist nur der Anfang. Das Wort Pokémon kommt von Pocket Monster, zu Deutsch Taschenmonster, denn die gefangenen Tierchen trägt man immer bei sich, man päppelt sie hoch und man muss sie trainieren. Dann kann man die Monster in einer Arena miteinander kämpfen lassen und Super-Trainer werden. Das ist das Ziel von Fabian Brust. Ihn reizt der Kampf mehr als die Jagd. Je länger er spielt und je weiter er läuft, umso höhere Level kann er erreichen. „In die Arena kommt man erst ab Level fünf. Aber Arenen gibt es in jeder Stadt und jedem Dorf“, sagt der App-Fan und erklärt Feinheiten: An den Pokéstops bekommt man neue Bälle und Eier.

 

Zurück in der Redaktion laufen Kollegen an mir vorbei, mit dem Smartphone direkt vor der Nase. Sie suchen Monster. Es liegen noch einige Kilometer Fußarbeit bis zum Einlass in die Arena vor uns. Dann muss man sich einem Team zuordnen. „Team Rot!“, schlug Christin Müller in Sanssouci beim Gehen vor. Was immer das heißt.

Von Michaela Grimm

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