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Märker sollen für griechische Banken haften

EU-Plan sorgt für Wirbel Märker sollen für griechische Banken haften

Eigentlich klingt der Plan beruhigend: In ganz Europa sollen Sparer nicht mehr um ihre Notgroschen fürchten müssen. Wenn eine Bank pleitegeht, soll das Ersparte auf dem Konto geschützt sein. Aber der Plan der EU-Kommission sorgt unter Brandenburgs Banken für Unruhe. Künftig sollen deutsche Sparer auch für griechische oder italienische Banken haften.

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Brandenburger Geld bald als Retter für Konten griechischer Banken?

Quelle: dpa

Potsdam. Eigentlich klingt der Plan beruhigend: In ganz Europa sollen Sparer nicht mehr um ihre Notgroschen fürchten müssen. Selbst wenn eine Bank pleitegeht, soll das Ersparte auf dem Konto geschützt sein. Aber der Plan der EU-Kommission für eine gemeinsame europäische Sicherung der Sparguthaben sorgt unter Brandenburgs Banken für große Unruhe. Sie lehnen die geplante Einlagensicherung ab, warnen vor einem Angriff auf die Sparguthaben der Brandenburger.

„Wenn es nach den Plänen der EU-Kommission geht, dann muss eine regional ausgerichtete Sparkasse aus Brandenburg künftig für andere, in eine Schieflage geratene Banken in Europa haften. Ich kann verstehen, dass das manchen Sparer irritiert“, sagte Markus Rück, Vorstandschef der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin.

Dem Vorschlag der EU-Kommission zufolge sollen alle europäischen Banken von 2017 an schrittweise in einen gemeinsamen Topf einzahlen, der die Ersparnisse von Kunden im Fall einer Bankenpleite europaweit absichert. Geht ein Geldhaus in Lissabon oder Athen Pleite, dann könnten die dortigen Konten künftig auch mit Geld aus Michendorf oder Zeuthen gerettet werden. Bisher haften die einzelnen Staaten für diese Summe. In Deutschland gibt es zudem noch eigene Sicherungssysteme, die Geldinstitute gruppenintern auffangen.

Vor allem eines empört Frank Robby Wallis, Vorstand der Brandenburger Bank und Sprecher der Kreditgenossenschaften, an dem EU-Plan: „Die Volks- und Raiffeisenbanken werden dadurch rückwirkend in Mithaftung für eine Bankenkrise genommen, die sie weder verursacht noch befördert haben“, erklärt er. „Wir befürchten, dass das bewährte, auf Regionalität und Solidität aufgebaute Geschäftsmodell der deutschen Genossenschaftsbanken über die beabsichtigte europäische Einlagensicherung für Risiken haften wird, die von uns weder beeinflusst noch kontrolliert werden können“, so Wallis.

Andre Länder, andre Sicherheiten

Wer Tages- oder Festgeld bei einer Bank innerhalb der Europäischen Union anlegt, muss sich in der Regel wenig Sorgen machen. Durch die nationale Einlagensicherung sind auch im Pleitefall bis zu 100 000 Euro pro Anleger geschützt. Für Eheleute mit Gemeinschaftskonto sind bis zu 200 000 Euro pro Bank gesichert.

Die Europäische Union macht sich darüber hinaus für eine gemein­same EU-Einlagensicherung stark, die im Entschädigungs­fall einspringen würde. Das heißt: Alle Banken müssten für die Sicherungsreserven in einen gemeinsamen Topf einzahlen. Deutsche Kreditinstitute müssten wohl am meisten in diesen Topf einzahlen, der bis 2024 kommen soll.

Ob mit oder ohne europäische Einlagensicherung: Laut Finanztest kann man sein Geld durchaus in anderen EU-Ländern anlegen. Die Finanzexperten raten aber: Wer im Internet über sogenannte Zinsplattformen sein Geld anlegt, sollte nicht nur auf die Zinshöhe achten. Anleger sollten sich auf Banken aus Ländern mit erst­klassiger Wirt­schafts­kraft beschränken. So würden lange Hänge­partien und schlaflose Nächte vermieden, heißt es laut den Angaben.

Allein bei der Mittelbrandenburgischen Sparkasse (MBS) haben die märkischen Sparer mehr als 9,2 Milliarden Euro angelegt – Geld, das hervorragend durch die bestehenden Regelungen gesichert sei, wie MBS-Vorstandschef Andreas Schulz betont. „Mag sein, dass es in einigen europäischen Ländern Nachholbedarf gibt; Deutschland gehört nicht dazu“, sagt er. „Die deutsche Kreditwirtschaft hat schon vor vielen Jahren gut funktionierende Sicherungssysteme aufgebaut.“ Außerdem, so Schulz: „Solange erst 14 von 28 EU-Mitgliedsstaaten eigene Sicherungssysteme haben, stehen weitergehende Integrationsfragen nicht auf der Agenda“, meint der Sparkassenchef.

Zumal die Deutschen überhaupt keinen Nutzen hätten – im Gegenteil, wie Markus Rück von der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin betont. Eine grenzüberschreitende Einlagensicherung könnte Banker sogar dazu verleiten, noch größere Risiken einzugehen. Schließlich könnten sie künftig davon ausgehen, dass die Spareinlagen ihrer Kunden von Dritten abgesichert werden. „Für uns ist das Einlagensicherungssystem eine zusätzliche, unnötige finanzielle Belastung, die von den deutschen Sparern letztlich indirekt bezahlt werden muss“, sagt Rück.

Von Torsten Gellner

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