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Brandenburg Märker träumt von künstlicher Unterwasserwelt
Brandenburg Märker träumt von künstlicher Unterwasserwelt
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18:33 14.08.2016
Auf Augenhöhe mit den Fischen ohne nass zu werden – das schwebt Gregor Schlönvoigt vor. Quelle: dpa-Zentralbild
Nuthe-Urstromtal

„Ambitioniert habe ich schon oft gehört“, sagt der gelernte Koch und spätere Event-Manager Gregor Schlönvoigt. Aber wie sollte man seinen Plan auch sonst bezeichnen? Schlönvoigt will einen etwa acht Hektar großer See künstlich angelegen lassen und dort alles ansiedeln, was auch sonst in märkischen Gewässern schwimmt, kreucht und fleucht, vom Karpfen über die Stockente bis hin zum Otter. Der Clou: Man soll den Kunstsee durch einen Acryltunnel unter Wasser begehen und so all das aquatische Leben hautnah von unten aus beobachten können.

„Utobiotobia“ soll die von Schlönvoigt erträumte Unterwasser-Erlebniswelt heißen. Als eine Mischung aus Utopie und Biotop soll sie irgendwo vor den Toren Berlins entstehen und jährlich 600 000 Besucher zu einem Unterwasserspaziergang mit Lehrpfad oder gar zu einer Fahrt mit kleinen U-Booten animieren. Geschätzter Kostenpunkt einer solchen Anlage: 75 Millionen Euro.

Ambitioniertes Ein-Mann-Projekt

Gregor Schlönvoigt. Quelle: Privat

Noch muss Schlönvoigt auf seiner mit vielen „Utobiotopia“-Skizzen und Naturfotos unterlegten Webseite zugeben: „Hinter Utobiotopia steht bisher nur ein Mann.“ Aber er ist sicher, dass er eine GmbH gründen kann, wenn erst einmal die Standortfrage geklärt und Investoren gefunden sind. „Warum nicht Dinge angehen, die unmöglich scheinen?“, sagt der seit einigen Jahren in Nuthe-Urstromtal (Teltow-Fläming) lebende Schlönvoigt, der lange Jahre in Berlin die Hanfparade mitorganisiert hat. Schon 2012 habe er sich beim damaligen Bundesumweltministerium um eine Förderung für einen kleineren Unterwasserpark in der Wuhlheide beworben. Allerdings ohne Erfolg. Doch das Projekt ließ ihn nicht los. Schlönvoigts Traum ist es, mit seinem perfekten Wasserbiotop Menschen aus ganz Deutschland für ökologische Fragen zu sensibilisieren.

Hunderte E-Mails geschrieben

„Ich war schon in vielen Aquarien, in Sealife und auch im Ozeaneum in Stralsund“, sagt Schlönvoigt. Oft habe er einen Kloß im Hals gehabt, weil die Tiere nicht selten in kargen Aquarien gehalten wurden. „Sie hatten nicht einmal Plätze zum Verstecken, das ist kein Leben.“ Wie anders, dachte sich der passionierte Angler und Naturfreund, müsse sich eine natürliche Umgebung wie ein See ausmachen, voller Pflanzen, Felsen und Höhlen in Ufernähe, wo der Mensch nur stiller Beobachter wäre?

Seit Ende 2014 verfolgt Gregor Schlönvoigt wieder seinen Plan unter dem Motto: Wenn schon, dann richtig. Er entwarf fieberhaft Skizzen, dachte über die Zusammensetzung des Biotops nach, über Standorte, redete mit Berliner Aquarienbetreibern und mit Aquarienbauern. An die 300 E-Mails hat er seither geschrieben, mehrmals mit der Investitionsband des Landes Brandenburg (ILB) gesprochen.

Technisch möglich wäre es

So abwegig es zunächst scheint, dass ein Einzelner den Bau eines Unterwasserparks in Gang bringen könnte: Acrylunterwassertunnel sind technisch möglich und in anderen Aquarien schon im Einsatz. Die US-Firma Reynolds Polymer Technology hat sogar schon einen Kostenvoranschlag gemacht: Für 19,2 Millionen Euro sei das Material für einen Unterwasserrundgang inklusive Unterwasserkuppel und einem durchscheinendem Steg für einen Uferrundgang zu finanzieren sowie die Installation zu bewerkstelligen, schreibt das Unternehmen. Schlönvoigt selbst brütete über komplizierte eine Kaskadenkläranlagen und eine Solaranlage für zusätzlichen ökologischen Strom sowie über den benötigten Grund. Am besten sei Lehmboden.

Bei der ILB findet man die Pläne nicht vollkommen unrealistisch. Sei erst einmal die Standortfrage geklärt, kann man sich eine Grundfinanzierung von 35 Prozent durch europäische Förderquellen vorstellen. Den Großteil müssten aber große Banken über Kredite bereitstellen. „Theoretisch ist so eine Idee förderfähig“, sagt ILB-Sprecher Matthias Haensch. Ob Schlönvoigt aber tatsächlich große Kreditinstitute gewinnen könne, hänge von vielen Faktoren ab. Das reiche von der Ausgereiftheit seines Business-Plans bis hin zu den Reaktionen des behördlichen und privaten Umfelds auf das Projekt.

Schlönvoigt denkt groß – und an die Natur

Schlönvoigt ist sicher: Würde der Park erst einmal stehen, hätte sich die Investition in sieben Jahren amortisiert. Ja, man könne sogar ein europaweites Unternehmen mit weiteren Seen in anderen Städten aufziehen. An dem Erfolg von „Utobiotopia“ zweifelt er keinen Moment. Nicht nur würden die Besucher unglaubliche Einblicke in ein möglichst naturnahes Biotop erhalten, 20 Prozent der Gewinne des Parks würden in die Unterstützung von Umwelt- und Naturschutzprojekte fließen, verspricht er. Jetzt sucht er einen Sponsor, damit er eine Firma mit einer professionellen 3-D-Präsentation beauftragen kann. Wenn sich kein Sponsor für eine solch kostspielige Demo finde, sei ein Crowfunding „schon in der Pipeline“.

Von Rüdiger Braun

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